Auch in Chef-Etagen drohen Kündigungen
Sind Manager noch sicher?

Der Rücktritt von Ron Sommer zeigt: Auch in den oberen Etagen rollen immer häufiger Köpfe. Trotzdem sind viele Führungskräfte auf eine Entlassung völlig unvorbereitet.

Am Ende ging alles ganz schnell für Telekom-Chef Ron Sommer. Auf der vergangenen Aufsichtsratssitzung am Dienstag wollte der gebürtige Österreicher um seinen Posten kämpfen. Doch noch vor der offiziellen Sitzung entschied er sich, zurückzutreten. Sommer hatte in Einzel- und Gruppengesprächen erkannt, dass er nicht mehr die volle Unterstützung erhielt.

Das Personalkarussell in Deutschland dreht sich immer schneller und mittlerweile sind selbst Top-Positionen in Großunternehmen davon betroffen. Doch trotz der sich allgemein verschlechternden Lage, viele Manager in Deutschland rechnen nach wie vor nicht damit entlassen zu werden: Rund 80 Prozent haben keinen fertigen Lebenslauf in der Schublade liegen. Das hat eine Umfrage der Personalberatung Robert Half Finance unter rund 250 Führungskräften ergeben.

Das Ergebnis zeigt: Deutsche Führungskräfte fühlen sich häufig in ihrer Position zu sicher oder ignorieren bewusst oder unbewusst schlechte Zeichen. Wenn dann die Kündigung im Briefkasten liegt, sind sie überrascht, wütend, frustriert und ängstlich. Personalberater- und Vermittler raten deshalb, regelmäßig die Branche, das Unternehmen, die Abteilung und die eigene Position auf Jobsicherheit zu überprüfen.

Sammelsurium im Lebenslauf

Der nachlässige Umgang mit dem Lebenslauf ist jedoch nur einer von mehreren Indikatoren für die Sorglosigkeit, Naivität oder Ignoranz mancher Manager: "Oft ist das ein Sammelsurium von Qualifikationen seit der Jugendzeit", sagt Outplacement-Berater (Trennungsmanager) Herbert Mühlenhoff. Dabei kann gerade der richtige Umgang mit dem Curriculum Vitae hilfreich sein, um möglichst früh zu erkennen, ob die eigene Position kurz- oder mittelfristig gefährdet ist.

"Mindestens einmal im Jahr sollte eine Führungskraft den Lebenslauf aktualisieren und sich dabei fragen; ?Arbeite ich noch im Kerngeschäft des Unternehmens, kann meine Abteilung ausgelagert oder vielleicht sogar geschlossen werden??", rät Mühlenhoff. Auf diese Weise lässt sich vermeiden, unbewusst ins Abseits zu geraten.

Den eigenen Marktwert testen

Um den Marktwert der eigenen Person innerhalb der Firma zu testen, sollte ein Manager sich regelmäßig bereit erklären, an Weiterbildungsprogrammen teilzunehmen: "Wenn die Geschäftsführung oder die Personalabteilung zögert, kann das bedeuten, dass dem Unternehmen nicht viel an der weiteren Karriere ihres Mitarbeiters liegt", sagt Dominik von Winterfeldt, Geschäftsführender Gesellschafter der Personalberatung Boyden International GmbH.

Doch nicht nur auf seinen eigenen Marktwert muss der Manager achten, sondern auch auf den der Firma. "Reden Sie mit Mitarbeitern, Wettbewerbern, Lieferanten und wenn es ernst wird nach Möglichkeit auch mit Banken und den zuständigen Wirtschaftsprüfern", sagt Personalberater Eberhard von Rundstedt, "natürlich ohne dabei ihre Verantwortung gegenüber dem Unternehmen zu verletzten".

Bestätigt sich der Verdacht, dass die eigene Position, aus welchen Gründen auch immer in Gefahr ist, hilft nur eines: direkt mit dem Vorgesetzten beziehungsweise mit der Geschäftsführung reden.

Vor allem Männer klinken sich zu früh aus

Genau an dieser Stelle klinken sich die meisten jedoch gerne aus: "Verdrängung ist ein antrainierter Überlebensmechanismus", sagt Psychologin und Karriere-Beraterin Madeleine Leitner. "Besonders Männer stecken gerne mal den Kopf in den Sand".

"Der Mensch lebt nun mal von der Hoffnung", sagt von Rundstedt. "Wenn ein Unternehmen zehn Prozent der Mitarbeiter entlassen muss, wird jede Abteilung glauben, dass es die anderen trifft".

Dabei bietet ein offenes Gespräch viele Möglichkeiten: Zum einen kann der Manager frühzeitig zu verstehen geben, dass er flexibel ist und auch bereit bei Veränderungen mit anzupacken. Zum anderen kann er selber Vorschläge machen, etwa wie die Organisation seines Bereiches zu verbessern ist. Anhand der Antworten kann er einschätzen, wie es um ihn und seine Abteilung steht.

