Auch die Sanitäter gerieten unter Beschuss
Zehn Tote bei Überfall auf israelischen Bus

Beim Überfall auf einen israelischen Bus am Mittwoch im besetzten Westjordanland haben nach Polizeiangaben palästinensische Extremisten zehn Menschen getötet und mehr als 30 verletzt. Der Bus war von Tel Aviv zur israelischen Siedlung Immanuel unterwegs. Die drei Täter verwendeten eine Bombe, Handgranaten und Gewehre.

Reuters IMMANUEL. Die Brigaden der Märtyrer der El-Aksa-Moschee bekannten sich zu dem Anschlag. Kurz darauf griffen zwei Selbstmord-Attentäter die israelische Siedlung Gusch Katif im Gaza-Streifen an. US-Vermittler Anthony Zinni hatte am Dienstag ein Stillhalteabkommen erreicht. Es konnte aber nicht verhindern, dass die Zahl der Toten seit Beginn des Palästinenser-Aufstandes vor über 14 Monaten auf fast 1 000 stieg.

Augenzeugen schilderten den Ablauf des Anschlages so: Als der Bus unmittelbar vor der Siedlung aus einer Kurve kam, detonierte am Straßenrand eine Bombe. Der Bus blieb etwa etwa 100 Metern weiter stehen. Die Fahrgäste rannten auf die Straße. Drei Palästinenser warfen Handgranaten unter die Menschen und beschossen sie. Getroffen wurden auch andere Fahrzeuge. Selbst die Sanitäter, die zum Ort des geschehens geeilt waren, gerieten unter Beschuss. Sie ließen die Verletzten mit Hubschraubern nach Tel Aviv bringen. Fünf der Menschen seien in Lebensgefahr, berichteten die Sanitäter.

Ein Korrespondent des Armeesenders schilderte, er habe die Leiche eines der Attentäter gesehen, der noch im Tode ein Schnellfeuergewehr des Typs M-16 und eine Pistole umklammert hielt. Der Mann sei offenbar von einem Auto überfahren worden, und ein Polizist habe ihn dann erschossen. Die beiden anderen Attentäter flüchteten angeblich in Richtung Nablus. Die Armee fahndete nach ihnen, und setzte wegen der einbrechenden Dunkelheit Leuchtkugeln ein.

Die El-Aksa-Brigaden ließen erklären, der Überfall sei die Rache für die israelischen Morde an Palästinensern. Der Gruppe wird nachgesagt, der Fatah-Organisation des Palästinenser- Präsidenten Jassir Arafat nahe zu stehen.

Die israelische Regierung machte wie bei früheren Anschlägen Arafat persönlich für den Tod der Menschen bei Immanuel verantwortlich. Arafat "gebietet diesen Terroristen keinen Einhalt", sagte Regierungssprecher Arjeh Mekel. Er bleibe untätig und lasse die Hintermänner der Anschläge auf freiem Fuß. Das US-Außenministerium verlangte von Arafat sofortige Maßnahmen, um der Verantwortlichen habhaft zu werden. Der Vermittler Zinni werde solange in der Region bleiben, wie sich Israel und die Palästinenser um eine Waffenruhe bemühten. Die Regierung Arafats verurteilte die Anschläge bei Immanel und Gush Katif. Sie tue alles, um die Sicherheitslage zu verbessern.

Nur Minuten nach dem Überfall auf den Bus drangen nach Angaben aus israelischen Militärkreisen zwei Selbstmordattentäter mit Bomben in die Siedlung Gusch Katif ein und sprengten sich in die Luft. Außer den beiden Toten gab es drei Verletzte. Ein Sprecher der Palästinenser-Polizei sagte, israelische Panzer und Infanterie hätten die wichtigste Straßenverbindung zwischen dem Norden und dem Süden des Gaza-Streifens gesperrt.

Kurz vor dem Bus-Anschlag berichteten Augenzeugen aus Dschenin im Westjordanland, es seien drei israelische Panzer bis ans Stadtzentrum herangefahren und hätten ihre Bordwaffen eingesetzt, als sie mit Gewehren beschossen worden seien. Zehn Menschen hätten Verletzungen erlitten. Die Armee teilte hingegen mit, außerhalb Dschenins sei ein Panzer beschossen worden, woraufhin zwei Panzer zum Stadtrand gefahren seien und das Feuer mit einer Granate erwidert hätten. Ziel sei ein palästinensischer Polizist gewesen.

Gleich nach der Bekanntgabe der Vereinbarung zwischen Sicherheitsbeauftragten Israels und der Palästinenser-Regierung hatten am Dienstagabend israelische Kampfhubschrauber bei Chan Junis vier Mitglieder der Fatah-Splittergruppe Abu-Risch- Brigaden erschossen. Sie hätten einen Angriff unternommen, teilte die Armee mit. An Chan Junis grenzt die israelische Siedlung Newe Dekalim.

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