Auch Finanzdienstleister unter Druck
Nokia und Lucent drücken Neuen Markt

Obwohl er seine hoch gesteckten Ziele für 2001 erreicht hat, ist der Luxemburger Logistikdienstleister Thiel gestern von der Börse abgestraft worden. Viele Anleger wollen sich ihr Aktienkapital durch die geplante Ausgabe neuer Papiere nicht verwässern lassen und platzierten deshalb Verkauforders.

FRANKFURT/M. Wer sich von der weltgrößten Computermesse Cebit neuen Schwung für das deutsche Wachstumssegment erhofft hat, ging fehl. Gestern brachten der finnische Mobilfunkriese Nokia und der US-Telekommunikationsausrüster Lucent mit Umsatzwarnungen die Technologiewerte weltweit unter Druck. Am Nachmittag legte der Siemens-Konzern mit einem gedämpften Ausblick für den Mobilfunkmarkt noch einen nach. Nicht erst danach bergab ging es mit dem Neuen Markt, zumal die Impulse von der US-Technologiebörse Nasdaq deutlich negativ waren. Der Nemax verlor bis zum Handelsschluss 3,1 % auf 1 014 Punkte. Der Auswahlindex Nemax 50, in dem sich nur die begehrtesten Titel mit der größten Marktkapitalisierung tummeln, verlor 3,8 % auf 1 028 Punkte.

Größter Verlierer im Nemax 50 war der Luxemburger Logistikdienstleister Thiel. Zwar erreichte er seine hoch gesteckten Ziele und verdoppelte im abgelaufenen Geschäftsjahr nicht nur den Umsatz, sondern auch das Ergebnis. Auf den Magen schlug den Thiel-Aktionären jedoch die Ausgabe von 5,75 Mill. neuer Anteilsscheine. Sie wurden bis zum Abend für je 17,70 Euro bei institutionellen Investoren platziert. Auf diese Weise will das Unternehmen frisches Kapital für die Umsetzung neuer Großaufträge beschaffen, was den Aktionären ja eigentlich nur Recht sein kann. Der Haken dabei: Durch den Kapitalschritt, der das Grundkapital um mehr als 7 Mill. Euro auf 89,7 Mill. Euro erhöht, werden ihre Unternehmensanteile erheblich verwässert. Manch einer trennte sich da doch lieber gleich von der Thiel-Aktie, die sich um 13 % auf 18,15 Euro verbilligte.

Passend zum allgemeinen Abwärts kurs an der Wachstumsbörse gerieten auch die Kurse der Online-Broker ins Rutschen. Die Papiere des Übernahmekandidaten Consors, die am Vortag noch wegen eines angeblich bei 17,90 Euro liegenden Kaufangebotes der französischen BNP Paribas sehr gefragt gewesen waren, verloren 2,5 % auf 13,85 Euro. Noch schwerer in Mitleidenschaft gerieten die beiden Wettbewerber Comdirect und Direkt Anlage Bank (DAB). Comdirect verloren 7,2 % auf 10,20 Euro, DAB gaben 5 % auf 12,96 Euro ab. Mitverantwortlich dafür war wohl die außerplanmäßige Abschreibung von 100 Mill. Euro auf die Tochter Self Trade.

Zum Penny Stock verkam gestern kurzzeitig die einst als solide geschätzte Ceyoniq-Aktie. Sie setzte ihre Talfahrt vom Vortag fort, als das Bielefelder Software-Unternehmen einen horrenden Verlust für 2001 melden musste. Seither geht die Angst vor einem weiteren Insolvenzfall am Neuen Markt um. Diese Gefahr weist das Unternehmen zwar weit von sich. Trotzdem verlor die Aktie bis zum Handelsschluss noch einmal 28 % auf 1,26 Euro.

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