Auch Konkurrent Delta schreibt fast eine halbe Milliarde Dollar Verlust im ersten Quartal
American Airlines steht erneut am Abgrund

Der Rettungsplan für die größte Fluggesellschaft der Welt droht zu scheitern. Management und Gewerkschaften zanken um die Lasten der Sanierung. In der US-Luftfahrtbranche wird die Situation immer dramatischer.

NEW YORK. Die Erleichterung währte nur kurz. Vergangene Woche billigten drei Gewerkschaften ein massives Sparprogramm über 1,8 Mrd. $ der AMR-Corp.-Tochter American Airlines zunächst. Doch am Wochenende kündigten zwei Arbeitnehmergruppen an, ihre Haltung erneut zu überprüfen.

Die Gewerkschaften der Flugbegleiter und der Transportarbeiter (Mechaniker, Bodenpersonal) äußerten sich empört über Bleibeprämien und Pensionsgarantieren für Topmanager der weltgrößten Fluglinie. Die Sonderboni für den American-Chef und sieben weitere Mitarbeiter sowie der gesonderte Pensionsfonds für Führungskräfte wurden erst bekannt, nachdem die Flugbegleiter-Gewerkschaft dem Kürzungsplan knapp und im zweiten Wahlgang zugestimmt hatte. American Airlines (AA) hatte erklärt, eine Ablehnung würde unmittelbar zum Gang vor den Konkursrichter führen.

Nun fühlen sich viele Mitarbeiter betrogen. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft plant eine dritte Abstimmung. Die Transportarbeiter-Vereinigung prüft nach eigenen Angaben verschiedene Optionen. Am Wochenende teilte AA-Chef Donald J. Carty mit, die Sonderzahlungen würden gestrichen. Carty entschuldigte sich zudem für "den Fehler, die Bleibeprämien explizit zu beschreiben". Der ausgegliederte Pensionsfonds für das Management soll aber bleiben. Wenn die Fluggesellschaft Gläubigerschutz nach Chapter 11 des US-Konkursrechts beantragt, wäre dieser Fonds nicht betroffen.

Der Gang vor den Konkursrichter droht AA weiterhin. Philip Baggaley, Analyst der Kredit-Rating-Agentur Standard & Poor?s (S&P) ließ sein Bonitätsurteil weiter auf der Beobachtungsliste. Das heißt, S & P kann die Bewertung der Kreditwürdigkeit von AMR noch senken.

Die amerikanischen Fluggesellschaften leiden unter einem Berg von Problemen. Sie verloren bereits im vergangenen Jahr insgesamt mehr als 10 Mrd. $. Derzeit belastet die schwache Wirtschaft, die Angst vor weiteren Terroranschlägen und nun auch die SARS-Epedemie. Die Krankheit hat den Flugverkehr nach Asien fast lahmgelegt. Die zweitgrößte US-Fluglinie, UAL-Tochter United Airlines, steht derzeit unter Gläubigerschutz. Die Nummer drei vier und fünf - Delta Airlines, Northwest Airlines und Continental Airlines - meldeten höhere Verluste im vergangenen Quartal.

Gegen den Trend steigerte dagegen der lokale Billigflieger Southwest Airlines seinen Quartalsgewinn um 14 % auf 24 Mill. $. Mit seinen niedrigen Tarifen schnappte Southwest den größeren Rivalen Marktanteile weg.

Dagegen meldete Delta Airlines am Donnerstag einen größeren Verlust als im schwierigen ersten Quartal 2002. Insgesamt verlor die Fluggesellschaft mit Sitz in Atlanta/Georgia 466 Mill.$, im Vergleich zu 367 Mill.$ vor einem Jahr. Mindestens ein Drittel des Verlustes geht nach Angaben der Gesellschaft auf das Konto des Irak-Krieges. Delta Airlines galt bisher als gut positioniert in der Krise. Aber der Vorstandsvorsitzende Leo Mullin sagte, dass die Airline ihre Kosten wahrscheinlich noch weiter senken muss. Delta kündigte an, dass 200 weitere Piloten vorübergehend in den unbezahlten Urlaub gehen müssen.

Um sich in dem schwierigen Geschäftsumfeld zu behaupten, hat Delta jüngstens eine Billigtochter gegründet. Sie hat am Dienstag unter dem Namen Song den Betrieb aufgenommen. Beobachter bleiben jedoch skeptisch: "Bisher hat das Modell einer Airline innerhalb einer Airline nicht funktioniert. Das ist ein sehr riskantes Spiel", sagt Darryl Jenkins, Professor und Airline-Experte an der George Washington University.

In der vergangenen Woche haben auch Continental und Northwest Airlines ihre Ergebnisse veröffentlicht: Der Verlust von Northwest fiel doppelt so hoch aus wie im vergangenen Jahr. Bei Continental stieg der Fehlbetrag um mehr als ein Drittel.

Angesichts der katastrophalen Lage in der Luftfahrt-Industrie hat US-Präsident George W. Bush am Mittwoch innerhalb des Finanzpakets für den Irak-Krieg auch Airline-Hilfen in Höhe von 3,5 Mrd. $ genehmigt. Sie sollen vor allem die Kosten für die höheren Sicherheitsvorkehrungen ausgleichen.

Die Aussichten bleiben jedoch trübe. Ein neuer Anschlag oder eine weitere Verbreitung von SARS könnten noch immer einige Gesellschaften in den Bankrott stürzen. Die Hoffnungen sind nun auf den Sommer gerichtet. Die Airlines hoffen, dass die Buchungen wieder zunehmen und dass die Ölpreise fallen.

"Aus der Krise wird allerdings keiner wirklich stark hervorgehen", warnt Jenkins von der George Washington University. "Und es wird bei allen mindestens vier bis fünf Jahre dauern, bis sie sich ganz erholt haben".

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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