Auch im zweiten Quartal werden sich die Verluste kaum verringern
Consors erreicht Messlatte bei Neukunden nicht

Der Discount-Broker ConSors wird die erwartete Zahl von bis zu 215 000 neuen Kunden in diesem Jahr nach Einschätzung von Vorstandschef Karl Matthäus Schmidt voraussichtlich verfehlen.

Reuters NÜRNBERG. Schmidt gehe davon aus, dass Consors im europäischen Ausland nicht wie geplant 75 000 neue Kunden gewinnen werde, sagte Schmidt am Mittwoch auf der Hauptversammlung des am Neuen Markt gelisteten Unternehmens in Nürnberg. Im Inland liege der Zuwachs derzeit am unteren Ende der Erwartungen. Schmidt sagte, Consors spreche mit möglichen Kooperationspartnern, wolle aber seine Unabhängigkeit erhalten. Im laufenden Quartal sei noch keine Besserung des Geschäfts erkennbar.

Keine Verkaufsverhandlungen

"Nicht jedes Angebot stößt auch auf Gegenliebe", sagte der Firmengründer mit Blick auf Berichte über ein Interesse des Versicherungskonzerns Allianz an einer Übernahme von Consors. Er sei aber mit großen Finanzdienstleistern über eine Zusammenarbeit, etwa in der Abwicklung von Transaktionen, in Gesprächen. Schmidt schloss "aus heutiger Sicht" aus, dass der Großaktionär, die seinem Vater gehörende SchmidtBank KGaA, beim Einstieg eines Finanzpartners ihre Mehrheit an Consors verwässern lassen könne. "Wir führen keine Verkaufsverhandlungen", stellte er klar. Er werde die Direktbank auch in Zukunft selbst steuern. Schmidts Vater Karl Gerhard Schmidt betonte: "Am Engagement der SchmidtBank wird sich nichts ändern."

Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner erklärte auf der Hauptversammlung seinen Rücktritt aus dem Aufsichtsrat von Consors. Der Chef des Gremiums, Karl Gerhard Schmidt, sagte, Grund für Achleitners Schritt sei die Übernahme der Dresdner Bank, deren Tochter Advance Bank ein Wettbewerber von Consors ist, durch den Münchener Versicherungskonzern.

Verlust wird sich auch im zweiten Quartal kaum verringern

Der Verlust von Consors werde auch im zweiten Quartal kaum geringer ausfallen als in den ersten drei Monaten 2001, nachdem die erhoffte Belebung an den Märkten auf sich warten lasse. "Wenn das zweite Quartal an der Börse so ist wie das erste, wird auch das Ergebnis so ausfallen", sagte Schmidt Reuters. Die eingeleiteten Sparmaßnahmen wirkten sich erst in der zweiten Jahreshälfte aus. In den ersten drei Monaten dieses Jahres hatte Consors 15,6 Mill. Euro Verlust ausgewiesen. Nun sollen die Kosten um 30 Mill. Euro gesenkt und in etwa auf dem Niveau des Vorjahres gehalten werden. "Die Zeiten des Hype sind vorbei, wir sind jetzt in der neuen Realität angelangt", erklärte Co-Vorstandschef Reto Francioni.

Zuversicht für Deutschland trotz Börsenflaute

Karl Matthäus Schmidt sagte, die Direktbank sei derzeit dabei, ihre Pläne für das Auslandsgeschäft zu überarbeiten. Für Deutschland sei er trotz der Börsenflaute zuversichtlich. Ende März hatte Schmidt für dieses Jahr 100 000 bis 140 000 zusätzliche Kunden aus dem Inland in Aussicht gestellt. In den ersten drei Monaten 2001 hatte Consors brutto 29 000 Kunden gewonnen, davon 14 000 in Deutschland. Im vergangenen Jahr war die Zahl der Consors-Kunden noch um 325 000 auf 526 000 Kunden gestiegen. Die Gewinnung neuer Kunden stehe im Moment nicht im Vordergrund, sagte Schmidt. "In einer solchen Situation macht es einfach keinen Sinn, auf Teufel komm raus dem Neukunden hinterher zu jagen."

Persönliche Beratung

Vielmehr wolle Consors mit einem neuen Konzept, zu dem auch persönliche Beratung gehört, künftig verstärkt Investoren ansprechen, die sich "mehr aus Pflicht als aus Lust" um den Aufbau ihres Vermögens sorgten. Der Aufbau eines "Offline- Vertriebssystems" wie das des Konkurrenten DAB Bank sei aber zu teuer und führe nur zu geringen Kundenzuflüssen, sagte Schmidt. Aktionärssprecher appellierten an den Vorstand, die aus sehr aktiven Aktienkäufern ("Heavy Trader") bestehende Kernzielgruppe nicht zu vernachlässigen.

Keine Dringlichkeit für den Einstieg in Großbritannien

Mit der für das vergangene Jahr anvisierten Übernahme in Großbritannien hat der Internet-Broker keine Eile mehr. Es bestehe keine Dringlichkeit, dort rasch einzusteigen, sagte Francioni. "Wir sind dort ohnehin nur 'Second Mover'." Consors-Chef Schmidt sagte, die Firmen, deren Kauf Consors geprüft habe, hätten sich sowohl strategisch als auch vom Preis als unattraktiv erwiesen. "Wir sind es den Aktionären schuldig, dass wir dort kein unkontrollierbares Millionengrab schaffen", sagte Schmidt.

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