Auch Hedgefonds können sich nicht gegen die Märkte stellen
Fonds-"Königsklasse" bald für Privatanleger zugänglich

Bislang in Deutschland verbotene Hedgefonds für Privatanleger kann es nach Einschätzung von Fondsmanagern bereits im ersten Halbjahr 2004 geben, sollte der Gesetzgebungsprozess bis dahin wie geplant abgeschlossen sein.

Reuters FRANKFURT. "Wenn alles läuft, wie erwartet, können wir Produkte aus der Schweiz zügig hier registrieren und anbieten", sagte Reto Ammann von der Hedgefondsgesellschaft MAN am Donnerstag in Frankfurt auf einer Präsentation des Unternehmens. Derzeit laufen die entsprechenden Vorarbeiten für das neue Investgesetz, das im Februar 2004 in Kraft treten und die von vielen Anlegern immer noch als geheimnisumwittert eingestufte Anlageform in Deutschland zulassen soll.

Hedgefonds investieren in Derivate und wenig beachtete Teile des Kapitalmarkts mit dem Ziel, auch in fallenden Aktienmärkten Gewinne zu erwirtschaften. Traditionelle, dem Kleinanleger bislang offen stehende Fonds sind in ihren Möglichkeiten rechtlich eingeschränkt und konzentrieren sich darauf, besser als ein Referenzindex abzuschneiden. Da nach drei Jahren Kursverfall an den Aktienmärkten die Indizes aber hohe Verluste aufweisen, haben auch solche Anleger heftige Verluste im Portfolio, deren Fonds sich besser als die jeweilige Messlatte entwickelt haben. Wegen ihres Rufes als hochspekulative Anlage war der Vertrieb in Deutschland bislang weitgehend verboten. In anderen Ländern, so in der Schweiz, sind sie seit einiger Zeit zugelassen.

Für dieses Jahr erwarten Experten ein Wachstum des weltweiten Hedgefondsmarktes um 15 Prozent auf mehr als 700 Milliarden Dollar. Der deutsche Markt hat nach Schätzungen ein Volumen von rund fünf Milliarden Euro. "Deutschland ist der wichtigste Markt in Europa, vielleicht sogar der wichtigste Hedgefondsmarkt überhaupt", sagte Christoph Möller, Managing Direktor von MAN.

"Es ist ein Mythos, dass sich Hedgefonds völlig gegen die Märkte stellen können", sagte Lars Jaeger von der Partners Group kürzlich auf einer Hedgefonds-Konferenz. Allerdings seien die Chancen, sein Kapital wenigstens zu erhalten, weitaus größer als bei herkömmlichen Anlagestrategien. 2002 waren die Hedgefonds, die sich auf Kapitalmarktfutures (so genannte Managed-Futures-Fonds) konzentrierten, mit einem durchschnittlichen Plus von 18 Prozent die Erfolgreichsten.

Dagegen fuhren die Fonds, die mit Leerverkäufen auf fallende Aktienkurse spekulieren (Long/Short Equity), im Schnitt ein Minus von 1,6 Prozent ein. Vergleicht man dies mit einem Minus von über 40 Prozent beim Deutschen Aktienindex (Dax), ist dies aber immer noch eine beachtliche Leistung.

Entstanden sind Hedgefonds als Kapitalsammelstellen für reiche Privatanleger, die weitgehend unreguliert - oft mit Sitz auf den Kaiman Inseln - jede nur erdenkliche, spekulative Anlageform nutzen. 1998 war diese Anlageart erstmals in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten, als sich ein Fonds namens LTCM mit Milliarden-Summen verspekuliert hatte.

Geplant ist in Deutschland nach von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) zuletzt vorgestellten Plänen, deutschen Kleinanlegern die Anlage in so genannten Dachfonds zu ermöglichen. Dabei handelt es sich um Hedgefonds, die ihrerseits in Einzelhedgefonds investieren und so das Risiko streuen. In der Schweiz ist dies nach den Worten von Achim Pütz, Vorsitzender des Hedgefondsbundesverbandes BAI, bereits seit 1996 möglich. Eine ähnliche Regelung werde auch für Deutschland angestrebt. Einig sind sich Experten darin, dass die Dachfonds beaufsichtigt werden sollten, nicht aber die einzelnen Fonds, in die sie investieren. "Sonst werden die deutschen Anleger die richtig guten Fonds nicht angeboten bekommen", sagte Pütz.

Die von den Aufsichtsbehörden geforderte Transparenz sei für die Dachfonds indes kein Problem, sagte Ammann. So gebe es beispielsweise von MAN einen Dachfonds, der seinen Anlegern auf monatlicher Basis darlegt, in welchen Märkten in welchen Werten die im zugeordneten Einzelfonds investiert seien.

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