Auch Kinder haben schon Schlafstörungen
Schnarcher leben gefährlich

Ob Presslufthammer oder Sägewerk - mehr als zehn Millionen Deutsche stimmen Nacht für Nacht ein schauerliches Schnarchkonzert an. "Schnarchen kann höchst gefährlich sein", sagt der Regensburger Schlafforscher Jürgen Zulley.

HB/dpa LEIPZIG/REGENSBURG. Die Verengung der Atemwege, die das Luftholen während des Schlafes erschwert, kann im Extremfall zu minutenlangen und lebensbedrohlichen Atemstillständen führen. Vor den Folgen des Schnarchens warnen Fachleute aus Anlass des vierten bundesweiten Tag des Schlafes am 21. Juni unter dem Motto "Liebling, du schnarchst".

"Schlafstörungen sind längst eine Zivilisationskrankheit", meint der Direktor der Medizinischen Universitätsklinik Leipzig, Joachim Schauer. Rund 20 Prozent der Deutschen litten an einer Schlafstörung. Im Schlaflabor der Leipziger Klinik wälzen sich jede Nacht drei Patienten in den Laken - angeschlossen an ein Dutzend Elektroden und Geräuschfühler. Ein Computer erfasst im Nachbarraum jede Bewegung der Augenlider, jedes Zucken der Gesichtsmuskeln und jedes noch so zarte Schnarchen. 

Bundesweit 240 Schlaflabore

Die Probleme der Patienten sind höchst unterschiedlich: Die einen schlafen zu wenig und nicht tief genug, die anderen plagen ruhelose Beine oder sie springen nachts plötzlich aus dem Bett. Tagsüber seien die Betroffenen unkonzentriert und vergesslich, viele haben plötzliche Schlafattacken. Manche Patienten litten schon Jahrzehnte an Schlafstörungen, berichtet die Leiterin des Leipziger Schlaflabors, Andrea Bosse-Henck. Hilfe erhoffen sich viele durch eine Nacht in den bundesweit 240 akkreditierten Schlaflaboren.

"Diese Erkrankungen dürfen nicht länger als Befindlichkeitsstörungen abgetan werden und müssen von den Krankenkassen endlich anerkannt werden", fordert Zulley. Schlaf ist der Deutschen Akademie für Gesundheit und Schlaf zufolge eines der lebenswichtigen und zugleich extrem unterschätzten Grundbedürfnisse. Schließlich "verschlafe" der Mensch rund ein Drittel seines Lebens - vorausgesetzt er ist gesund und kann sein Haupt entspannt zur Ruhe betten.

Am besten schlafen Beamten

Existenzsorgen, Zukunftsängste, Beziehungsprobleme und Stress im Beruf verwehren dies jedoch immer mehr Menschen. "Gerade die durch psychische Belastungen ausgelösten Schlafstörungen werden immer häufiger", sagt Klinikdirektor Schauer. Nur eine Berufsgruppe bleibe davon unberührt: "Am besten schlafen in Deutschland die Beamten." Sie hätten einen krisensicheren Job, feste Arbeitszeiten und einen garantierten Pensionsanspruch.

Um so alarmierender sind die Befunde der Kindermediziner. "Durch zu viel Fernsehen und Computerspiele schrecken immer mehr Kinder nachts hoch, wie bei einem epileptischen Anfall. Dies kann gefährliche Folgen für das Wachstum haben", erklärt der Leipziger Kinderneurologe Joachim Merkenschlager. Schließlich werde in den verschiedenen Schlafstadien nicht nur die "Batterie" wieder aufgeladen, sondern gerade in der Traumphase auch der Alltag unbewusst bewältigt.

Durchschnittlich nur noch sieben Stunden Schlaf

Doch nicht alle der 88 von Fachleuten unterschiedenen Schlafstörungen sind heilbar. "Es ist ein Phänomen unserer Zeit: Alles muss immer schneller gehen, wir haben immer weniger Zeit, und neigen dazu, zu wenig zu schlafen", urteilt Thomas Penzel von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. Statt neun Stunden wie zu Kaisers Zeiten schlafen die Deutschen laut einer Studie durchschnittlich nur noch sieben Stunden - von 23.04 Uhr bis 6.18 Uhr.

"Wir müssen wieder lernen, richtig zu schlafen", meint Zulley. Die abendliche Flasche Bier oder das Glas Rotwein seien jedenfalls der falsche Weg: Dadurch gelinge zwar das Einschlummern schneller. Sinkt der Alkoholpegel allerdings, verlangt der Körper Nachschub und man wacht zwangsläufig auf.

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