Auch Kirkuk unter Beschuss: Alliierte behalten Bagdad im Visier

Auch Kirkuk unter Beschuss
Alliierte behalten Bagdad im Visier

Die alliierten Truppen haben am Dienstag erneut mit schweren Luftangriffen die Verteidigungsringe um Bagdad zu schwächen versucht und am Boden im Zentralirak ihren Vormarsch auf die Hauptstadt offenbar fortgesetzt.

Reuters BAGDAD. Der bislang eher weltlich auftretende irakische Präsident Saddam Hussein rief in einer im Fernsehen verlesenen Erklärung die Iraker zum Dschihad (Heiligen Krieg) auf.

Reuters-Korrespondent Nadim Ladki berichtete von riesigen Rauchsäulen über Bagdad. Eine Reihe von Explosionen erschütterte die Stadt. Zwei Reporter bei den US-Bodentruppen berichteten: "Wir sind definitiv in Bewegung. In den kommenden Stunden könnte viel passieren." Im Norden bombardierten US-Kampfflugzeuge am 13. Tag des Irak-Krieges Ziele in der Nähe der Stadt Kirkuk. Irak erklärte unterdessen, irakische Einheiten hätten die Landung britischer Truppen in der nördlichen Ölstadt Mossul verhindert.

In der im Fernsehen verlesenen Erklärung Saddams hieß es, der Dschihad (Heilige Krieg) gegen die Invasoren sei religiöse Pflicht eines jeden Irakers. "Wer stirbt, wird vom Himmel belohnt werden. Das ist es, was Gott von euch verlangt. Schlagt sie, bekämpft sie, bekämpft sie überall." Informationsminister Said el Sahaf sagte, seit Montag seien bei den Bombenangriffen auf Bagdad 24 Menschen getötet und 125 verletzt worden. In anderen Landesteilen seien 32 Zivilisten umgekommen.

Rund 80 Kilometer südlich von Bagdad wurden Reporter in Hilla zu einem Krankenhaus geführt. Einwohner sagten, US-Truppen hätten die Stadt am Montag angegriffen, seien aber zurückgeschlagen worden. Die Journalisten sahen einen Lastwagen, in dem Tote transportiert wurden, überwiegend Kinder. Ein Reporter zählte elf tote Zivilisten und zwei irakische Kämpfer. Ein Krankenhausangestellter berichtete von 33 getöteten Zivilisten und mehr als 300 Verletzten. "Gott nehme Rache an Amerika", wiederholte ein schockierter Mann in dem Krankenhaus immer wieder - Angestellte sagten, der Mann habe seine ganze Familie verloren.

Reuters-Korrespondent Mike Collett-White berichtete aus der Nähe von Kirkuk im Norden Iraks, wo sich wichtige Ölfelder befinden, zwei US-Kampfflugzeuge hätten die Gegend überflogen. Es waren die Einschläge von Raketen zu hören und Rauchsäulen zu sehen. Die von den USA angeführten Truppen haben in den letzten Tagen wiederholt die nordirakischen Städte Kirkuk und Mossul angegriffen.

Bei Mossul hätten irakische Streitkräfte die Landung von britischen Truppen verhindert, sagte Iraks Informationsminister Sahaf. Der arabische Fernsehsender El Dschasira berichtete, zehn britische Soldaten seien getötet worden. Sahaf sagte: "Es ist eine völlige Niederlage." Die britischen Soldaten, die über dem Gebiet abgesprungen seien, seien fast alle getötet worden. Ein britischer Militärsprecher erklärte, er wisse nichts von einem derartigen Einsatz im Nordirak.

In dem kurdisch kontrollierten Teil des Nordiraks im Grenzgebiet zum Iran haben Spezialtruppen der USA und ihre kurdischen Verbündeten nach eigenen Angaben in der vergangenen Woche die meisten Mitglieder einer militanten Moslemgruppe getötet. Die Gruppe Ansar el Islam ist nach US-Darstellung eine Verbindung zwischen El Kaida und Saddam. Mehrere hundert Kämpfer seien getötet worden, sagte ein Kommandeur der US-Spezialkräfte.

Flüchtlinge aus der belagerten Stadt Basra im Süden des Landes berichteten, sie seien unter Druck gesetzt worden, um sich dem Kampf gegen die USA und Großbritannien anzuschließen. "Es sind nicht Lebensmittel, um die wir uns sorgen. Es ist der Terror in Basra, Staatsterror", sagte ein Mann, der seinen Namen nicht nennen wollte. "Die Partei sagt: Kämpft, kämpft, kämpft oder tragt die Konsequenzen, wenn sie nach dem Krieg alle wieder zurückkehren." Die USA und Großbritannien hatten nach ihrem Einmarsch auf einen Aufstand der Schiiten im Süden Iraks gehofft, die sich schon 1991 gegen die überwiegend sunnitische Regierung Saddams erhoben hatten. Der Aufstand wurde damals blutig niedergeschlagen, die USA schritten nicht ein.

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