Auch in Deutschland soll eine Überwachungsinstanz geschaffen werden
US-Senat verabschiedet Gesetz zur Kontrolle von Wirtschaftsprüfern

Der US-Senat hat ein umfassende Neuregelung des Bilanzrechts beschlossen. Das Gesetz sieht insbesondere eine Aufsicht für Wirtschaftsprüfer vor, die auch die Kompetenz hat, Strafen zu verhängen.

tor/HB WASHINGTON/DÜSSELDORF. Angesichts der jüngsten Wirtschaftsskandale in den USA hat der Senat hat jetzt einen Gesetzentwurf für eine neue Aufsicht der Wirtschaftsprüfer verabschiedet. Kern seines Reformplans ist eine neue Aufsichtsbehörde, der Public Company Accounting Oversight Board, die mit weitreichenden Kontroll- und Sanktionsrechten ausgestattet werden soll. Das Aufsichtsgremium soll aus fünf von Wirtschaftsprüfern unabhängigen Personen bestehen, die von der Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) berufen werden.

Aufgabe der neuen Behörde ist es, die großen Wirtschaftsprüfer einmal pro Jahr unter die Lupe zu nehmen und Regelverstöße zu untersuchen und zu ahnden. Die Möglichkeit der Wirtschaftsprüfer, auch Beratungsdienste anzubieten, soll erheblich eingeschränkt werden. Zudem sollen Unternehmen ihren Prüfer alle fünf Jahre wechseln, um eine stärkere Unabhängigkeit zu gewährleisten. So dürfen Angestellte von Wirtschaftsprüfern künftig erst nach einer Karenzzeit von 12 Monaten in das Management früherer Kunden wechseln.

Die Senatoren haben weitere Vorschläge an den Gesetzentwurf angehängt. So sollen sich Vorstands- und Finanzchefs künftig für die Richtigkeit ihrer Finanzinformationen schriftlich verbürgen. Durch Bilanztricks erhaltene Bonuszahlungen müssen zurückgezahlt werden. Die Strafen für Bilanzbetrug und Behinderung der Ermittlungsbehörden werden verschärft. So sollen Führungskräfte, die gezielt die Bilanzen fälschen, künftig mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden. Ferner sind Geldstrafen bis zu einer Million Dollar geplant. und Kronzeugen erhalten einen besseren Schutz.

Gescheitert sind Bemühungen, die US-Unternehmen dazu zu zwingen, Aktienoptionen künftig als normale Kosten zu verbuchen. Bislang ist das den Firmen freigestellt. Insbesondere die Lobby der Hightech-Industrie im Silicon Valley läuft Sturm gegen diesen Vorschlag, weil Aktienoptionen dort der wichtigste Gehaltsbestandteil sind.

Der Gesetzentwurf des Senats muss nun in einem Vermittlungsverfahren mit einer deutlich milderen Fassung des von den Republikanern beherrschten Repräsentantenhauses abgestimmt werden. Präsident Bush hat beide Häuser aufgerufen, noch vor der Sommerpause einen Kompromiss zu finden, den er dann unterschreiben wolle. Bush hatte bislang den abgemilderten Entwurf des Repräsentantenhauses unterstützt, ist jedoch unter dem Eindruck der jüngsten Skandale auf die härtere Linie der Demokraten eingeschwenkt.

Auch in Deutschland wird die Frage nach einer Kontrollinstanz für Wirtschaftsprüfer diskutiert. Jedoch ist umstritten, wie ein solches Gremium aussehen soll. So schlägt das Institut der Wirtschaftsprüfer ein "Review Panel" nach britischem Muster vor, das auf Antrag hin tätig wird und Jahresabschlüsse nach Fehlern untersucht. Werden Mängel festgestellt, kann die Kommission eine Änderung gerichtlich erzwingen. Der Saarbrücker Betriebswirtschaftsexperte Karlheinz Küting hält die Regelung für nicht schlagkräftig: Das Aufsichtsgremium müsse nicht nur berufsunabhängig sein, sondern auch Sanktionen aussprechen können, die "ans Eingemachte gehen."

Auf europäischer Ebene will die EU-Kommission mit einem Verhaltenskodex die Unabhängigkeit und Verlässlichkeit von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sicherstellen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%