Auch die Schwaben wollen die Börse erobern
VfB Stuttgart setzt auf Business-Logen und Börsen-Pläne

dpa STUTTGART. Sport und Wirtschaft rücken immer weiter zusammen - auch beim Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart. Nach dem Umbau des Gottlieb-Daimler-Stadions werden die Topmanager der Unternehmen im Südwesten ihren festen Platz auf der Tribüne haben - in so genannten Business-Logen mit VIP-Service und Büro-Ausstattung. Gleichzeitig liebäugelt der VfB mit dem Schritt auf ein Parkett abseits des grünen Rasens: Ermuntert durch den anstehenden Börsengang des Konkurrenten Borussia Dortmund will der designierte VfB-Präsident Manfred Haas die Umwandlung des Vereins in eine neue Rechtsform mit Aussicht auf eine spätere Börsennotierung prüfen lassen.

Noch ist von dem neuen "Business-Gefühl" auf der Haupttribüne des VfB-Stadions nicht viel zu spüren: Von den Logen, die für Mieten von bis zu 185 000 DM jährlich zu haben sind, stehen bisher nur die Betonwände. Doch Rainer Mutschler, Mitarbeiter der VfB Stuttgart Marketing GmbH, kann sich die Sitzordnung schon ausmalen. "Hier ist die DaimlerChrysler-Loge, nebenan Debitel", erklärt der frühere Trainer der deutschen alpinen Skiläuferinnen. Die Hälfte der 42 Logen sei schon verkauft, ein weiteres Viertel reserviert. Vertreten sei "alles, was Rang und Namen hat", sagt Peter Godenrath, Chef der Marketing GmbH. Wer leer ausgeht, kann vielleicht noch ein paar der 1 200 Business-Sitze für im Schnitt je 7 000 DM inklusive Catering ergattern.

Für die Unternehmen sind die VIP-Plätze Chefsache: 87 % der aussichtsreichen Sitze in den Stadien werden auf höchster Ebene vergeben. Das ergab eine Studie des Vermarkters UFA Sports, der unter anderem in Hamburg, Berlin und Dortmund für die Ehrengäste der Profi- Clubs zuständig ist. 41 % der Logen-Zuschauer sind demnach Geschäftspartner des Mieters, 29 % Kunden.

Zwischen drei und vier Mrd. DM setzen Unternehmen in Deutschland pro Jahr mit Sport-Sponsoring um - Tendenz steigend. Dass auch der VfB von der zunehmenden Verschmelzung von Sport, Kultur und Wirtschaft profitieren will, ist angesichts solcher Zahlen keine Überraschung. Manfred Haas, Vorstandschef der baden-württembergischen Sparkassen-Versicherung und in zwei Wochen vermutlich auch Nachfolger von Gerhard Mayer-Vorfelder als VfB-Präsident, zeigt sich selbst für das umstrittene Thema Börsengang offen. "Wir beschäftigen uns konzeptionell damit", gibt der Manager zu.

Derzeit erzielt der VfB ohne Spielertransfers mit 260 Mitarbeitern rund 70 Mill. DM Umsatz. Wirtschaftlich noch bedeutender könnte künftig allerdings eine andere Zahl sein, und die stimmt in dieser Woche eher pessimistisch: Platz 15 in der Bundesliga-Tabelle. Doch auch ohne Champions League oder Deutsche Meisterschaft könnte der VfB an der Börse Erfolg haben, meint Thomas Dörflinger, Spezialist der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) für Fußball- Aktien. Er ist überzeugt, dass sich nicht nur zwei oder drei der 18 Bundesliga-Clubs den Schritt überlegen werden.

Das Kapital aus dem Börsengang können die Vereine zum Beispiel in den Ausbau der Mannschaft, aber auch in eigene Reisebüros oder Internet- Unternehmen investieren. Eine allzu große Umgewöhnung wäre die Expansion für die Vereinsmanager wohl nicht: In den VIP-Logen sitzen sie ja bereits neben ihren Kollegen aus den Großunternehmen.

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