Auch Greenspan belastet
Dax nach US-Zahlen schwächer

Die Furcht vor einer Rezession in den USA sowie eine Reihe von negativen Prognosen führender US-Unternehmen, unter anderem des weltgrößten Chipherstellers Intel, haben am Mittwoch den deutschen Aktienmarkt unter Druck gesetzt.

Reuters FRANKFURT. Fast sämtliche im Deutschen Aktienindex (Dax) vertretenen Werte verbuchten bis zum Handelsende unter Führung der Technologiewerte Kurverluste. Das wichtigste deutsche Börsenbarometer schloss 2,02 Prozent tiefer auf 5 728,37 Punkten. Deutliche Kurszuwächse konnten nur die Titel von MAN verbuchen, was Händler auf einen Magazinbericht über eine angeblich geplante Aufspaltung des Konzerns zurückführten. Am Neuen Markt fiel der Nemax-50-Index um 2,07 Prozent auf 1 123,57 Zähler.

Händler sagten, Äußerungen des US-Notenbankchefs Alan Greenspan zu möglichen weiteren Zinssenkungen hätten die Märkte verunsichert. "Sollte Greenspan die Zinsen weiter senken, könnte man denken, dass es sich derzeit sogar um eine Rezession in den USA handelt", sagte Stefan Buchholz von der DG Bank. Greenspan hatte am Nachmittag (MEZ) bei seiner an den Märkten mit Spannung erwarteten Anhörung vor dem Finanzausschuss des US-Repräsentantenhauses in Washington weitere Zinsschritte in Aussicht gestellt, sollte die Konjunkturabschwächung die Erwartungen übertreffen. Die bisherigen Zinssenkungen und niedrigere Steuern sollten der Konjunktur jedoch im Jahresverlauf helfen, fügte Greenspan hinzu. Die US-Notenbank hat in diesem Jahr bereits sechs Mal die Leitzinsen um insgesamt 275 Basispunkte auf 3,75 Prozent im Schlüsselzins gesenkt, um die US-Wirtschaft vor einer Rezession zu bewahren.

"Was der Markt jetzt braucht, sind bessere Wirtschaftsdaten, und Greenspan deutet nicht an, dass das kommt", sagte Tony Dwyer, Chefmarktstratege bei Kirlin Securities. Ein weiterer Börsianer fügte hinzu: "Man könnte meinen, dass der Aufschwung länger auf sich warten lässt, als zuvor angenommen. Das belastet die Märkte." Zudem gäben viele der US-Technologiefirmen negative Ausblicke bekannt und untermauerten damit die gegenwärtige und möglicherweise noch länger anhaltende Konjunkturschwäche.

In den USA gaben die Börsen nach der Rede Greenspans nach. Kurz vor Börsenschluss in Frankfurt notierte der Dow-Jones-Index 0,65 Prozent tiefer bei 10 537 Punkten. Die US-Technologiebörse Nasdaq gab um mehr als zwei Prozent auf 2 023 Zähler nach.

Am Dienstag hatten nach Börsenschluss die US-Konzerne Intel und Apple Quartalszahlen präsentiert und vorsichtige Ausblicke auf die folgenden Quartale und die Brachenentwicklung gegeben. Am Mittwoch legten unter anderem die US-Firmen AOL und J.P. Morgan Bilanzdaten vor, die die Erwartungen von Analysten enttäuschten.

Im Dax beendeten Versicherer- und Technologietitel den Handel mit den größten Kursverlusten. SAP -Aktien fielen um rund 3,6 Prozent auf 142,95 Euro, die Papiere von Siemens gaben um 2,55 Prozent auf 60,10 Euro nach. Die T-Aktie fiel um rund 2,6 Prozent auf 25,25 Euro. Die Papiere von Münchener Rück und Allianz rutschten um 2,94 und 2,68 Prozent.

Mit MAN, Adidas und Schering konnten nur drei der dreißig Dax-Werte Kurszuwächse verzeichnen. Die MAN -Titel schlossen um mehr als 1,8 Prozent höher auf 25,21 Euro. Händler führten den Anstieg auf einen Bericht des "manager magazin" zurück, wonach der Konzern im kommenden Jahr aufgespalten werden und der Bereich Nutzfahrzeuge an Volkswagen verkauft werden solle. MAN-Großaktionär Allianz sowie MAN und Volkswagen wollten sich dazu zunächst nicht äußern. Adidas -Papiere legten um 0,42 Prozent, Schering um 0,05 Prozent zu.

Das Interesse der Anleger zogen auch die Papiere der im MDax notierten Bäckereikette Kamps auf sich. Die Firma hatte am Morgen mitgeteilt, ihr Ertragsziel für das Gesamtjahr 2001 von 130 Millionen Euro nicht zu erreichen. Die Papiere verloren in der Spitze um mehr als 40 Prozent und markierten bei 5,56 Euro ein Jahrestief. Bei 6,15 Euro gingen Kamps aus dem Handel. Der MDax schloss 1,03 Prozent tiefer.

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