Auch Hollywood-Studios wollen das Sagen haben
WAZ-Gruppe will Mehrheit an Kirch Media

Die Zeit der Eintracht ist vorüber. Innerhalb der Bietergruppe ist es zu einem heftigen Ringen um das Herzstück der Kirch-Gruppe gekommen. Wer sich mit seinen Pläne durchsetzen kann, ist noch offen.

DÜSSELDORF. Die WAZ-Gruppe plant langfristig die Mehrheit an Kirch Media zu übernehmen. Das verlautete aus Unternehmenskreisen. Der Essener Zeitungskonzern hat nach Informationen des Handelsblatts zusammen mit dem Filmstudio Columbia Tristar und der Commerzbank angeboten, das insolvente Herzstück der Kirch-Gruppe für zwei Mrd. Euro zu übernehmen. Dabei war jedoch zunächst die Rede davon, dass WAZ und Commerzbank je 40 % und Columbia 20 % der Anteile nehmen. Zu Kirch Media gehören die Beteiligung an der Fernsehgruppe Pro Sieben Sat 1, der Rechtehandel und die Filmbibliothek des Konzerns. Wie gestern in WAZ-Kreisen zu erfahren war, gab es trotz einer Gesellschafterversammlung noch keinen Beschluss über das Angebot. Eine Entscheidung solle aber "sehr, sehr bald" folgen, sagte ein Insider.

Die WAZ-Gruppe mit 1,9 Mrd. Euro Umsatz und 12 000 Beschäftigten will sich mit Kirch Media zu einem breit aufgestellten Medienunternehmen entwickeln. Sie gilt auf Grund einer zweistelligen Umsatzrendite als ausgesprochen finanzkräftig. Medienrechtlich problematisch ist allerdings, dass die Essener Gruppe auch mit 7,4 % an dem Fernsehkonzern RTL Group, dem Hauptkonkurrenten von Pro Sieben Sat 1, beteiligt ist. Doch hier wäre eine Lösung einfach: Mehrheitsaktionär Bertelsmann ist, wie aus Firmenkreisen verlautete, an einer vollständigen Übernahme von RTL interessiert.

Die WAZ-Gruppe ist jedoch nicht als Einzige interessiert an einer Kirch-Media-Mehrheit. Auch Hollywood-Filmunternehmen wollen am liebsten die Kontrolle bei dem Unternehmen haben. Wie aus Kreisen der US-Filmstudios zu erfahren war, wollen sie nur dann bei Kirch Media einsteigen, wenn sie auch die Mehrheit erwerben können. Eine Minderheitsbeteiligung neben der WAZ-Gruppe habe für die Studios strategisch wenig Sinn.

"Wir sind in Verhandlungen mit Kirch Media wie alle anderen Hollywood-Studios auch", sagte ein Sprecher der Sony-Tochter Columbia Tristar in London. Kirch Media ist für alle fünf großen Hollywood-Studios ein attraktives Unternehmen. Es steht aber noch nicht fest, welche Studios und Medienkonzerne als Investoren bei Kirch Media in Frage kommen. Für die Filmproduzenten ist Deutschland der zweitgrößte Absatzmarkt nach den USA. Darum war die Kirch-Gruppe für sie immer ein wichtiger Kunde. Die WAZ-Gruppe hatte nach dem Kollaps der Kirch-Gruppe bereits versucht, deren 40-Prozent-Beteiligung am Axel Springer Verlag zu übernehmen. Der Essener Zeitungskonzern war dabei aber an der hartnäckigen Ablehnung der Verlegerwitwe Friede Springer gescheitert.

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