Auch in der Eurozone schwächten sich die Geschäfte ab
Abwärtstrend der deutschen Industrie beschleunigt sich

Deutliche Einbußen bei den Neuaufträgen haben den Abwärtstrend in der deutschen Industrie im Mai erneut beschleunigt. Der Reuters-Einkaufsmanagerindex (EMI) sank auf 44,7 von 45,9 Punkten im April und signalisiert mit einem Wert von unter 50 Zählern den zehnten Monat in Folge einen Rückgang der Geschäftstätigkeit.

Reuters BERLIN. Dies teilte die Forschungsgruppe NTC, die den Index zusammen mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) für Reuters ermittelt, am Montag mit. Auch in der Euro-Zone schwächten sich die Geschäfte abermals unerwartet ab; der Einkaufsmanagerindex signalisierte NTC zufolge mit einem Wert von 46,8 nach 47,8 Zählern im April wie in Deutschland den stärksten Rückgang der Geschäftstätigkeit seit Januar 2002.

Von Reuters befragte Analysten hatten dagegen im Schnitt für Deutschland mit einem Anstieg auf 46,8 Punkte und für die Euro-Zone mit einem Zuwachs auf 48,2 Zähler gerechnet. Der Geschäftsklimaindex des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) war im Mai dank zuversichtlicherer Zukunftseinschätzungen der Firmen unerwartet stark gestiegen.

Bei der Umfrage zum EMI in Deutschland meldeten die rund 400 befragten Unternehmen die stärksten Einbußen beim Neugeschäft seit Oktober 2001. "Nach Meinung der Befragten verschärfte die derzeitige Wirtschaftspolitik in Deutschland die ohnehin schon schwierige Geschäftslage in der Industrie, der bereits die weltweite Konjunkturschwäche zu schaffen macht", teilte NTC mit. Der starke Euro sowie die Folgen des Irak-Krieges und der Lungenkrankheit Sars hätten die Bestellungen aus dem Ausland zusätzlich reduziert.

Als Folge der schwachen Nachfrage drosselten die Unternehmen ihre Produktion und schraubten ihre Einkäufe so deutlich zurück wie seit Dezember 2001 nicht mehr. "Zahlreiche Firmen reagierten angesichts der derzeit schwachen Nachfrage und der engen Gewinnspannen auf die vollen Läger mit dem Abbau der vorhandenen Ressourcen", teilte NTC mit. Nur wenige Unternehmen hätten für den Aufbau des Fertigwarenlagers produziert, der Bestand habe im Gegenteil im Mai den neunten Monat in Folge abgenommen. Auch der Abbau der Beschäftigung beschleunigte sich weiter. Wegen der gesunkenen Ölpreise und des starken Euro mussten die Unternehmen erstmals seit 14 Monaten weniger für ihre Einkäufe zahlen, während sich der Rückgang der Verkaufspreise etwas verlangsamte.

Auch in der gesamten Euro-Zone verschärfte sich NTC zufolge der Rückgang bei Produktion, Aufträgen und Beschäftigung. Die Exporte wurden den Einkaufsleitern zufolge bereits vom Euro-Anstieg beeinträchtigt. Erneut gab es deutliche regionale Unterschiede. Wie schon im April erlitt die deutsche Industrie die größten Produktionseinbußen. Auch in Frankreich und Irland ging die Produktion zurück. In Italien und den Niederlanden stagnierte die Industrie, während sie in Spanien, Österreich und Griechenland ihre Produktion ausbaute.

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