Auch die Personalberater-Branche spürt die Konjunkturflaute
Headhunter: Entspannung im Kampf um die Top-Talente

Mit Sehnsucht blicken die Personalberater auf die Rekordumsätze zurück, die sie 2000 noch erzielt haben.

Noch bis vor kurzem rieben sich die Personalberater kräftig die Hände: Der von McKinsey beschriebene "Krieg um Spitzenkräfte" sorgte für lukrative Aufträge, besonders im Segment der hochqualifizierten Manager. Die Folge waren stets zweistellige Wachstumsraten in den letzten Jahren.

Jetzt aber kühlt sich nicht nur die Konjunktur ab, auch im Kampf um Toptalente zeichnet sich Entspannung ab. Das sorgt für erste Molltöne in den Reihen der Personalberater: Nach der Frankfurter Vereinigung Deutscher Executive Search Berater, VDESB, spricht nun auch der Bonner Bundesverband Deutscher Unternehmensberater, BDU, von sinkenden Wachstumsraten bei den Mitgliedsfirmen, die Personalberatung betreiben.

Deren Honorarumsätze seien im ersten Quartal 2001 "nicht mehr so rasant" in die Höhe geklettert. Die Hauptursachen für diese Entwicklung sieht der Vizepräsident des Verbands, Joachim Staude, in der negativen Marktentwicklung im IT-Sektor sowie in der Krise der Unternehmen, die am Frankfurter Neuen Markt notiert sind.

Beim Blick auf die Vorjahreszahlen kommt Wehmut auf

Wehmütig blicken die Chefs der Beratungsfirmen auf die Rekordzahlen des vergangenen Jahres. Der Gummersbacher Unternehmensberater Jochen Kienbaum etwa meldet für das Jahr 2000 einen Honorarumsatz von 127 Millionen Mark - eine Steigerung um über ein Viertel im Vergleich zu 1999, wo der Umsatz bei rund 99 Millionen Mark gelegen haben soll. Damit sei Kienbaum Executive Consultants, also die Personalberatungstochter seiner Consultingfirma, der Marktführer in Deutschland, behauptet Kienbaum.

Bei einem eneuen Ranking, das der BDU in dieser Woche veröffentlicht hat, lohnt jedoch der Blick aufs Kleingedruckte: "Bei einem Teil der aufgeführten Personalberatungen sind die Kosten für die Schaltung von Stellenanzeigen Bestandteil des angegebenen Honorarumsatzes", so ein dezenter Hinweis in einer Fußnote der Tabelle.

>>Die 25 größten Personalberater

Solche durchlaufenden Posten helfen vor allem, die Umsätze jener Beratungsfirmen aufzublasen, die zahlreiche Fachkräfte und mittlere Manager per Stelleninserat suchen. Dazu gehört auch die Gummersbacher Firma. Lediglich etwa 70 Prozent des Umsatzes, den Kienbaum Executive Consultants im vergangenen Jahr erzielt habe, entfielen auf das Geschäft mit der Suche nach Managern im Wege der Direktansprache, so Kienbaum auf Nachfrage gegenüber dem Handelsblatt. Mancher Headhunter sagt deswegen, man vergleiche Äpfel mit Birnen, wenn man Kienbaum in eine Reihe mit Firmen wie Heidrick & Struggles setze.

BDU-Ranking hat schwerwiegende Makel

Die dem Handelsblatt vorliegende BDU-Tabelle hat noch einen weiteren schwerwiegenden Makel: Sie enthält nicht alle Personalberatungsfirmen, die zu größeren Beratungsunternehmen gehören oder gehörten. So fehlen in dem Ranking etwa die Zahlen der Personalberater von Roland Berger oder Gemini Consulting. Roland Berger habe keine Zahlen gemeldet, so ein BDU-Sprecher. Die Münchner Firma zählt seit kurzem nicht mehr zu den Mitgliedern des Verbandes. Die Headhunter bei Gemini dagegen agieren seit Januar 2001 als selbstständiges Unternehmen auf dem Markt. Mit rund 50 Mitarbeitern erzielten sie im vergangenen Jahr rund 20 Millionen Mark Umsatz, so jedenfalls Claus Goworr, Chef von Gemini Executive Search in München.

Die Aussichten für das laufende Jahr beurteilt der BDU mit verhaltenem Optimismus. Jochen Kienbaum etwa erwartet "lediglich einstelliges Wachstum". Genauer: "Etwa zehn Prozent plus", so der Berater. Damit werde seine Firma aber besser abschneiden als manche Konkurrenten, denen er "deutliche Rückgänge" bis hin zu "Einbrüchen von 30 bis 40 Prozent" prophezeit. Die Namen dieser Wettbewerber wollte der Consultant allerdings nicht nennen.

Konjunkturknick trifft auch die Global Player

Wie auch immer: Fest steht, dass sich der Konjunkturknick nicht nur bei kleinen und mittleren Beratungsfirmen wie Kienbaum auswirkt. Die negative Entwicklung betrifft auch die so genannten Global Player, also weltweit agierende Firmen wie Heidrick & Struggles und Korn Ferry International. Das zeigt ein Blick in die USA, wo die Chefs dieser Beratungsunternehmen seit kurzem über schlechtere Geschäfte klagen und bereits Entlassungen angekündigt haben.

"Die Unsicherheit über die weitere konjunkturelle Entwicklung führte bei vielen Unternehmen im ersten Quartal zu einem Einstellungsstopp", so Windle Priem, der scheidende Chef von Korn Ferry International. Und der US-Branchendienst Hunt-Scanlon meldet unter Berufung auf eine aktuelle Korn-Ferry-Studie, die Nachfrage nach Führungskräften im ersten Quartal des laufenden Jahres sei weltweit um elf Prozent zurückgegangen. Lediglich in Europa habe es in den ersten drei Monaten dieses Jahres besser ausgesehen. 2001 wollten die europäischen Unternehmen neun Prozent mehr Managerstellen besetzen als im Vergleichsquartal des Jahres 2000. Es dürfte in diesem Jahr das letzte Quartal mit einer solch positiven Steigerungsrate gewesen sein.

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