Auch Gespräche mit Sony Music gescheitert
Musikriese Emi will es alleine schaffen

Der britische Emi-Konzern rüstet sich zu einem Soloauftritt. Das Management der Londoner Plattenfirma glaube nicht mehr an einen gleichberechtigten Zusammenschluss, heißt es in unternehmensnahen Kreisen: "Die meisten Fusionen gehen am Ende ohnehin schief." Damit vollzieht der Konzern unter dem Strategen Alain Levy, der vor zwei Jahren die Leitung der Plattensparte übernommen hat, einen Kurswechsel.

LONDON. Immer wieder hatte die Emi Group plc (Robbie Williams, Norah Jones) mit Rivalen wie Warner Music oder der Bertelsmann-Tochter BMG über eine Fusion verhandelt. Die Pläne scheiterten an Kartellbedenken - oder an der Machtfrage.

Denn eines steht fest: Emi will sich auf keinen Fall übernehmen lassen. Bislang unbekannt ist, dass daran sogar die Fusion mit Sony Music geplatzt ist. Streng geheim wurde lange über den Zusammenschluss verhandelt, so ein Insider, dann habe Sony aber die Kontrolle im neuen Konzern gefordert. Ende der Gespräche.

Der Emi-Konzern will sich nicht zu seiner Strategie äußern. Doch nicht nur die Briten, die ganze Branche steht unter Druck. Teure Stars, sinkende Verkäufe und Internet-Musikpiraten drücken auf Umsätze und Margen. "Es ist klar, dass da mit einer Konsolidierung gerechnet wird", sagt ein Marktbeobachter.

Emi gilt dabei stets als Übernahmekandidat, denn die drittgrößte Musikfirma der Welt ist - anders als Sony oder BMG - nicht Teil eines Medienkonzerns. Dafür muss Levy seine Strategie nicht ständig mit rivalisierenden Konzernsparten abstimmen. So hat der Franzose seit seinem Amtsantritt im Oktober 2001 auch eifrig an einer Abwehrstrategie gebastelt und mit hartem Sparkurs den Konzern finanziell wieder gestärkt.

Für Aufsehen sorgte, als Levy erst den Millionenvertrag mit Superstar Maria Carey kündigte, dann 1 800 Stellen (20 %) strich und schließlich das Geschäft Richtung London zentralisierte. Der Konzern hat so die jährlichen Kosten um 100 Mill. £ (143 Mill. Euro) gesenkt, Analysten sehen weiteres Potenzial.

Selbst auf dem US-Markt, wo Emi in den vergangenen Jahren stets Geld verloren hat, sei die Wende geschafft, sagen Insider. Der Marktanteil, lange unter 10 %, liege dort nun über 11 %. Und im ersten Halbjahr 2003 sei das US-Geschäft profitabel gewesen. Emi benötige daher weniger dringend einen Partner als etwa BMG, sagt ein Analyst. Der im März auf 80 Pence abgestürzte Aktienkurs schaffte Anfang des Monats sogar die "rettende" Marke von 170 Pence. Ab 175 Pence gilt Emi als zu teuer für eine Übernahme.

In der neuen Firmenzentrale im feinen Londoner Stadtteil Mayfair setzt man deshalb auf neues Selbstbewusstsein. Emi sei stark genug, um allein zu überleben - unübersehbar drückt die hohe Glasfront diese Devise aus.

Allerdings erfolgt der Drang zur Unabhängigkeit nicht ganz freiwillig. Emi hat momentan keine Gesprächspartner mehr. Private-Equity-Firmen wie Blackstone haben Presseberichten zufolge 2,5 Mrd. £ für Emi geboten. Doch das Interesse galt eher dem lukrativen Musikverlag. Levy?s Plattensparte sollte umgehend verkauft werden. Selbst risikofreudige Finanzinvestoren wollen sich in der unsicheren Branche nicht die Finger verbrennen. Und die beiden Wunschpartner BMG und Warner verhandeln seit Wochen selbst über eine Fusion zum größten Musikkonzern der Welt.

Für Emi wäre dies ein Rückschlag. Die Briten haben bis zuletzt versucht, dies zu stoppen - angeblich mit einem Kaufangebot von 625 Mill. £ für Warner Music. Vergeblich.

Nun ist auch die Erholung auf dem US-Markt schon wieder bedroht - durch einen neuen Preiskrieg. Die Ankündigung von Marktführer Universal Music, die CD-Preise massiv zu senken, ließ den Emi-Aktienkurs einbrechen. Denn der ersten Preissenkung in der CD-Welt müsse die Konkurrenz folgen, sind Analysten sicher.

Die Experten sind sich darum in einem Punkt einig: Sollte BMG/Warner scheitern, werde Emi sein Solo schnell wieder abblasen. Natürlich habe man nichts gegen mehr Umsatz und Kostensenkungen von 200 Mill. £, heißt es dazu im Emi-Umfeld. Bleibt nur noch die Machtfrage.

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