Auch Euro-Kurs birgt weitere Gefahren
DIW: Deutschland nähert sich einer Rezession

Die deutsche Wirtschaft befindet sich nach Einschätzung des Wirtschaftsforschungsinstituts DIW in einer Phase der Stagnation und nähert sich einer Rezession. Das Wachstum werde 2003 nur rund 0,2 Prozent erreichen, sagte DIW-Präsident Klaus Zimmermann am Montag bei einem Abendessen mit Journalisten in Berlin.

Reuters BERLIN. Den Leuten gehe es noch immer zu gut, um sich darüber bewusst zu werden, dass sie in eine Rezession abgleiten, wenn das Land nicht tief greifende Strukturreformen umsetzt. Zusätzliche Rezessions- und Deflationsgefahren für die deutsche Wirtschaft berge der jüngste deutliche Anstieg des Euro-Kurses.

"Deutschland ist in einer Phase der Stagnation und wir sind am Rande einer Rezession. Ich sehe im Moment keine hoffnungsvollen Zeichen", sagte Zimmermann. Die Wachstumsprognose der Bundesregierung von 0,75 % in diesem Jahr bezeichnete er als "total überzogen". Wahrscheinlicher sei eine Rate nahe Null. Selbst die Voraussage der sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute, wozu auch das DIW zählt, in ihrem Frühjahrsgutachten von 0,5 % nannte er als zu optimistisch. Im zweiten Quartal werde es wahrscheinlich nahezu kein Wachstum geben, nachdem die Leitung der deutschen Wirtschaft in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 0,2 % abgenommen habe, sagte er.

Ohne größere Reformen des Wohlfahrtsstaates und des Arbeitsmarktes werde Deutschland als größte Volkswirtschaft der Euro-Zone in große Schwierigkeiten geraten. "Wir tanzen auf der 'Titanic', wir haben Eis in unseren Gläsern, haben den Eisberg aber noch nicht gesehen", sagte Zimmermann. Er fügte hinzu: "Den Leuten geht es nicht schlecht genug, um Aufruhr zu erzeugen, aber wir können relativ schnell in eine Situation kommen, wo es keinen Ausweg gibt, zumindest keinen einfachen".

Der jüngste Anstieg des Euro habe die Gemeinschaftswährung nahe an ein Niveau gebracht, das gefährlich für die deutsche Wirtschaft sei und zudem das Risiko von Rezession und Deflation - eines anhaltenden Preisverfalls, der die Gewinne der Unternehmen aushöhlt und die Wirtschaft blockiert - erhöhe, sagte er. Kritisch werde es bei einem Euro-Kurs ab 1,30 Dollar. Das hätte erhebliche Effekte auf die Wirtschaft.

Am Montag war der Euro auf ein neues Vier-Jahres-Hoch zum Dollar geklettert. Er notierte mit Kursen um 1,1870 Dollar nur noch knapp unter ihrem Rekordhoch von 1,1886 Dollar, das er kurz nach ihrer Erstnotierung im Januar 1999 verzeichnet hatte.

Zimmermann bekräftigte die Forderung des DIW an die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen um einen halben Punkt zu senken, um zu helfen, die Wirtschaft anzuregen und den Euro zu stabilisieren.

Bei ihrem jüngsten Zinstreffen hatte die EZB ihren Schlüsselzins mit 2,50 % unverändert belassen. Nach Äußerungen verschiedener Ratsmitglieder wird jedoch erwartet, dass sie im Juni den Leitzins für die Euro-Zone um 50 Basispunkte senken könnte.

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