Auch für Silvester-Leuchtkugeln
Große Nachfrage nach kleinem Waffenschein

Gas- und Schreckschusswaffen jagen vielen Menschen Angst ein, anderen vermitteln sie ein Gefühl der Sicherheit. Vor allem Taxifahrer und manche nächtliche Spaziergänger wollen sich mit einer Gaspistole in der Tasche gegen mögliche Angreifer schützen.

HB/dpa HANNOVER. Doch der Besitz solcher Waffen ist vom 1. April an bundesweit nur noch in den eigenen vier Wänden erlaubt. Wer eine Reizstoff-, Schreckschuss- oder Signalwaffe bei sich tragen will, braucht künftig den "Kleinen Waffenschein" (KWS). So hat es der Bundestag im vergangenen April beschlossen, noch bevor das Waffenrecht als Folge des Amoklaufs in Erfurt nochmals verschärft wurde. Wie das Beispiel Hannover zeigt, herrscht rege Nachfrage nach dem neuen Waffenschein.

Die Polizei in Hannover bearbeitet nach Angaben vom Mittwoch bereits 40 Anträge. "Gaspistolen sehen täuschend echt aus und werden oft bei Überfällen benutzt. Deshalb musste der Gesetzgeber reagieren", sagt Carsten Amelung vom Dezernat Waffenrecht der Polizeidirektion Hannover. Wer künftig ohne den KWS eine Schreckschusswaffe mit sich führt, begeht eine Straftat und muss mit bis zu drei Jahren Haft rechnen. "Das gilt auch für Leute, die zu Silvester Leuchtkugeln damit verschießen", warnt Amelung. Dennoch dürfen diese Waffen nach wie vor legal gekauft und zu Hause aufbewahrt werden.

Schreckschusspistolen verschießen keine Kugeln, sondern allenfalls Reizgas. "Trotzdem können diese Waffen sogar tödlich wirken", sagt der Leiter der Rechtsmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover, Hans-Dieter Tröger. "Der Gasdruck kann bei aufgesetzten Schüssen dünne Knochen durchschlagen, zum Beispiel an der Schläfe", erklärt er. Auch Treffer an der Schlagader oder am Auge seien lebensgefährlich.

Der KWS muss in Hannover bei der Polizei beantragt werden, die die Eignung und Zuverlässigkeit des Antragstellers prüft und eine Gebühr von 50 Euro kassiert. "Die ersten Anträge wurden von ganz normalen Bürgern gestellt. Das sind Leute, die abends mit ihrem Hund spazieren gehen und ihre Gaspistole dabei haben wollen", berichtet Amelung. Waffenhändler Hans-Joachim Will rechnet nicht damit, dass sein Umsatz unter dem neuen Gesetz leiden könnte. "Die meisten Leute werden ihre Waffen einfach zu Hause lassen", meint er. "Einige Kunden sind Geschäftsleute, die abends viel Geld zur Bank bringen. Die werden den Weg zur Behörde machen müssen", sagt Will.

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