Auch der Yen fällt weiter
Euro erstmals in diesem Jahr unter 0,88 Dollar gesunken

Die Enttäuschung über den Beschluss der Europäischen Zentralbank (EZB), die Leitzinsen trotz schwächerer Konjunkturaussichten in der Euro-Zone unverändert zu lassen, hat den Euro auch am Freitag noch belastet. Die Währung fiel zum ersten Mal in diesem Jahr unter 0,88 Dollar. Der Yen fiel wegen der anhaltenden Unsicherheit über die Wirtschaftslage und die Wechselkurspolitik Japans zur US-Währung auf sein niedrigstes Niveau seit mehr als zweieinhalb Jahren bei Kursen um 125,71Yen pro Dollar.

rtr FRANKFURT. Händlern zufolge konnte der Euro vorübergehend von schwachen US-Konjunkturdaten profitieren. Doch die Gewinne seien nicht nachhaltig gewesen. Denn die Anleger bewerteten die zögerliche Haltung der EZB in der Zinspolitik als unnötiges Risiko für das Wachstum in der Euro-Zone. Dies sei der Hauptgrund für den Abwärtsdruck auf den Euro gewesen.

In New York ging der Euro mit 0,8791/95 Dollar aus dem Handel und notierte damit etwas über seinem vorläufigen Tagestief von 0,8771 Dollar. Dabei war die Währung nach der Bekanntgabe des deutlichen Rückgangs des Chicagoer Einkaufsmangerindexes am späten Nachmittag noch bis auf 0,8875 Dollar geklettert. Die EZB hatte am Mittag in Frankfurt den Referenzkurs des Euro mit 0,8832 Dollar nach 0,8840 Dollar am Vortag festgelegt. Ein Dollar kostete damit weiterhin 2,215 DM.

Kritik am EZB-Beschluss vom Donnerstag

Händler äußerten Unverständnis darüber, dass die EZB am Donnerstag noch nicht gehandelt habe, obwohl ihrer Einschätzung nach eine Zinssenkung wegen einer womöglich stärkeren Konjunkturabkühlung in der Euro-Zone längst geboten ist. Im Unterschied zur EZB habe sich die US-Notenbank (Fed) vorbildlich verhalten. Die Fed hat seit Januar die Zinsen drei Mal um insgesamt 150 Basispunkte gesenkt, um die US-Wirtschaft vor einer Rezession zu bewahren. Die EZB habe den Euro bewusst absacken lassen, vermuteten Händler. Die Notenbank müsse gewusst haben, dass ein Beschluss gegen eine Zinssenkung die Währung belasten würde. Der EZB könnte ebenso wie der Bank of Japan (BoJ) an einer schwächeren Landeswährungen gelegen sein, um die heimischen Exporte zu fördern, sagte Marshall Gittler von der Bank of America. "Möglicherweise sieht der Markt die USA als das geringste von drei Übeln. Die Fed hat eine größere Flexibilität als die EZB oder die BoJ und sie hat keine Bedenken, diese auch einzusetzen," sagte er.

Kaum Einfluss auf den Euro-Kurs hatten dagegen die Äußerungen führender deutscher und französischer Finanzpolitiker und Notenbanker zu Geldpolitik und Konjunktur in der Euro-Zone. Nach Worten von Bundesbankpräsident Ernst Welteke waren vor allem die anhaltenden Preisrisiken in der Euro-Zone der Grund für die EZB, in dieser Woche die Zinsen unverändert zu lassen. Der französische Notenbankpräsident Jean-Claude-Trichet verlas auf der Pressekonferenz nach dem Deutsch-Französischen Wirtschaftsrat in Rouen eine Zusammenfassung von EZB-Präsident Wim Duisenberg zur Position des EZB-Rats. Demnach untersucht die Notenbank, ob und wie stark die Inflationsrisiken in der Euro-Zone weiter abnehmen. Die EZB habe aus Duisenbergs Sicht erneut ihre abwartende geldpolitische Haltung bekräftigt.

Die weiter unsicheren Konjunkturaussichten Japans und erneute Verwirrung über die Wechselkurspolitik der Tokioter Regierung haben indessen den Yen zur US-Währung auf sein niedrigstes Niveau seit gut zweieinhalb Jahren fallen lassen. Gegen 19.45 Uhr MESZ notierte der Dollar anhaltend fest mit 125,58/68 Yen. Auch der Euro lag mit 110,35/40 Yen weiter nahe seines zuvor markierten Eineinhalb-Wochen-Hochs von 111,18 Yen. Nachdem japanische Notenbanker und Politiker in den vergangenen Wochen bekräftigt hatten, Japan wolle einen starken Yen und es habe keine Gespräche über die Währungspolitik mit den USA gegeben, sorgte Händlern zufolge Wirtschaftsminister Taro Aso für erneute Verunsicherung. Aso sagte am Freitag, seine Regierung habe mit den USA über die Möglichkeit diskutiert, den Kurs des Yen zu schwächen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%