Auch mehrere deutsche Opfer
Tiefe Trauer in Deutschland

Nach den verheerenden Terroranschlägen in den USA hat sich Deutschland mit uneingeschränkter Solidarität an die Seite der Vereinigten Staaten gestellt. Parteiübergreifend wurde am Mittwoch Bündnis-Solidarität im Kampf gegen den Terrorismus und bei der Verfolgung der Täter zugesichert.

dpa BERLIN. "Die Menschen Deutschlands stehen in dieser schweren Stunde fest an der Seite Amerikas", sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in einer Regierungserklärung. Tausende gingen spontan auf die Straßen, legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Offenbar sind auch mehrere Deutsche unter den Opfern der Terroranschläge.

Als erste Maßnahme nach den Anschlägen verschärfte Deutschland die Sicherheitsvorkehrungen, vor allem an den Flughäfen. Die Luftabwehr wurde verstärkt - obwohl es derzeit keine akute Gefährdung gebe, wie Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) sagte. Die Regierung befürchtet aber bei einem amerikanischen Gegenschlag wegen der Terrorakte eine zugespitzte Gefahrensituation in Deutschland. Kanzleramtschef Frank- Walter Steinmeier sagte in Berlin: "Ich gehe davon aus, dass die USA diese Anschläge nicht unbeantwortet lassen werden."

Landesweit wurden am Mittwoch Gedenkminuten, Schweigemärsche und Trauergottesdienste abgehalten. An diesem Donnerstagvormittag soll für fünf Minuten die Arbeit in ganz Deutschland ruhen. Politiker aller Parteien riefen außerdem für Freitag zu einem Schweigemarsch zum Brandenburger Tor auf.

Bombendrohung im Auswärtigen Amt

Unterdessen ging am Nachmittag eine Bombendrohung beim Auswärtigen Amt in Berlin ein, das sofort evakuiert wurde. Bis zum Abend wurde kein Sprengkörper gefunden. "Trittbrettfahrer" sorgten auch in anderen deutschen Städten mit Bombendrohungen für Aufregung.

Alle Parteien im Bundestag versicherten ihr Mitgefühl und ihre Unterstützung für das amerikanische Volk und die US-Regierung. "Gemeinsam werden wir uns dieser verbrecherischen Herausforderung gewachsen zeigen", betonte Schröder. Er sagte den USA "jede gewünschte Hilfe" zu.

Bei dem zentralen Trauergottesdienst in der Berliner St. Hedwigs- Kathedrale gedachte die deutsche Staatsspitze und führende Vertreter von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft der Opfer. Die beiden großen Kirchen in Deutschland riefen die Christen zum Gebet für den Frieden und die Politiker zu überlegten Reaktionen auf. "Unser Mitgefühl gilt allen, die zum Opfer dieser bisher unvorstellbaren, menschenverachtenden Gewalt geworden sind", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Manfred Kock, und des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann. Der Islamrat forderte von den Muslimen in Deutschland nach den Terroranschlägen in den USA die Kooperation mit den Sicherheitsdiensten.

Zeichen des Mitgefühls

Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping rief alle Angehörigen der Bundeswehr zu einer Gedenkminute auf. In allen Volkswagen-Werken wurden am Mittwoch die Bänder für eine Gedenkminute angehalten. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Arbeitgeber riefen die Menschen in Deutschland für diesen Donnerstag zu fünf Trauer- Gedenkminuten auf. Von 10 Uhr an soll die gesamte deutsche Bevölkerung "ein Zeichen des Mitgefühls ... bekunden".

Staatsbesuche sind bis auf weiteres abgesagt. Die Haushaltsdebatte des Bundestages wurde endgültig verschoben und soll in der übernächste Woche fortgesetzt werden. Der Wahlkampf in Berlin und Hamburg soll ebenfalls mehrere Tage ruhen. In München wird überlegt, das Oktoberfest in diesem Jahr abzusagen.

Nach den Anschlägen war der interkontinentale Flugverkehr schwer beeinträchtigt. Wegen der Sperrung der Lufträume über den USA, Kanada und Israel wurden am Mittwoch auch zahlreiche Flüge von und nach Deutschland annulliert. Die Lufthansa strich mindestens 21 Verbindungen von Frankfurt am Main, München, Düsseldorf und Berlin in die USA und nach Tel Aviv. United Airlines setzte europaweit alle Nordamerika-Flüge ab.

Messeturm in Frankfurt evakuiert

Der Frankfurter Wolkenkratzer Messeturm wurde am Mittwochvormittag nach einer telefonischen Bombendrohung vorübergehend geräumt. In anderen Hochhäusern Frankfurts blieb die Empfehlung der hessischen Landesregierung zur Schließung "symbolträchtiger Hochhäuser" am Tag nach den Terroranschlägen in den USA ohne Wirkung.

Verteidigungsminister Scharping bot den USA "sämtliche Hilfskapazitäten" an. In Deutschland solle sichergestellt werden, im Falle eines Falles schnell reagieren zu können, sagte der Minister.

Kanzler Schröder bezeichnete den 11. September als "schwarzen Tag der Geschichte". Die Terroranschläge seien eine "Kriegserklärung an die zivilisierte Welt". Sicherheit sei heute nicht mehr teilbar. Daher müssten die Werte der zivilisierten Welt gemeinsam verteidigt werden.

Im Regierungszentrum und in den Botschaftsvierteln Berlins galt weiter die höchste Sicherheitsstufe. Bei der Gefahrenprognose stützt sich die Regierung auf Erkenntnisse der deutschen, aber auch befreundeter Geheimdienste. Man müsse sich auf alle möglichen Szenarien einstellen, dazu gehöre aber nicht der militärische Verteidigungsfall, sagte Schily. Scharping gab zu erkennen, dass man sich auch in Deutschland praktisch nicht gegen Terrorakte mit gekaperten Flugzeugen schützen könne.

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