Auch EZB senkt Zinsen
Zinssenkungen nach dem Terror

Nach den Terroranschlägen in den USA senkt auch die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Leitzinsen, um die Konjunktur zu stärken.

HB DÜSSELDORF. Der maßgebliche Satz für die Euro-Zone wurde von 4,25 auf 3,75 % vermindert, teilte ein EZB-Sprecher mit. Es handele sich um eine konzertierte Aktion mit der US-Notenbank Fed. Die Unsicherheit über die Konjunktur in den USA und weltweit habe sich verstärkt, betonte die EZB. Auch die Schweizer Nationalbank nahm ihre Leitzinsen um je einen halben Punkt zurück. Die Fed hatte zuvor ihren wichtigsten Zins um einen halben Punkt auf 3,0 % gesenkt.

Die Ereignisse in den USA seien geeignet, das Vertrauen in der Euro-Zone zu belasten, erklärte die EZB. Damit würden die Wachstumssaussichten kurzfristig vermindert. Zugleich bekräftigten die Euro-Währungshüter, Vertrauen in die Stärke der US-Wirtschaft zu haben. Der EZB-Rat bleibe zuversichtlich, dass die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums kurzfristig sei. Auch die flankierenden Zinssätze für die Euro-Zone wurden vermindert; sie liegen künftig bei 2,75 und 4,75 %.

Die amerikanische Notenbank (Fed) hatte den Zinssatz für Tagesgeld um 0,5 Prozentpunkte auf 3,0 % zurück genommen. Den Diskontsatz reduzierte sie ebenfalls um 0,5 Prozentpunkte auf 2,5 %. Es war bereits die achte Zinssenkung dieses Jahres und die dritte außerplanmäßige. Die nächste turnusmäßige Sitzung des für die Zinspolitik zuständigen Offenmarktausschusses der Fed war erst für den 2. Oktober geplant.

Die Notenbank werde die Finanzmärkte weiterhin mit ungewöhnlich hoher Liquidität versorgen, bis sie sich wieder normalisiert hätten, betonten die Währungshüter. Schon vor den tragischen Ereignissen sei die Wirtschaft schwach geblieben, und die Terroranschläge könnten die Aussichten zusätzlich eintrüben. Die Wachstumsrisiken seien daher unverändert größer als die Gefahren für die Preisstabilität. Langfristig seien die Chancen auf Produktivitätszuwachs und Wachstum aber günstig. Auch US-Finanzminister Paul O'Neill vertrat am Montag die Auffassung, dass es zwar einige Störungen geben, dass jedoch die Wirtschaft zu "respektablen Wachstumsraten" zurückkehren werde.

Zuletzt hatte der Offenmarktausschuss die Leitzinsen am 21. August auf den tiefsten Stand seit sieben Jahren gesenkt. Anfang 2001 hatte Tagesgeld noch 6,5 % gekostet. Es war die aggressivste Zinssenkungskampagne seit fast 20 Jahren. Dennoch blieb ein durchschlagender Erfolg bislang aus. Das Wirtschaftswachstum verlangsamte sich von 1,3 % in den ersten drei Monaten des Jahres auf nur 0,2 % im 2. Quartal. Es war das langsamste seit mehr als acht Jahren.

Der Euro gab nach der Ankündigung leicht nach. In Europa reagierten die Börsen sofort auf den überraschenden Schritt: Der Deutsche Aktienindex legte innerhalb weniger Minuten um 2,7 Prozent zu. Auch die Pariser und die Londoner Börse verzeichneten sofortige Gewinne. Der Dollar reagierte kaum. Händler begründeten die Entwicklung damit, dass die Anleger eine rasche deutliche Lockerung der Geldpolitik durch die US-Notenbank bereits zuvor weitgehend in Rechnung gestellt hatten. Stattdessen konzentriere sich das Interesse auf die Eröffnung der amerikanischen Aktienmärkte, die seit den Terroranschlägen geschlossen waren. Sollten die Kursverluste am Aktienmarkt stärker als erwartet ausfallen, werde der Dollar verstärkt unter Druck geraten, sagten Händler.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%