Auch Deutschland betroffen
Massenentlassung bei ABB nach Gewinneinbruch

Der schwedisch-schweizerische Elektrotechnik- und Technologiekonzern ABB will in den kommenden 18 Monaten 12 000 seiner knapp 164 000 Stellen abbauen, einen Teil davon in Deutschland. Das teilte das Unternehmen am Dienstag in Zürich mit.

dpa ZÜRICH/MANNHEIM. Ein Drittel der Arbeitsplätze soll dadurch wegfallen, dass frei werdende Stellen nicht wiederbesetz werden. Die Kosten für das Abbauprogramm wurden auf 500 Millionen US-Dollar veranschlagt. Als Gründe für die Reduzierung der Belegschaft nannte ABB die Notwendigkeit der Kostensenkung und die Konjunkturabschwächung.

"Fest steht, dass Deutschland betroffen sein wird", sagte ein Sprecher der deutschen ABB in Mannheim. Wo und wie viele Stellen abgebaut würden, sei derzeit jedoch völlig unklar. Zunächst würden die weltweiten Geschäftsprozesse betrachtet, um herauszufinden, wo die Probleme am größten seien. Der Abbau werde jedoch alle 100 Länder betreffen, in denen ABB vertreten sei. In Deutschland arbeiten etwa 20 000 Menschen bei ABB.

Das Ergebnis des ersten Halbjahres 2001 zeigte in den Konzernbereichen einen deutlichen Ertragsrückgang. Insgesamt sank der Reingewinn im Vergleich zum Vorjahr um 76 Prozent auf 266 Millionen Dollar. Der Auftragseingang ging um sieben Prozent auf 12,648 Milliarden Dollar zurück. Der Konzernumsatz verharrte auf dem Niveau von knapp über 11 Milliarden Dollar. Die Ergebnisse würden das unsichere Investitionsklima widerspiegeln, nachdem die Konjunkturverlangsamung nun auch auf Europa und Asien übergegriffen habe, sagte der neue ABB-Chef Jörgen Centerman.

Nach dem Gewinneinbruch reduzierte ABB seine kurz- und mittelfristigen Ziele. Der Gewinn im Jahr 2001 werde niedriger ausfallen als erwartet. Bis zum Jahr 2005 solle die Gewinnmarge bei neun bis zehn Prozent liegen, anstatt der zuvor anvisierten 15 Prozent. Beim Umsatz blieb ABB beim gesteckten Ziel von jährlichen sechs Prozent Steigerung.

Der Konzern wird seit Anfang dieses Jahres, als Centerman sein Amt antrat, umstrukturiert. An die bisherige Organisation nach Sparten tritt eine Struktur, die sich an Kundengruppen orientiert. Die neue ABB, die in rund 100 Ländern aktiv ist, gliedert sich in die vier Bereiche Versorgungsunternehmen, Prozessindustrien, Fertigungs- und Konsumgüterindustrie sowie Öl, Gas und Petrochemie.

Analysten reagierten auf die Gewinnzahlen enttäuscht. Über einen Stellenabbau war bereits früher spekuliert worden, nachdem direkte Konkurrenten wie Emerson Electric und Rockwell International ihrerseits die Reduktion ihrer Gewinnaussichten mit Entlassungen begleitet hatten. Dass ABB seine Ziele reduziere, sei auch ein Versuch, die Glaubwürdigkeit des Managements zu bewahren, sagte Allesandro Migliorini von der Bank Pictet auf Anfrage. ABB blicke schweren Zeiten entgegen.

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