Auch im Osten gibt es nicht den perfekten Standort
Kaum Job-Verluste durch Erweiterung erwartet

Nach Einschätzung von Wirtschaftsexperten wird die Erweiterung der Europäischen Union (EU) im Mai wird keine drastische Verlagerung deutscher Arbeitsplätze ins Ausland auslösen

HB FRANKFURT. "Dass es zu einem großen Exodus kommt, steht nicht zu erwarten", sagt der Arbeitsmarktexperte Herbert Buscher vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Zwar seien in Osteuropa die Löhne wesentlich niedriger, dies allein mache die Region jedoch nicht zum perfekten Standort. Auch der Experte für die EU-Osterweiterung des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung (DIW), Herbert Brücker, erwartet nur marginale Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie des Londoner Centre for Economic Policy Research (CEPR), die einen "überraschend geringen Arbeitsplatzverlust" für Deutschland prognostiziert.

Die Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Osteuropa habe Grenzen, betont der IWH-Experte Buscher. Probleme mit Sprache, Infrastruktur oder schlicht der geografischen Lage der osteuropäischen Staaten würden voraussichtlich eine massive Abwanderung von Arbeitsplätzen verhindern. "Über Feldwege können Sie nicht Ihre Waren transportieren. Günstigere Löhne sind ein wichtiger Faktor, aber mit Sicherheit nicht allein entscheidend", betont Buscher. Wer beispielsweise seine Waren in Frankreich verkauft und seine Produkte "just in time", also in engen Zeitfenstern liefern müsse, für den sei schon die große Entfernung nach Osteuropa ein Problem.

Außerdem würden die Löhne in Osteuropa wegen der demographischen Entwicklung in den kommenden Jahren zwangsläufig steigen, prognostiziert Buscher. Wegen der sinkenden Geburtenrate, die noch niedriger sei als im geburtenschwachen Deutschland, würden in Osteuropa die Unternehmen bald um weniger Arbeitskräfte konkurrieren. Damit büße die Region einige Vorteile gegenüber dem Westen ein. Aus anderen Gründen kehrten schon heute manche deutsche Betriebe aus Osteuropa zurück: Teils fänden die Unternehmen keine Facharbeiter, teils hätten sie ihre Absatzmöglichkeiten im Osten zu optimistisch eingeschätzt.

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