Auch EZB macht Druck
Konjunkturflaute bremst Gefahr des Euro-Schwindels

FRANKFURT/M. Die derzeitige Konjunkturflaute hat beim bevorstehenden Bargeldumtausch von D-Mark in Euro auch eine gute Seite. Angesichts der schwachen Konsumnachfrage besteht für Hersteller und Handel nur begrenzter Spielraum, beim Auswechseln der Preisschilder einen guten Schnitt zu machen. Bei den deutschen Verbrauchern ist das Misstrauen besonders hoch, klammheimlich übers Ohr gehauen zu werden. 61 Prozent fürchten nach einer Umfrage Missbrauch und Mogelei.

dpa FRANKFURT/M. Die Skepsis scheint nicht unbegründet. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) gibt offenbar nicht mehr viel auf die Zusage der Wirtschaftsverbände, die Umstellung auf Euro preisneutral zu gestalten. «Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser», diese Lenin- Maxime hat sich auch EZB-Präsident Wim Duisenberg zueigen gemacht. In der vergangenen Woche forderte er die Verbraucherverbände in den 12 Euroländern noch einmal nachdrücklich auf, mögliche Mitnahmeeffekte im Handel unter die Lupe zu nehmen.

Auch der EZB-Präsident hofft allerdings, dass der aktuell harte Wettbewerb bei der Bargeldumstellung den Inflationsdruck in Grenzen halten wird. Finanzminister Hans Eichel ist noch optimistischer und bietet öffentlich Wetten an. 17 Prozent aller Preise in einem normalen Supermarkt lauteten 1,99 DM. In der neuen Währung wären dies 1,02 Euro. "Wollen wir wetten, dass die Unternehmen nicht auf das psychologische Moment des Schwellenpreises von 99 Cent verzichten werden? Da gibt es dann eher Preissenkungen."

Mit dieser Position steht der SPD-Politiker aber ziemlich allein. Auch das Mitglied des Sachverständigenrates, Prof. Horst Siebert, will "einmalige zusätzliche Preissteigerungen nicht ausschließen". Ohnehin klagt der Handel seit Jahren, dass vom Umsatz weniger als ein Prozent Gewinn in der Kasse bleibt. Das Eichel-Beispiel bedeutet aber eine Preissenkung von 3 Prozent. Damit wäre die magere Rendite mehr als aufgefressen.

Weil sich das öffentliche Interesse stark auf den Jahreswechsel konzentriert, ist zu befürchten, dass sich die Preisumstellung nun schleichend vollzieht. In den Kaufhäusern auf Frankfurts Einkaufsmeile Zeil ist dies schon zu beobachten. Damenstrümpfe werden zu 1,75 Euro als Sonderangebot angepriesen. Der in Kleinschrift hinzugefügte DM-Preis lautet auf 3,42. Kaum eine Kundin dürfte sich allerdings erinnern, je ein Sonderangebot zu diesem krummen Preis erstanden zu haben.

Völlig unproblematisch ist dagegen der endgültige Einstieg in das neue Währungszeitalter bei Miet- und Arbeitsverträgen, Versicherungspolicen, Ratenkrediten und Bauspardarlehen. Für bestehende Verträge ist ein gesetzlicher Modus der Umrechnung vorgeschrieben. Dabei muss der vollständige Eurokurs von 1,95583 DM mit allen Stellen hinter dem Komma einbezogen werden. Bei 1000 DM Miete - geteilt durch 1,95583 - ergibt sich ein Betrag von 511,29188. Erst nach dieser Rechenoperation darf auf 511,29 Euro gerundet werden.

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