Auch ein Geisteskranker soll sterben
Neue Hinrichtungsserie in den USA

dpa HUNTSVILLE. Ungeachtet der zunehmenden Zweifel an der Todesstrafe sind erneut zwei Menschen in den USA hingerichtet worden. In der Nacht zum Mittwoch starben zwei als Mörder Verurteilte in Texas und in Missouri an Giftinjektionen.

Für diesen Donnerstag ist in Texas die besonders heftig umstrittene Exekution des geistig behinderten John Paul Penry angesetzt, für den sich Todesstrafengegner in aller Welt eingesetzt haben. Der Begnadigungsausschuss lehnte eine Umwandlung von Penrys Strafe in lebenslange Haft am Dienstagabend (Ortszeit) ab. Letzte Hoffnung für den 44-jährigen ist jetzt eine Begnadigung durch den Obersten Gerichtshof in Washington.

Der texanische Gouverneur George W. Bush könnte die Exekution Penrys um 30 Tage aufschieben. Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner ist jedoch ein energischer Befürworter der Todesstrafe und hat von dieser Möglichkeit in der Vergangenheit kaum Gebrauch gemacht. Die deutsche Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung appellierte am Mittwoch unter anderem an Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), bei Bush zu intervenieren.

Penry hatte im Oktober 1979 eine Frau vergewaltigt und mit einer Schere erstochen. Der Supreme Court der USA nahm damals den Fall zum Anlass für eine Grundsatzentscheidung. Geistesschwache dürfen demnach nur hingerichtet werden, wenn die Geschworenen im Prozess angewiesen wurden, diesen Geisteszustand als mildernden Umstand zu betrachten. Penry erhielt einen zweiten Prozess und wurde erneut zum Tode verurteilt. Er sitzt seit 20 Jahren in der Todeszelle.

Am Dienstagabend (Ortszeit) starb der 31-jährige Stacey Lawton im texanischen Staatsgefängnis Huntsville an einer Giftinjektion. Er beteuerte bis zuletzt seine Unschuld. "Ich habe niemanden getötet", sagte Lawton in seinen letzten Worten in der Todeskammer. In Potosi (Missouri) wurde der 48-jährige James Chambers hingerichtet. Er hat die tödlichen Schüsse auf einen Mann vor 18 Jahren zwar zugegeben, will aber in Notwehr gehandelt haben. Seine Frau schlug nach Zeugenberichten verzweifelt gegen die Fensterscheibe der Todeszelle, als das Gift injiziert wurde. Angehörige des Opfers riefen: "Jetzt weißt Du, wie es ist." Am Mittwochabend war in Texas die Hinrichtung eines Mannes geplant, der 1991 ein elf-jähriges Mädchen vergewaltigt und erdrosselt hatte.

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