Auch in Europa gibt es Top-Schulen
Der Mensch macht's

Europäische Business Schools standen lange im Schatten ihrer US-amerikanischen Vorbilder. Doch die Zeiten, in denen man deshalb seinen MBA in Amerika machen musste, sind vorbei.

DÜSSELDORF. Glaubt man den international maßgeblichen Rankings, so ist die Sache einfach: Für wen das Beste in Sachen MBA gerade gut genug ist, der muss nach Amerika. Die wirklich guten MBA-Programme gibt es, so scheint es, nur auf der anderen Seite des Atlantiks.

Die sehr einflussreiche Rangliste der "Financial Times", über jeden Verdacht der Amerikalastigkeit erhaben, verzeichnet unter den zehn besten Business Schools der Welt nur eine einzige europäische (Insead), unter den zwanzig besten ganze drei. Ähnlich das Bild bei der Rangliste des US-Wirtschaftsmagazins "Business Week": Wharton, Kellogg, Harvard, Sloan (MIT), Fuqua (Duke), Michigan, Columbia, und Cornell dominieren das Feld.

Doch Vorsicht ist geboten. Denn wer solche Listen falsch interpretiert, läuft Gefahr, die Rechnung ohne den Wirt, sprich den Arbeitgeber, zu machen. Im besten Fall spiegeln solche Rankings den Wert der MBA-Abschlüsse auf dem (Arbeits-)Markt wider. Aber einen globalen Arbeitsmarkt gibt es nicht, selbst bei Top-Managern.

Das Ziel bestimmt den Weg

Nun mag es sein, dass ein MBA von Wharton oder Harvard tatsächlich den größten Marktwert (sprich Karriere- und Einkommensvorteil) in den USA besitzt. Doch für einen deutschen MBA-Interessenten ist das nur relevant, wenn er seine berufliche Zukunft in den USA sieht. Was aber, wenn das Karriereziel gar nicht USA oder US-Unternehmen heißt? Was wenn, wie immer wieder festzustellen, in den Personalabteilungen deutscher Unternehmen selbst führende MBA-Schulen in den USA unbekannt sind? Zudem ist, wie böse Zungen behaupten, ein MBA vor allem der Zutritt zu einem Ehemaligen-Netzwerk. Was aber nützen solche Alumni, wenn sie sich vor allem in Amerika befinden, man selbst aber einen Job in Deutschland sucht?

Hier zu Lande aber ist für den Wert eines MBA letztlich nicht die Position auf einem Ranking entscheidend, sondern nur die Einschätzung der potenziellen zukünftigen Arbeitgeber. Was aber sagen die?

"Die meisten deutschen und europäischen MBA-Anbieter sind Schrott", sagt ein Personaler einer deutschen Großbank. "Drei Viertel können Sie in die Tonne hauen." Die Botschaft ist klar: Wer mit einem MBA einer europäischen Business School Karriere machen will, der sollte eine führende Schule in West- und Südeuropa oder Großbritannien wählen.

Unternehmen halten sich mit konkreten Einschätzungen zurück

"Für die Boston Consulting Group sind europäische und amerikanische Top-MBA-Schulen gleichwertig", erklärt BCG-Recruiting Director Dominik von Achten. Mit der Betonung auf "Top". Identisch äußert sich Anja Hoffmann, zuständig für MBA-Recruiting beim Münchener Beratungsunternehmen Roland Berger.

In der Personalabteilung von Daimler-Chrysler sieht man sogar einen leichten Vorteil für Europa: "Die kulturelle Vielfalt Europas wird an einer europäischen Business School intensiver gelebt als an einer amerikanischen. Auch die nicht ausschließliche Konzentration auf Case Studies entspricht oftmals unseren Anforderungen eher."

Aber Vorsicht: "Beim MBA ist der Ruf einer Schule entscheidend. Ich würde sogar sagen: wichtiger als die Universität bei einer Promotion", warnt Klaus Behrenbeck, der bei McKinsey für Recruiting verantwortliche Partner.

Klare Einschätzungen europäischer Business Schools aber sind von den Personalabteilungen großer deutscher Unternehmen nur hinter vorgehaltener Hand zu erhalten. Ein gutes Indiz ist aber, wo solche Unternehmen selbst anwerben.

"Unsere Investment Banking Division rekrutiert an Insead und der London Business School, Trading und die Fixed Income Division, außerdem noch an IESE", verrät man bei Morgan Stanley Dean Witter, der auch in Europa (mit) führenden US-Investmentbank. "Die Deutsche Bank rekrutiert aktiv an praktisch allen führenden Business Schools in Europa", sagt Martin Möhrle, Chief Learning Officer des Geldhauses. "Von der London Business School halten wir besonders viel."

Es kommt immer auf den Bewerber an

"BCG Deutschland rekrutiert MBA aktiv insbesondere an Insead und in St. Gallen (hier allerdings primär Hochschulabsolventen). Darüber hinaus bemühen sich unsere europäischen Kollegen um Nachwuchs von den Topschulen ihres jeweiligen Landes." Fast identisch die Auswahl von McKinsey: "Wir rekrutieren an einer Reihe europäischer Top-Schulen; schwerpunktmäßig sind dies Insead, St. Gallen und ESCP-EAP."

Anja Hoffmann, zuständig für MBA-Recruiting bei Roland Berger, ist präziser: "Wir rekrutieren aktiv an IESE, Insead, RSM, IMD, Bocconi und konzentrieren dort auch unser Personalmarketing. Unser Pariser Büro rekrutiert auch an HEC, unser Schweizer Büro an der Universität St. Gallen." Fast identisch die Auswahl von Bertelsmann: "Wir rekrutieren aktiv an IMD, Insead, ESCP-EAP, IESE, an der Universität St. Gallen (HSG) und teilweise auch an Bocconi, HEC und RSM."

Alle befragten Personaler verweisen aber auch darauf, dass es letztlich nicht auf die Schule, sondern auf den Bewerber ankommt. Auf das individuelle Profil, die Schul- und Studienleistungen, die analytischen Fähigkeiten. "Das Entscheidende ist letztendlich nicht allein die Business School, an der ein Bewerber seinen MBA erlangt, sondern was für eine Persönlichkeit er ist, ob er unserem Anforderungsprofil entspricht und ob er zu uns passt. Die Wahl der Business School ist ein wichtiges, aber nicht das entscheidende Auswahlkriterium", erklärt McKinsey-Mann Behrenbeck.

Also alles wieder offen? Nicht ganz: "Wir schauen uns alle Bewerber mit MBA an", sagt der BCG-Recruiter von Achten. "Aber unsere Erfahrung zeigt, dass gute Leute auch nur an gute Schulen gehen."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%