Auch interne Bürokratie erschwert Arbeitsalltag
Qualifizierte Mitarbeiter brauchen weniger Vorschriften

Warum sind deutsche Autobauer erfolgreicher als ihre amerikanischen Konkurrenten? Etienne Jaugey, Senior-Partner bei der Management- und Technologieberatung Diamond Cluster International, hat eine einfache Erklärung: In Deutschland gibt es viel weniger interne Vorschriften als in USA. "US-Unternehmen sind dafür bekannt, dass praktisch auf jeder Fensterbank ein "Operational Manual" steht, und zwar bei jedem noch so kleinen Angestellten", erzählt Jaugey.

sgr DÜSSELDORF. Für den Berater ist BMW ein positives Paradebeispiel: Weniger Vorschriften, dafür aber deutlich qualifiziertere Mitarbeiter. "Die kosten zwar zunächst mehr als einfache Arbeiter", stellt der Management-Berater fest; "aber am Ende bringen sie auch deutlich mehr." Nur gut ausgebildete Angestellte seien in der Lage, im Rahmen ihres Ermessensspielraums schnelle und richtige Entscheidungen zu treffen, zählt er auf. Nur sie könnten auf unvorhergesehene Situationen richtig reagieren. Die Konstellation "Detaillierte Vorschriften/wenig qualifizierte Mitarbeiter" hat aus seiner Sicht dagegen nur den einen Vorteil: Personal lässt sich leichter und schneller austauschen.

Noch ausgeprägter ist die interne Bürokratie nach Ansicht der Berater im Bankgewerbe. Das müsse aber auch so sein, weil man Entscheidungen etwa über die Vergabe von Krediten nur nach vorgegebenen Kriterien treffen könne. Aber auch hier erwiesen sich gut ausgebildete Mitarbeiter als Vorteil, weil sie eher in der Lage seien, Abweichungen von der Regel zu erkennen und entsprechend zu reagieren.



Dabei hat die moderne Informationstechnologie Geschäftsprozesse im Laufe der Jahre zwar ohne Zweifel verbessert. Doch das hat nicht immer zu einem Abbau von Bürokratie geführt. Im Gegenteil: Gerade weil es so einfach ist und schnell geht, werden elektronische Nachrichten (E-Mails) inzwischen in einer Zahl verschickt, die meist nichts mehr mit einem wirtschaftlichen und durchdachten Arbeitsablauf zu tun haben. Kopien erreichen auch jene Mitarbeiter, die damit überhaupt nichts zu tun haben. Schon bieten sich Berater an, die den Unternehmen eine "neue Kommunikationskultur verkaufen" wollen.

Andererseits ergibt sich ein riesiges Sparpotenzial, wenn Firmen E-Commerce einsetzen, ergab eine Studie der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg (TA-Akademie). Unternehmen wurden nach ihren Erfahrungen mit den elektronischen Vertriebs- und Beschaffungskanälen befragt. "Insbesondere bei der elektronischen Beschaffung berichten alle untersuchten Firmen von großer Ersparnis", so Thomas Renner, Mitarbeiter am Fraunhofer für Arbeitswirtschaft und Organisation-Institut (IAO), das die Studie im Auftrag der TA-Akademie verfasst hat.

Viel Bürokratie im Unternehmen werde etwa schon dadurch beseitigt, dass jeder Mitarbeiter so genannte "C-Artikel" wie Büroklammern oder Papier über das Internet bestellen kann. Weil sich in der Regel auch das nur mit besser ausgebildeten Mitarbeitern erreichen lässt, muss es in den Unternehmen ein permanentes Anliegen sein, interne Vorschriften auf ein Minimum zu begrenzen. Dies hat Berater Jaugey am Beispiel der Autoindustrie nachgewiesen. Er lässt die These nicht gelten, dass überholte Vorschriften bloß noch als "Leichen" in den Regalen rumliegen. "Das verdeckt den Blick auf die wirklich wichtigen und aktuellen Vorschriften", widerspricht der Berater dieser Ansicht. Diese würden dann nämlich nicht mehr richtig ernst genommen.

Wie aber bekämpft man die Vorschriftenflut im Unternehmen? Ein kompletter Neustart, also bisherige betriebsinterne Vorschriften einfach ignorieren, scheidet als Vorgehensweise aus. Denn dann gäbe es für eine bestimmte Zeit gar keine Vorschriften. Aber schon der Ansatz, nur das zu eliminieren, was überhaupt nicht mehr gebraucht wird, führt nach Jaugeys Erfahrung dazu, dass ein Fünftel der Vorschriften wegfällt.

Ende der Serie

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%