Auch im schönen Land der Millionäre läuft der Countdown für die Währungsumstellung
Der Euro verhilft Monaco zu tonnenweise wunderschönem neuen Spielgeld

MONACO. Isabelle Rosabrunetto vom monegassischen Haushalts- und Schatzamt ist derzeit selten zu sprechen. "Madame Euro", wie sie von den Kollegen scherzhaft genannt wird, eilt von Sitzung zu Sitzung, von Interview zu Interview. Denn auch Monaco, obwohl kein EU-Mitglied, bekommt seinen monegassischen Euro.

Verglichen mit dem Aufwand in den Nachbarländern mutet die Euro-Einführung an der Riviera fast an wie ein Kinderspiel: "Noch nie war eine Reform so einfach", schwärmt die Staatssekretärin. Denn wer sich im Land der Grimaldis über das neue Geld informieren will, der kann das zu Fuß tun: Monaco ist 1,95 Quadratkilometer groß - nur der Vatikanstaat ist noch kleiner.

Für Rosabrunetto findet Öffentlichkeitsarbeit vor allem vor Ort statt. Sie hat mit den meisten der rund 1 000 Einzelhändler des Staates gesprochen, Fernsehauftritte im lokalen Kabelkanal organisiert, Schulklassen zum Tag der offenen "Euro-Tür" eingeladen und auch die Senioren nicht vergessen: Sie lernten den Euro vor allem bei Vereinstreffen kennen. Dabei erleichtert der hohe Bildunsstandard der 35 000 Einwohner die Arbeit. Denn Armut ist fast unbekannt im Land der Millionäre.

Ohnehin geht es bei der Währungsumstellung an der Cote d?Azur weniger um Geld als um Jetons. Denn de facto darf das Fürstentum schon heute nur Münzen ausgeben, ansonsten gilt der Französische Franc als gesetzliches Zahlungsmittel. Monaco hat weder eine eigene Währung noch eine Zentralbank, mit ein wenig Glück kann man die monegassischen Francs gerade noch in Nizza eintauschen. "Non, Non" sagen die Eisverkäufer dagegen schon in Antibes. Ausgangspunkt für den Euro in Monaco sind die monegassisch-französischen Verträge von 1963, die eine besondere Zoll- und Währungsunion schufen. 1997 signalisierte Landesvater Rainier III. dem französischen Präsidenten Chirac seinen Euro-Wunsch, zwei Jahre später bekam das Projekt grünes Licht aus Brüssel. Seitdem läuft der Euro-Countdown. "Der Euro steht", sagt Isabelle Rosabrunetto. Abholbereit stehen auch die Geldsäcke im französischen Pessac mit monegassichen Euro-Münzen im Wert von 3,5 Millionen Euro. Als Emblem tragen sie den Kopf von Fürst Rainier III. Vor allem die "Société des Bains de Mer" (SBM) ist fit fürs neue Geld. Sie ist so etwas wie der "Staat" im Staat und betreibt die Aushängeschilder des Fürstentums, die berühmten Hotels, das Café de Paris und vor allem das Casino. Seit 1999 arbeitet die SBM an der Euro-Umstellung - "ein gutes Projekt", sagt Véronique Fresson, Leiterin der Eurokommission der Gesellschaft.

En Detail heißt Euro für die SBM: 1500 Angestellte mussten das neue Geld kennen und vom falschen unterscheiden lernen. Es galt, Falschgelddetektoren einzubauen, und neue Menukarten zu drucken. Vor allem aber wurden tonnenweise silberne und goldene Jetons für das Casino geprägt: "Die sind so schön, dass man alleine deshalb Lust aufs Spielen bekommt", schwärmt die Projektleiterin. Vor allem wegen der teuren Jetons beansprucht allein das Casino ein Drittel der gesamten Umstellungskosten von bis zu 6 Mill. Euro. Die erste, 40-Tonnen schwere Ladung neuer Spielmarken wurde in einer Oktober-Nacht unter höchstem Sicherheitsaufgebot irgendwo in einem gepanzerten Saal der SBM eingelagert. Am 14. Januar beginnt die Umrüstung der Spielautomaten und Tische im Casino. Zwischen vier Uhr morgens, wenn der letzte Spieler das Haus verlässt, und 11Uhr vormittags, bevor der erste eintrifft. Vier Tage lang existieren dann parallele Welten, in streng nach Währung getrennten Sälen kann man in Franco oder Euro spielen. Das Casino nutzt dabei die Gunst der Stunde: denn der Mindesteinsatz in Euro ist 0,20 Cent - das sind etwa 10 Pfennig mehr als der bisherige Mindesteinsatz von einem Franc. Die Leitung des Hauses widerspricht der Einschätzung, man verteure das Spiel: Höherer Einsatz bedeute höheren Gewinn.

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