Auch Finanzjournalisten sollen einbezogen werden
Berlin plant Verhaltensregeln für Analysten

Im Auftrag der Bundesregierung beraten Experten in Berlin über Verhaltensregeln für Analysten. Niemand soll mehr Aktien empfehlen dürfen, die er selbst besitzt.

dpa-afx FRANKFURT. Im Auftrag der Bundesregierung beraten an diesem Mittwoch Experten in Berlin über Verhaltensregeln für Analysten. Ihnen liegt ein Entwurf vor, der über die am Montag präsentierten Vorstellungen der Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) hinaus gehen soll. Ziel ist es, Interessenskonflikte von Analysten und anderen Aktienmarkt-Kommunikatoren offen zulegen. Niemand soll mehr Aktien empfehlen dürfen, die er selbst besitzt.

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (Mittwochausgabe) zieht der Berliner Entwurf auch Finanzjournalisten, Herausgeber von Börsenbriefen und Börsenratgeber in den Verhaltenskodex ein. Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) solle die Einhaltung der Regeln überwachen. Bei Verstößen sollen den Analysten Geldstrafen auferlegt und der Berufstitel aberkannt werden. Der Entwurf wurde von dem Leiter des Deutschen Aktieninstituts (DAI) , Rüdiger von Rosen, und dem Erlanger Professor Wolfgang Gerke erarbeitet.

DVFA prescht mit eigenem Entwurf vor

Am Montag hatte die DVFA einen eigenen Entwurf für neue Berufsgrundsätze der Analysten vorgelegt. Er sieht ebenfalls vor, dass Analysten auf Geschäfte mit Aktien der von ihnen bewerteten Unternehmen verzichten und dass Interessenskonflikte offen gelegt werden. Auch Privatanleger sollen Analysten vor ein Standesgericht bringen können. Die Regeln sollen noch in diesem Jahr von einer außerordentlichen DVFA-Mitgliederversammlung ratifiziert werden.

Die DVFA organisiert nach eigenen Angaben rund 80 % der deutschen Analysten im engeren Sinne. Mit ihrem Entwurf will die Standesorganisation auch einen Alleingang des deutschen Gesetzgebers in Europa verhindern.

Privatanleger erhalten Anzeigerecht

Die DVFA will ihre gut 1 300 Mitglieder verpflichten, bei ihren Arbeitgebern auf die Einhaltung der Berufsgrundsätze zu dringen. Bei Regelverstößen soll das DVFA-Standesgericht Analysten verwarnen, aus dem Verband ausschließen oder mit einer Geldbuße mindestens in Höhe des im Eigenhandel erzielten Gewinns (oder vermiedenen Kursverlust) belegen können. Wenn Privatanleger das Standesgericht anrufen, sollen sie eine schriftliche Begründung der Entscheidung erhalten.

Die Börsensachverständigenkommission soll nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" künftig vom BASF-Finanzchef Max Dietrich Kley geleitet werden. Kley ist auch Präsident des Deutschen Aktieninstituts (DAI). Bisher wird die Kommission von Karl-Hermann Baumann geleitet, der dem Aufsichtsrat von Siemens vorsteht.

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