Auch Kurzarbeit geplant
Infineon bestätigt: Weltweit werden 5000 Stellen gestrichen

Der Münchner Halbleiterkonzern Infineon hat angesichts der anhaltenden Schwäche des Chip-Marktes den Abbau von mehreren tausend Arbeitsplätzen und ein milliardenschweres Sparprogramm angekündigt.

Reuters MÜNCHEN. Infineon teilte am Donnerstag vor Börsenbeginn mit, das Unternehmen plane die Streichung von 5000 Stellen weltweit sowie die Einführung von Kurzarbeit. Insgesamt sollten in den nächsten zwölf bis 18 Monaten Einsparungen von etwa einer Milliarde Euro erreicht werden. Ziel der Maßnahmen sei es, die Cash-Position und die Ertragslage des Unternehmens deutlich zu verbessern. Die Infineon-Aktie verzeichnete Kursgewinne.

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"Nachdem sich nach wie vor keine erkennbare Erholung am Halbleitermarkt abzeichnet, haben wir den Aufsichtsrat (...) darüber informiert, dass zusätzliche und umfangreiche Einschnitte gegenüber dem bereits verabschiedeten Kostensenkungsprogramm erforderlich sind", gab Infineon-Chef Ulrich Schumacher mit Blick auf den geplanten Stellenabbau bekannt. Die dramatische Marktentwicklung und die daraus resultierende Geschäftslage hätten Infineon keine andere Wahl gelassen. Der Stellenabbau solle möglichst sozialverträglich erfolgen. Pläne dazu würden derzeit erarbeitet. In welchen Ländern der Stellenabbau erfolgen soll, sei noch nicht klar, führte ein Infineon-Sprecher weiter aus. Der Abbau werde aber bereits in den kommenden Monaten erfolgen.

In der Mitteilung wies Infineon auf die anhaltend schlechte Halbleiterkonjunktur hin. Der weltweite Halbleitermarkt werde 2001 gegenüber dem Vorjahr voraussichtlich um über 60 Mrd. $ schrumpfen und um 100 Mrd. $ unter den bisherigen Marktprognosen vom Oktober 2000 liegen. Dieser Abschwung sei außergewöhnlich. Auch Infineon könne sich dem nicht entziehen, hieß es weiter. Konzernchef Schumacher hatte am Montag bei der Vorlage der Quartalszahlen Stellenstreichungen nicht ausgeschlossen. Bereits zuvor hatte der Chip-Hersteller einen Einstellungsstopp verhängt. Zu den geplanten Einsparungen hieß es, sie beträfen verschiedene Konzernbereiche wie Einkauf, Logistik, Informationstechnologie und Fertigung. Weitere Beschlüsse hierzu sollen in den nächsten Wochen erfolgen, nachdem mögliche Einsparpotentiale genau untersucht seien.



Die Gewerkschaft IG Metall hatte bereits am Vortag Widerstand gegen den geplanten Arbeitsplatzabbau beim Chip-Konzern angekündigt. Nach Gewerkschaftsangaben wären 15 % der Belegschaft von dem Vorhaben betroffen. Bis zur vergangenen Woche sei die Gewerkschaft davon ausgegangen, dass Infineon keine Arbeitsplätze streichen werde, hieß es. "5000 Stellen in einem Jahr abzubauen, ist kaum vorstellbar", sagte Arbeitnehmervertreterin Sybille Wankel, die für die IG Metall im Infineon-Aufsichtsrat sitzt.

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