Auch die Fernheizungen funktionieren nicht
Stromausfälle in Serbien

dpa BELGRAD. "Wir feiern den Jahreswechsel zwar ohne Diktator Milosevic aber auch ohne Strom", bemerkt der Belgrader Kneipenbesitzer Gane sarkastisch. Der Wirt im "Smaragd-Cafe " bietet seinen Gästen bei Kerzenschein Whisky ohne Eis und nur kalten lösbaren Kaffee an. Wie er müssen sich die Serben überall im Land seit Tagen mit Stromausfällen arrangieren, die in manchen Landesteilen ununterbrochen 20 und mehr Stunden betragen. Dass Energieminister Srboljub Antic am Donnerstag sein Hut und Mitverantwortung übernahm, tröstet sie wenig.

Andauernde Trockenheit, fast ausgetrocknete Flüsse, Kraftwerke in desolatem Zustand, aber auch "vermutlich Sabotage der Milosevic- Leute" werden als Gründe für den Strommangel angegeben. In Belgrad, Nis und anderen Städten haben aus Protest wegen der Stromsperren tausende aufgebrachte Bürger Straßen blockiert, Reifen und Müll angezündet und Angestellte und Büros der Stromverwaltung angegriffen.

Heizungen funktionieren nicht und es gibt keine Straßenbeleuchtung

"Nur Gott hilft uns jetzt, denn die Temperaturen sind mit 10 Grad nicht echt winterlich und wir merken weniger, dass die Fernheizung nicht funktioniert", sagt Rentnerin Katarina Mijatovic. Ihre größte Sorge gilt der Sicherheit ihrer Tochter, die von der Arbeit durch unbeleuchtete Straßen nach Hause kommt. Zeitungen berichteten von Raub- und Mordfällen, die sich in vollkommener Dunkelheit gehäuft haben.

Stromausfälle haben in einem Belgrader Vorort auch bereits ein Zugunglück mit mindestens zwölf Verletzten verursacht, weil die Signale nicht funktionierten. Landesweit sind die Verkehrsampeln ausgeschaltet, was immer wieder zum Verkehrschaos in vielen Städten geführt hat. Die Behörden haben in allen Fabriken Zwangsurlaub bis Anfang Januar angeordnet.

Deutsche Fördergelder konnten bisher nicht helfen

Auch die vor allem aus Deutschland für Stromimporte zur Verfügung gestellten Millionen der Europäischen Union haben die Lage nicht erleichtert. Denn in den Nachbarstaaten kann praktisch kein Strom gekauft werden, weil er auch dort knapp ist.

Viele Bürger, vor allem auf dem Land und in alten Gebäuden, haben Alternativen. Wenigstens in den Küchen stehen alte Holzherde zum Kochen und für die Wärme. Gaslampen geben etwas Licht. "Ohne den Fernseher und die Computerspiele haben wir wieder gelernt, uns zu versammeln, zu reden und selbst zu unterhalten", sagt die 18-jährige Gymnasiastin Marta Vlahovic. Sie hat mit Freunden Musikgruppe gegründet und "macht richtige unplugged Musik".

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