Auch der neue Konzernchef ist ein ausgewiesener Experte für Rückversicherungen
Analysten erwarten keinen Strategiewechsel

Das Modell "Allianz" findet bei der Münchener Rück, die schräg gegenüber in München ihren Sitz hat, seinen Nachfolger. In beiden Fällen geht der Chef etwas vor der Zeit, ohne dadurch große Bestürzung auszulösen. In beiden Fällen kommt ein Nachfolger in den mittleren Jahren, der seine Karriere im Haus gemacht hat und in der Öffentlichkeit bisher wenig in Erscheinung getreten ist.

cbu/fw DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Kontinuität wird bei der Münchener groß geschrieben. Auf den Juristen Hans-Jürgen Schinzler folgt mit Nikolaus von Bomhard wiederum ein Jurist - er hat in Regensburg promoviert und in München, wo er schon die Schulzeit verbrachte, sein zweites Staatsexamen gemacht. Mit 46 Jahren gilt er in Branchenkreisen als relativ junger Chef - jedenfalls für die bisher gewohnten Verhältnisse des Unternehmens. Im Gegensatz zu dem "unnahbaren" Schinzler wird er als "umgänglich und unkompliziert" beschrieben, auch als "zupackend, aber menschlich". Analysten, wie Frank Stoffel von der WestLB und William Elderkin von Schroder Salomon Smith Barney, erwarten von ihm keinen Strategiewechsel, erhoffen aber mehr Offenheit und genauere Angaben über die Kapitalbasis.

Seit 1985 arbeitet von Bomhard bei der Münchener Rück, wo er nach seiner Zeit als Trainee schnell Vorstandsassistent wurde und viele Jahre mit Organisationsprojekten verbrachte. Seine Feuerprobe hat der Manager, der verheiratet ist und zwei Kinder hat, aber fernab weißblauer Gemütlichkeit bestanden. In den Jahren 1997 bis 2000 baute er die brasilianische Außenstelle in São Paulo auf. Hier kam ihm seine Sprachbegabung zugute, außer Englisch und Französisch beherrscht er auch Spanisch und Portugiesisch. Außerdem ist Brasilien ein Land, das viel Fingerspitzengefühl verlangt - auch im Kontakt mit Politikern. Dem Vorstand gehört von Bomhard seit dem Jahr 2000 an, mit der Zuständigkeit für Lateinamerika und Teile von Europa - Deutschland ist nicht dabei.

Dass der Nachfolger Schinzlers an der Konzernspitze aus dem eigenen Hause kommen würde, ist bei der Münchener Rück ein ungeschriebenes Gesetz. Seit seinem 60. Geburtstag am 12. Oktober 2000 wurde Schinzlers Vertrag nach hausinternem Brauch nur noch für jeweils ein Jahr verlängert. Schon seit längerem brachten sich deshalb Kandidaten in Stellung.

Finanzvorstand Heiner Hasford, 55, brillanter Verhandlungsführer und Strippenzieher, wurde immer als Favorit gehandelt. Doch er fädelte die Beteiligung an der Hypo-Vereinsbank (HVB) ein, die dem Konzern jetzt große Schwierigkeiten bereitet. Intern soll er sich vor zwei Jahren sogar für eine Mehrheitsübernahme der Großbank stark gemacht haben, doch er konnte sich nicht durchsetzen. Das wird ihm noch heute angekreidet.

Auch Controlling-Vorstand Jörg Schneider und Strategie-Vorstand Clement Booth wurden Ambitionen nachgesagt. Beide äußerten sich zuletzt auch öffentlich zu strategischen Fragen. Der 44-jährige Zahlenspezialist Schneider trat zudem häufiger in der Öffentlichkeit auf und präsentierte die Ergebnisse. Als chancenreicher Kandidat galt zudem Vorstandsmitglied Stefan Heyd, der sich um die wichtigsten internationalen Kunden kümmerte.

Doch alle kamen nicht zum Zuge. Schinzler entschied sich für von Bomhard. Ein Konzernsprecher betonte gestern, der Vorstand habe die Ernennung von Bomhards einstimmig dem Aufsichtsrat vorgeschlagen.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%