Auch in schwierigen Börsenphasen gibt es Gewinner-Aktien
Tipps zum Perlentauchen

In Boomzeiten reichte der Namenszusatz ".com" für ein Unternehmen, um Aktionären fette Kursgewinne zu bescheren. Inzwischen müssen Anleger intensiver suchen, um die Perlen unter den Aktien zu finden. Dabei helfen eine Reihe von Suchkritieren wie Börsenbewertung, Prognosequalität und ein Blick auf das Geschäftsmodell.

DÜSSELDORF. Pleitefälle wie Gigabell und Teldafax lasten wie Blei auf den Kursen der Wachstumsunternehmen; Standardtitel werden gebremst durch Konjunktursorgen. Keine Frage: Erfolgreich Geld in Aktien anzulegen, ist schwieriger geworden. "Die Zeit der übergreifenden Investmentthemen wie Internet ist erst einmal vorbei", meint Christian Elsmark, Experte für europäische Aktien bei JP Morgan Fleming Asset Management. Jetzt sei die Zeit der gezielten Titelauswahl (Stock picking) gekommen.

Dabei kommt es für Anleger auf die richtigen Auswahl-Kriterien an. Kategorien wie Aktienbewertung, gutes Geschäftsmodell und fähiges Management hat gewiss jeder Anleger schon gehört. Doch was verstehen Profi-Investoren konkret darunter?

"Bei der Bewertung ist zu prüfen, ob die zu erwartenen Gewinne den heutigen Preis der Aktie rechtfertigen", erklärt Bert Flossbach, Miteigentümer der Vermögensverwaltung Flossbach & von Storch in Köln. "Aber gerade die zukünftigen Erträge sauber zu prognostizieren, daran scheitern selbst Profis", fügt er gleich mit an.

Beliebt sind Bewertungsmodelle, bei denen die erwarteten Zukunftserträge auf den heutigen Tag abgezinst werden (sog. Discounted-Cash-Flow-Methode) Der so ermittelte Barwert, auch "fairer Wert" genannt, lässt sich dann mit dem aktuellen Börsenkurs vergleichen Mit einem einfachen Modell können Anleger einen Börsenkurs auf seine Plausibilität prüfen (siehe Kasten). Die vereinfachte Formel errechnet den fairen Wert einer Aktie unter der Annahme, dass der Gewinn des Unternehmens nicht mehr wächst. "Solche Modelle haben auch ihre Schwächen. Denn bei sehr zyklischen Unternehmen schwanken die Gewinne stark, da ist die Annahme des konstanten Gewinns schon ambitioniert", merkt Flossbach an.

Ein Blick auf die Bewertung ist Pflicht

Jochen Mathee, Fondsmanager für Nebenwerte bei der Fondsgesellschaft Invesco, setzt auch auf den Bewertungsklassiker, das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). "Die Übernahme des Börsenmaklers Spütz, der ein einstelliges KGV hat, zeigt doch, dass auch strategische Investoren diese Kennziffer mit heranziehen", sagt Mathee. Gerade im Nebenwertesegment Smax gebe es zahlreiche Titel, die mit einem KGV von unter zehn einfach zu billig seien, wie Indus (KGV 5,16), Salzgitter (5,42), Walter (5,49) oder Leoni (5,86).

Bewertungsfragen sind wichtig, aber nicht allein entscheidend. Ein Betonschwimmwesten-Hersteller wäre zum Beispiel selbst mit einem KGV von 1 wohl noch zu teuer. Daher prüfen Profis auch genau, was das Geschäftsmodell eines Unternehmens taugt. "Das rauszukriegen, kann ganz einfach sein: Man befragt die Kunden des Unternehmens", sagt Rolf Drees, Finanzanalyst von Union Investment, "das sagt manchmal mehr als viele Bilanzen". Invesco-Experte Mathee fragt auch Wettbewerber, was sie von ihrer Konkurrenz halten. "Wer wissen will, ob das neue Siemens-Handy ein Schlager wird, braucht bloß mal in einen Handy-Shop zu gehen, und mit den Verkäufern zu reden", ergänzt Drees.

Außerdem kommen die Qualitäten des Managements unter die Lupe. "Hier ist zu prüfen, ob das Management relevante Erfahrungen mitbringt", erklärt Flossbach. Dazu gehöre auch, dass der Manager schon einmal eine Krise erfolgreich gemeistert habe. Als positives Beispiel nennt er Werner Baldessarini, Vorstand beim Bekleidungshersteller Hugo Boss. Der habe vorher im Handelsbereich des Unternehmens gearbeitet und kenne daher den Markt gut. "Ein gutes Management zeichnet sich auch dadurch aus, dass es die eigenen Prognosen erfüllt", nennt Union-Experte Drees ein weiteres Kriterium. Zwar sei es für Externe schwer, die Qualitäten des Managements zu beurteilen, meint Bert Flossbach. "Aber manchmal hilft schon die Lektüre eines längeren Zeitungsinterviews, um zu sehen, wie die Unternehmenslenker so ticken."

Ein einfaches DCF-Modell

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