Offen auf eine mögliche Entlassung ansprechen sollte der Manager seinen Vorgesetzten aber nur, wenn er sich vorher gut vorbereitet hat. "Dann kann ich meine Fragen viel massiver und nachhaltiger stellen", sagt von Rundstedt.

Es geht brutaler zu als früher

Während des Gesprächs kann eine Führungskraft auch auf ihre Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern hinweisen, falls eine ganze Abteilung zur Debatte steht. Vorteil: Wenn der Gegenüber beruhigen, Zweifel und Ängste zerstreuen will, kann der Fragensteller darum bitten, die Erläuterungen per E-Mail auch an seine Mitarbeiter zu schicken. "Wenn das dann nicht erfolgt, ist die Lage ernst und der Mitarbeiter muss sich sagen, dass ihm das Hemd näher als die Jacke ist", sagt von Rundstedt, sprich - er muss sich nach einem anderen Job umsehen.

"Seien sie nicht zu naiv und glauben Sie alles, was man Ihnen erzählt", rät Madeleine Leitner. "Die Zeiten sind härter geworden und es geht viel brutaler zu, als früher." Selbst Top-Manager würden oft nichts ahnend glauben, was man ihnen erzählt, hat sie im Laufe ihrer Arbeit festgestellt.

Je besser ein Manager seinen Arbeitgeber und seine Branche beobachtet, desto eher weiß er, wann es für ihn eng werden könnte. Doch nicht immer kündigt es sich vorher bereits an, wenn ein Unternehmen Insolvenz anmeldet oder mit einem Konkurrenten fusionieren will.

Wichtig ist ein gutes Netzwerk

Ein Mitarbeiter sollte deshalb immer auf den schlimmsten Fall vorbereitet sein, unvorgesehen den Job wechseln zu müssen. Personalvermittler- und Berater sind sich einig - ein gutes Netzwerk hilft die Krise schneller zu überwinden.

Doch nicht alle haben ihre Hausaufgaben gemacht, denn Kontakte aufbauen und pflegen kostet Zeit."Die meisten meiner Klienten erzählen mir, dass sie zu sehr mit ihrer Arbeit beschäftigt waren." sagt Mühlenhoff. Anderen liegt das netzwerken nicht. Wer sich seine Position hart erkämpft hat, verlässt sich zudem gerne lieber auf sich selbst.

Ein Fehler, denn selbst Top-Manager stehen nach einer Entlassung plötzlich alleine da: "Frühere Kollegen, Bekannte und ?Freunde? sind dann für Sie plötzlich nicht mehr zu sprechen", sagt von Rundstedt. Wer sich dem Geschassten gegenüber nicht verpflichtet fühlt, fürchtet, dass der Kontakt auch ihm schaden könnte.

Beziehungen zu knüpfen fällt im Job leicht. Wenn ein Manager erst mal draußen ist, ist er nicht mehr so interessant. "Freunde sollte man sich machen, wenn man sie nicht braucht", sagt auch Mühlenhoff. Wichtig dabei ist jedoch, sich nicht zu verbiegen oder zu verkrampfen. Sonst wirkt die Kontaktaufnahme schnell aufdringlich. "Einfach mal mit Leuten innerhalb und außerhalb des Unternehmens reden ohne ?um zu? zu sagen."

Chancen nutzen

Dabei sollte man sich regelmäßig fragen "Was sind die Bedürfnisse meiner Mitarbeiter, Kollegen, Vorgesetzten und was kann ich dafür tun?". Wer sich generell im Rahmen seiner Position kooperativ gibt, dem fällt es leichter auch mal um einen Gefallen zu bitten.

Gespräche mit anderen helfen zudem, den eigenen Marktwert besser einzuschätzen. Auch die Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen tragen dazu bei: "Da kann der Teilnehmer sich auch mal mit anderen Führungskräften vergleichen", sagt Mühlenhoff. Mindestens fünf bis zehn Tage im Jahr, je nach Position, sollte man sich für derartige Veranstaltungen Zeit nehmen.

Zudem bietet sich auf Fortbildungsgängen die Möglichkeit, sichtbar zu werden. Hilfreich ist auch, Aufsätze in Fachzeitschriften zu verfassen, Vorträge zu halten und sich im Verband zu engagieren. Madeleine Leitner: "?Visibility? ist ganz wichtig, um bei Headhuntern, Personalleitern und potenziellen neuen Vorgesetztenaufzufallen."

Immerhin - um zu wenig Aufmerksamkeit kann sich Ron Sommer nicht beklagen.

Wie brisant schätzen Sie die Lage ein? Haben Sie sich bereits vorbereitet für den Fall der Entlassung? Und wenn ja - wie?

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