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Auch Japan droht eine Lawine von Zwangsarbeiter-Klagen

Nach den Prozessen ehemaliger Zwangsarbeiter in Deutschland droht nun auch japanischen Unternehmen eine Welle von Entschädigungsklagen. Vor wenigen Tagen reichten vor einem Gericht in Los Angeles neun frühere Zwangsarbeiter Klage gegen die japanischen Konzernriesen Mitsui und Mitsubishi wegen Ausbeutung chinesischer Arbeitssklaven ein.

dpa TOKIO. Ermutigt vom Ausgang der Verhandlungen in Deutschland, verlangen die Kläger Entschädigung und nachträgliche Bezahlung für die in den 30er Jahren bis Kriegsende 1945 in japanischen Fabriken und Kohlebergwerken verrichtete Fronarbeit.

"In den Kohlegruben war es dunkel und nass", erinnert sich einer der Kläger, der heute 78-jährige Chinese Li Taojing. In einer von der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo zitierten Erklärung schildert Li, wie er 1944 nach Japan verschleppt und zur Zwangsarbeit in einer Kohlemine auf der südlichen Insel Kyushu gezwungen wurde. "Wir hatten nicht genug zu essen, nicht genug anzuziehen, wurden geschlagen und gefoltert." Nach Angaben der Anwälte wurden Mill. von Zivilisten, die meisten aus China, Korea und anderen asiatischen Ländern, aber auch Zehntausende amerikanische, britische und niederländische Kriegsgefangene wie Vieh in Frachtschiffen nach Japan transportiert.

Etwa 135 japanische Unternehmen sollen nach bisherigen Erkenntnissen im Zweiten Weltkrieg solche Arbeitssklaven in Japan, aber auch in anderen von Japan besetzten Ländern beschäftigt haben. Allein für Mitsui sollen über 7 400 und für Mitsubishi 2 100 Chinesen in Japan gearbeitet haben. Ein Sprecher der Bergbautochter des Mitsui-Konzerns, Mitsui Kozan, in Tokio wollte sich zu den Gerichtsklagen auf Anfrage nicht äußern und verwies auf die laufenden Prozesse. Bisher seien gegen das Unternehmen etwa 15 Klagen eingereicht worden.

Mitsubishi : Frage rechtlicher Wiedergutmachung erledigt

Bei Mitsubishi Corporation in den USA, dem Handelshaus der Mitsubishi-Gruppe, ist man sich zwar bewusst, dass es im Zweiten Weltkrieg "bedauernswerterweise" Zwangsarbeit gegeben hat. Man bezweifelte in einer Erklärung aber für sich jeden Zusammenhang mit den Vorwürfen. Schließlich habe man als Handelshaus nichts produziert. Die Frage rechtlicher Wiedergutmachung Japans und japanischer Firmen sei im übrigen mit dem Friedensvertrag von San Francisco, den Japan 1951 mit seinen einstigen Gegnern ausgehandelt hatte, und anderen internationalen Vereinbarungen erledigt.

Auch ein Vertreter des japanischen Außenministeriums verwies auf den Vertrag von San Francisco. Das Thema sei grundsätzlich "zumindest zwischen den Regierungen" schon geklärt. "Aber man kann natürlich nicht verhindern, dass trotzdem Zivilklagen angestrengt werden", sagte der Sprecher. Sollte es jedoch immer mehr von solchen Klagen geben, befürchte man, dass dadurch die von Japan nach dem Krieg geleisteten Wiedergutmachungen verleugnet werden. "Die Ankläger beachten nicht, was schon alles geleistet wurde", sagte der Sprecher.

Die US-Anwälte, darunter Barry Fischer, der auch an den Verhandlungen gegen deutsche und Schweizer Unternehmen zur Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter beteiligt war, stützen sich auf ein im vergangenen Jahr erlassenes Gesetz in Kalifornien. Dieses lässt Klagen im Zusammenhang mit Zwangsarbeit gegen dort registrierte Firmen noch bis 2010 zu. Zwar hatte der chinesische Staat 1972 bei Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Japan auf Forderungen nach Wiedergutmachung verzichtet. Die Kläger jedoch pochen auf ihr Recht.

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