Auch in El Salvador bebte die Erde
Tote und Verletzte bei langem Erdbeben in Seattle

Ein 45 Sekunden anhaltendes Erdbeben hat in der amerikanischen Metropole Seattle und im Westen des US-Bundesstaates Washington Tausende von Menschen in Panik versetzt. Die Behörden teilten mit, eine 66-jährige Frau aus einem Vorort Seattles habe während des Bebens am Mittwoch eine Herzattacke erlitten und sei gestorben.

rtr SEATLLE. 60 Erdbebenopfer seien in Seattle und in der Hauptstadt Olympia mit Verletzungen in Krankenhäuser eingeliefert worden. Einige von ihnen seien schwer verletzt. Das lange Beben hatte gegen Mittag (Ortszeit, kurz vor 20.00 Uhr MEZ) die Menschen überrascht, die aus Büros, Läden und öffentlichen Gebäuden auf die Straßen rannten. Das Beben, das eine Stärke von 6,8 auf der Richter-Skala erreichte, unterbrach auch einen Vortrag von Microsoft-Gründer Bill Gates.

In der Hauptstadt Olympia bildeten sich Risse in der Kuppel des Parlamentsgebäudes. Gouverneur Gary Locke rief den Notstand aus. Er schätzte die Erdbebenschäden im Bundesstaat Washington nach einem Rundflug mit dem Hubschrauber auf über eine Milliarde $. Vor allem die Infrastruktur sei betroffen. "Viele Straßen und Brücken sind abgesackt", sagte Locke.

Rund 200 000 Menschen waren nach Schäden an Stromleitungen im Westen des Bundesstaates von der Stromversorgung abgeschnitten. Von Wolkenkratzern in Seattle lösten sich Stücke des Fassadenputzes. Hier fielen vor allem bei älteren Gebäuden Teile der Steinfassaden auf die Straßen. Im Wahreichen Seattles, dem Turm der Weltausstellung, waren viele Besucher zeitweise eingeschlossen.

Das Geologische Institut der USA in Golden, Colorado, hatte die Stärke des Bebens zuerst mit sieben auf der Richterskala angegeben, dann aber auf 6,8 korrigiert. Ein Beben dieser Stärke kann Häuser schwer beschädigen. Weil das Beben sich aber in einer Tiefe von 50 Kilometern ereignet habe, seien die Schäden verhältnismäßig gering, teilten die Geophysiker mit. Es sei dennoch das schwerste Beben seit 36 Jahren in Seattle. Das Epizentrum des Bebens lag rund 50 Kilometer südwestlich von Seattle und 16 Kilometer nordöstlich von Olympia. Die Erschütterungen waren im Norden bis nach Vancouver in Kanada und im Süden bis nach Portland im US-Bundesstaat Oregon zu spüren.

"Dies ist das stärkste Erdbeben, an das ich mich erinnern kann", sagte der Bürgermeister von Seattle, Paul Schell. Er zeigte sich zugleich erleichtert, dass eine Katastrophe nicht eintrat. "Es sieht so aus, dass alles wieder in Ordnung ist." US-Präsident George W. Bush sagte, seine Regierung sei bereit, jede Unterstützung zu leisten. Er stehe mit Gouverneur Locke in Verbindung.

Fernsehbilder zeigten eingestürzte Fassaden, zerborstene Fensterscheiben und beschädigte Autos. Eine Fernsehaufnahme von einer Pressekonferenz während des Bebens zeigte, wie sich Menschen an Tischen festhielten, um nicht zu stürzen. Überall in der Stadt waren Sirenen von Polizeiwagen zu hören. "Als das Beben anfing, hörten wir ein donnerndes Geräusch", berichtete eine Anwohnerin in einer Wohnsiedlung östlich von Seattle. Die Türen und Fensterscheiben hätten gezittert, Schubladen seien aufgesprungen. "Alles wurde durchgerüttelt. Ich fühlte mich wie auf See", sagte die 62-Jährige. Ihr 17-jähriger Sohn sagte, seine Schule sei sofort geschlossen worden.

Auch in El Salvador bebte wieder die Erde

Durch das Beben seien die Bilder von der Wand gefallen, sagte ein Büroangestellter. "Ich telefonierte gerade mit einer Freundin, als sie zu schreien anfing." Microsoft-Milliardär Gates musste wegen des Bebens eine Rede unterbrechen. Ein Microsoft-Sprecher teilte mit, Gates habe seine Ansprache nach dem Beben unbeirrt fortgesetzt. Auch das Datennetz und die Websites des Unternehmens hätten das Beben unbeschadet überstanden. Allerdings seien einige Fensterscheiben und Kacheln auf dem Firmengelände zu Bruch gegangen.

Flüge nach Seattle/Tacoma wurden zunächst gestrichen oder umgeleitet. Später öffnete der Flughafen wieder. Als Vorsichtsmaßnahme sei die Olympic-Pipeline unterbrochen worden, sie werde auf mögliche Schäden untersucht, hieß es aus Unternehmenskreisen. Das 650 Kilometer lange Pipeline-System verbindet Ferndale in Washington und Portland. Die Pipeline gehört den Unternehmen BP Amoco, Tosco Corp., Equilon Enterprises LLC und Tesoro.

In Mitleidenschaft gezogen wurde auch das Flugfeld des Flugzeugherstellers Boeing, auf dem Flugzeuge getestet werden. Das Durcheinander bei dem Beben nutzte in Tacoma laut einem TV-Bericht ein wegen Vergewaltigung Angeklagter zur Flucht aus dem Gerichtssaal.

Auch El Salvador wurde am Mittwoch von einem Beben der Stärke 5,6 auf der Richter-Skala erschüttert. Der Katastrophenschutz teilte mit, südlich der Hauptstadt San Salvador habe das Beben mehrere kleinere Erdrutsche ausgelöst.

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