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Auch Merkel kritisiert Karstadt - 77 kleinere Häuser bleiben vorerst

Nach Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat auch die CDU-Vorsitzende Angela Merkel dem Management des in die Krise geratenen Karstadt-Quelle-Konzerns schwere Fehler vorgeworfen.

dpa ESSEN/BERLIN. Nach Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat auch die CDU-Vorsitzende Angela Merkel dem Management des in die Krise geratenen Karstadt-Quelle-Konzerns schwere Fehler vorgeworfen.

"Die Verantwortlichen haben einfach zu lange gewartet, statt sich wie andere auf neue Märkte einzustellen", sagte Merkel der "Welt am Sonntag". Die Gewerkschaft ver.di verlangte in einem dpa-Gespräch, die 77 kleineren Warenhäuser unter dem Karstadt-Dach weiterzuführen. Die Karstadt Warenhaus AG kündigte an, diese Filialen würden vorerst nicht geschlossen, sondern ausgegliedert und dann verkauft. Kaufhof hat kein Interesse, diese 77 Häuser zu übernehmen.

Karstadt-Quelle-Chef Christoph Achenbach verbat sich Einmischung durch die Politik. "In der derzeitigen Situation kann uns der Kanzler nicht helfen. Wir müssen unsere Probleme selbst lösen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Schröder hatte grundsätzlich Unterstützung angeboten, dem Management aber zugleich ein "eklatantes Fehlverhalten in seiner krassesten Form" vorgeworfen.

Helmut Merkel, Chef der Karstadt Warenhaus AG, kündigte am Samstag an, die 77 Häuser mit weniger als 8 000 Quadratmetern Nutzfläche, von denen der Konzern sich trennen will, würden voraussichtlich zur Jahreswende ausgegliedert. In den folgenden drei Jahren sollten sie möglichst im Block verkauft werden. Die Ausgliederung ist unter dem Arbeitstitel "Karstadt Kompakt" geplant. Die zum Metro-Konzern gehörende Kaufhof Warenhaus AG steht als Käufer nicht bereit. "Wir haben keinen Bedarf, über einen Einstieg nachzudenken. Auch nicht bei einzelnen Häusern", sagte Kaufhof-Chef Lovro Mandac dem Nachrichtenmagazin "Spiegel".

Um die 77 kleineren der insgesamt 181 Karstadt-Häuser geht es unter anderem bei Strategiegesprächen von Arbeitnehmervertretern am Montag in Kassel. Am Dienstag wollen Gesamtbetriebsrat und Mitglieder der Tarifkommission die Karstadt-Verantwortlichen treffen. ver.di- Vorstandsmitglied Franziska Wiethold sagte der dpa, in Kassel gehe es voraussichtlich um Forderungen nach Beschäftigungssicherung und Tarifbindung. Über Streik rede ver.di noch nicht. "Karstadt kann nicht gegen die Beschäftigten saniert werden, sondern nur mit ihnen", fügte Wiethold hinzu. Dem "Spiegel" sagte sie: "Das Karstadt- Sanierungskonzept tragen wir nicht mit, weil es Tausende Arbeitsplätze gefährdet."

Auch Experten kritisierten das Karstadt-Quelle-Management. Die Zeit der Warenhäuser, die alles unter einem Dach bieten, gehe zu Ende, sagte der Saarbrücker Wirtschaftsprofessor Joachim Zentes der "Welt am Sonntag". James Bacos von der Unternehmensberatung Mercer Management Consulting kritisierte im selben Blatt, die Karstadt- Strategie, einen Mittelweg zwischen Billigsortiment und Luxus zu gehen, habe zur Krise geführt. Fritz Kuhn (Grüne) forderte als Konsequenz aus der Krise, die Innenstädte müssten wiederbelebt werden.

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