Auch der PC als Zugang zum weltweiten Datennetz gefragt
Microsoft-Chef Steve Ballmer setzt auf das mobile Internet

Der Vorstandschef von Microsoft, Steve Ballmer, hat den Analysten versprochen, dass das Unternehmen wieder auf den Wachstumskurs gebracht werde. Ballmer setzt dabei auf das Internet – und die neue Mobiltelefonie.

wsj PARIS. Software-Gigant Microsoft setzt für die Zukunft auf seine neue Strategie .Net - "dot net" genannt. Diese soll die Microsoft-Software für das Internet fit machen und neue Internet-Dienstleistungen entwickeln helfen. Die Programme will der Software-Gigant dann als Dienstleistungen vertreiben, die die Benutzer nicht mehr käuflich erwerben, sondern gegen Miete nutzen sollen. An dem Erfolg dieses Projekts hängt nach Einschätzung hochkarätiger Microsoft-Manager das Schicksal des Software-Giganten.

Es stellt sich allerdings die Frage, ob die Verbraucher bereit sein werden, die Microsoft-Produkte kostenpflichtig zu abonnieren, während Konkurrenzprodukte wie Linux, das Star Office von Sun und tausende anderer Anwendungen gebührenfrei aus dem Internet herunter geladen werden können. Im Gespräch mit dem Wall Street Journal zeigt Microsoft-Vorstandschef Steve Ballmer sich aber optimistisch, dass seine Kunden das neue System annehmen werden. "Wenn man den Leuten eine nützliche Dienstleistung anbietet, dann werden sie auch bereit sein, dafür zu zahlen", so Ballmer zuversichtlich. Wenn man ihnen allerdings nicht das gebe, was sie wollen, "dann werden sie hierfür auch nicht zahlen".

Im Moment sei es ja tatsächlich so, dass einige Microsoft-Anwender sich die Programme ganz umsonst beschafften. Ballmer gibt sich jedoch überzeugt, wenn man den Kunden den richtigen Service zum richtigen Preis anbiete, dann werde man sie für sich gewinnen können.

Für den europäischen Markt rechnet Ballmer damit, dass die Entwicklung von Internet- und Mobiltelefonie-Anwendungen nicht nur Impulse für den Markt von Mobilgeräten, sondern auch für den der Personal Computer bringen werde.

Europa als Testfeld für mobiles und interaktives TV

"Noch immer hinkt Europa bei der Nutzung des Internets hinter den USA hinterher, obwohl Länder wie Schweden schon sehr weit fortgeschritten sind", so Ballmer. "Ich bin überzeugt, wenn wir die richtigen Produkte anbieten, um die Leute für Mobil-Telefonie für Internet-Nutzung zu begeistern, dann wird die Internet-Nutzung überall in Europa geradezu explodieren." Europa ist für Microsoft das Versuchsfeld für neue Technologien, vor allem das mobile und interaktive Fernsehen. Hier hat der Softwaregigant allerdings wichtige Entwicklungen verschlafen. Erst kürzlich verpasste Microsoft die Fertigstellungsfrist für die Software für die Kabel-Set-Top-Boxen der niederländischen United Pan-Europe Communications (UPC), den größten europäischen Anbieter von Kabelfernsehen. "Wir arbeiten jetzt aber mit UPC weiter nach bisherigem Plan zusammen und werden gemeinsam neueste Set-Top-Box-Kapazität auf den Markt bringen", so Ballmer.

Während auf dem US-Markt die Haupt-Konkurrenten AOL und Linux-Anwendungen seien, gefolgt von Sun und Oracle, spiele AOL in Europa nach Ballmers Ansicht keine so große Rolle. "Sun, Oracle, IBM und Linux sind hier unsere Wettbewerber. Aber wenn ich mich nicht irre, ist unser MSN das größte Portal in Europa. Yahoo haben wir glaube ich überholt."

Für den europäischen PC-Markt erwartet Ballmer nicht, dass bald wieder Wachstumsraten von 25 % pro Jahr erreicht werden können, mit denen die Branche vor dem Jahrtausendwechsel verwöhnt worden war. Die jüngsten Einbrüche auf dem Markt für Telekom - und Technologieaktien haben die Unternehmensstrategie von Microsoft nach Ballmers Angaben nicht verändert - also weder in die Richtung, dass man jetzt verstärkt Einkaufsmöglichkeiten suche, noch dass man die eigene Kaufkraft für geringer hält. "Wir haben das Gaspedal nach wie vor bis zum Anschlag durchgedrückt", erklärt Ballmer. "Wir haben ja nicht die Probleme vieler Dot-Com-Startups. Wir erwirtschaften Profit und glauben an langfristige Technologie-Investitionen, die wir jetzt vornehmen." Zu viele Internet-Unternehmen hätten ihr Geschäft kurzfristig ausgerichtet, so Ballmer. "Dabei gibt es bahnbrechende Technologien, die langfristig unser aller Lebens- und Arbeitsweise verändern werden. Doch ich sehe nicht viele Software-Entwickler, die wirklich langfristig in diese "deep"-Technologie investieren. Wir aber sind eines davon - und außer uns sehe ich vielleicht noch eine Hand voll andere."

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