Auch im kommenden Jahr kein deutlicher Anstieg der Erträge erwartet
Banken stehen erneut vor schwerem Jahr

Nach einem miserablen dritten Quartal ist der Ausblick für die deutschen Banken nicht rosig. Zwar werden sie es 2003 schaffen, die Kosten weiter zu senken. Doch die Erträge würden allenfalls nur leicht steigen, erwarten Analysten. Damit wird es den Banken zum Teil nicht einmal gelingen, die Kapitalkosten zu verdienen.

FRANKFURT/M. Eine kräftige Belebung des Bankgeschäfts ist auch im kommenden Jahr nicht in Sicht. Ihr Kernproblem werden die deutschen Großbanken daher noch nicht lösen können: In vielen Geschäftsbereichen verdienen die Institute ihre Kapitalkosten nicht. Commerzbank-Chef Klaus- Peter Müller hat diese für seine Bank auf 10,3 % beziffert, doch kein Geschäftsfeld erreicht diese Messlatte. Geschäfte, die auf Dauer darunter bleiben, will die Bank nicht weiter betreiben. Die anderen Banken denken genauso - aus Sicht der Aktionäre ist dies die einzig richtige Konsequenz.

Für die deutschen Großbanken insgesamt schätzt Analyst Konrad Becker vom Bankhaus Merck Finck & Co die Kapitalkosten im Schnitt auf neun bis zehn Prozent. Am ehesten dürften diese seiner Ansicht nach wieder in den Bereichen verdient werden, die wenig Eigenkapital benötigen, wie etwa das Asset Management. Hingegen werde es im Private Banking, im Massengeschäft (Retail) und in der Unternehmensfinanzierung vorerst nicht gelingen, die Kapitalkosten zu verdienen. Doch zwischen den Banken gibt es zum Teil deutliche Unterschiede, betont Becker.

So weist die Deutsche Bank für die ersten neun Monate mit 13,3 % Eigenkapitalrendite den höchsten Wert aus, vor Dresdner Bank (3,2 %), Hypo-Vereinsbank (0,7 %) und Commerzbank (-0,7 %). Doch da die Banken unterschiedliche Rechnungslegungsnormen anwenden, können diese Zahlen nur einen Anhaltspunkt geben.

Solange die Kosten nicht so schnell sinken wie die Erträge wegbrechen, wird es den Banken weiter schwer fallen, die Kapitalkosten zu verdienen. Und der Ertragsausblick für kommendes Jahr ist nicht sehr rosig. "Die Schere zwischen Kosten- und Ertragsrückgang wird sich im kommenden Jahr voraussichtlich noch nicht schließen, aber enger werden", sagt Becker. Zwar rechnet er damit, dass der Ertragsrückgang geringer ausfallen wird als 2002 und die Kosten stärker sinken. Doch die Trendwende dürfte erst mit der erwarteten Konjunkturerholung Mitte des Jahres kommen und erst in 2004 voll ergebniswirksam werden.

"Ich rechne damit, dass die operativen Erträge nur leicht über dem Niveau dieses Jahres liegen werden", sagt Analyst Alexander Plenk von der Bankgesellschaft Berlin. Die größte Belastung in 2003 sieht er in der Risikovorsorge, die auf Grund der hohen Insolvenzzahlen voraussichtlich nicht signifikant unter das diesjährige Niveau sinke. Metehan Sen, Analyst bei Sal. Oppenheim, geht in einer Modellrechnung für die im Euro- Stoxx-50 vertretenen Banken davon aus, dass bei gleichbleibenden Kosten und Risikovorsorge und einem Anstieg der operativen Erträge um vier Prozent der operative Gewinn immerhin um 16 % steigen wird. Zu dem leichten Ertragswachstum würde die anziehende Zinsmarge beitragen, ebenso ein "ruhigeres Fahrwasser" an den Kapitalmärkten.

Wie lange die Banken die Ertragskrise durchhalten können, kann man an den stillen Reserven oder Belastungen ablesen. Ein guter Indikator dafür ist die Neubewertungsrücklage. Sie ist im dritten Quartal stark geschmolzen (Deutsche Bank), ins Negative gedreht (Hypo-Vereinsbank und Dresdner Bank) oder tiefer ins Minus gerutscht (Commerzbank). In der Neubewertungsrücklage werden zwar nur Wertveränderungen der zum Verkauf stehenden Wertpapiere erfasst. Doch dies macht nach Ansicht von Becker den Großteil der stillen Reserven beziehungsweise Verluste aus.

Wie versuchen die Banker die Ertragskrise in den Griff zu bekommen? Sie bauen Überkapazitäten ab, straffen Prozesse, trennen sich von Randaktivitäten und reduzieren ihre Risikoaktiva. Doch der Wettlauf gegen die sinkenden Erträge ist nach Ansicht der Analysten schwer zu gewinnen.

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