Auch Frühbucher bevorzugt
Neue Bahn-Preise sollen Familien locken

Dass Bahn-Chef Hartmut Mehdorn selbst am Mittwoch seinen Kunden die neuen Fahrpreise bekannt geben will, soll den Kurswechsel des Staatsunternehmens verdeutlichen. Zum einen werden die Grundpreise ab Mitte Dezember zumindest für längere Strecken teilweise deutlich sinken. Zum anderen sind die Preise in Kombination mit dem neuen Rabattsystem für Mehdorn ein Kernstück auf dem Weg, die Bahn zu einem profitablen Unternehmen zu machen.

Reuters BERLIN. Die Bahn wird mit dem alten Prinzip brechen, dass ein Kunde einen festen Preis pro Kilometer zahlen muss. Stattdessen werden die Tarife für längere Strecken pro Kilometer sinken, bei Distanzen unter 150 Kilometer aber steigen. Andererseits wird es Extra-Preise für Hochgeschwindigkeitstrassen wie etwa zwischen Frankfurt und Köln geben. Insgesamt wird das Tarifsystem der Bahn aber deutlich einfacher, die große Zahl von Extra-Preisen wird reduziert. Die Kritik an dem Preissystem der Bahn hält sich daher auch bisher in Grenzen. Tickets nach dem neuen System sollen die Kunden ab November buchen können.

Umsatz im Fernverkehr soll um 3 % steigern

Entscheidend für den Kunden wird jedoch die Kombination des neuen Rabattsystem mit den Grundpreisen sein: Familien und Frühbucher können damit künftig deutlich günstiger reisen. Spontanreisende, besonders wenn sie wie etwa Geschäftsleute allein unterwegs sind, müssen mehr zahlen. Die Bahn will mit diesem System sowohl den Fluglinien Konkurrenz machen als auch Kunden vom Auto in die Züge holen. Trotz der insgesamt sinkenden Grundpreise will das Unternehmen die Erlöse im Fernverkehr im Jahr 2004 zunächst um 3 % oder rund 100 Mill. Euro steigern.

Vor allem will die Bahn die Zahl der Bahncard-Nutzer von derzeit drei Millionen innerhalb eines Jahres auf fünf Mill. steigern. Die Karte soll künftig nur noch die Hälfte kosten. Dafür reduziert sich der Rabatt von derzeit 50 % auf 25 %.

Solange die Kontingente reichen

Um trotzdem günstiger als jetzt zu fahren muss der Kunde entweder bis zu vier Mitfahrer gewinnen, die jeweils für die Hälfte reisen - Kinder bis 14 Jahren fahren in Begleitung von Eltern oder Großeltern sogar umsonst. Oder aber der Reisende muss sich bei der Hin- und Rückreise frühzeitig festlegen: Eine Woche vorher bringen 40 % Rabatt, drei Tage vorher 25 % und ein Tag vorher noch zehn Prozent. Die Ersparnis durch die BahnCard kommt noch oben drauf. Der Haken: Die Rabatte werden nur gewährt, solange die Kontingente in den Zügen reichen. Wer also etwa Freitagabend oder Sonntagabend zwischen großen Städten reisen will, wird Schwierigkeiten haben, den Rabatt trotz längerer Vorbuchung zu erhalten.

Frühbucher müssen Stornogebühren in kauf nehmen

Damit ähnelt das Tarifsystem der Bahn dem der Fluggesellschaften, die ebenfalls günstige Kontingente an längere Vorbuchung und bestimmte Flieger koppeln. Teuer wird es bei der Bahn daher auch für Kunden, die ihren Zug verpassen oder die Reisepläne kurzfristig ändern. Frühbucher müssen mit Stornogebühren von bis zu 45 Euro rechnen. Nach Darstellung der Bahn soll so verhindert werden, dass große Firmen komplette Zug-Kontingente dem Normalbürger wegkaufen und die Tickets dann kurzfristig zurückgeben.

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