Auch Mosul gefallen
Alliierte auf raschem Vormarsch

Die Besetzung des Iraks durch alliierte Truppen geht immer rascher voran. Der Widerstand regulärer irakischer Truppen ist nach Meldungen des US-TV-Senders CNN fast völlig erlahmt. Sie gaben am Freitag mit Mosul auch die drittgrößte Stadt des Landes nahezu kampflos auf. Damit war nur noch die Geburtsstadt des entmachteten irakischen Präsidenten Saddam Hussein als letzte größere Stadt unter der Kontrolle seiner Anhänger. Inzwischen treten die Bemühungen um eine Nachkriegsordnung immer stärker in den Vordergrund.

HB/dpa BAGDAD. Laut CNN schlossen die vorrückenden kurdischen und amerikanischen Verbände mit den irakischen Streitkräften in Mosul ein Kapitulationsabkommen, das im Laufe des Tage noch offiziell unterzeichnet werden sollte. Ein Sprecher der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP) von Massud Barsani sagte, bei dem gemeinsamen Einmarsch in das große Zentrum der Ölförderung im Nordirak sei man auf keinen nennenswerten Widerstand gestoßen.

CNN zeigte Bilder von jubelnden Menschen im Zentrum Mosuls. Eine CNN-Reporterin berichtete von umfangreichen Plünderungen in Verwaltungsgebäuden, Banken und sogar Krankenhäusern. Einige staatliche Gebäude brannten.

Wie der arabische TV-Sender El Arabija berichtete, wollen kurdische Kämpfer die von ihnen eingenommene Nachbarstadt Kirkuk in Kürze wieder verlassen. Ihre Positionen würden von US-Soldaten besetzt. Die Türkei hatte die kurdische Besetzung von Kirkuk am Donnerstag heftig kritisiert. Laut CNN waren alliierte Truppen dabei, die Ölfelder von Kirkuk zu sichern.

Der US-Sender zeigte unterdessen Bilder von tausenden irakischen Soldaten, die ohne Waffen aus dem Norden zu Fuß in Richtung Bagdad unterwegs waren. Die Soldaten mehrerer Infanteriedivisionen hätten teilweise ihre Waffen an kurdische Peschmerga-Kämpfer abgegeben. Die Kommandeure in der Region sollen bereits vor etwa zehn Tagen geflüchtet sein. Nach dem Fall von Bagdads hätten sich dann tausende einfache Soldaten entschieden, "nach Hause" zu gehen.

Die US-Luftwaffe bombardierte nach US-Militärangaben in der Nacht zum Freitag die Residenz eines Halbbruders von Saddam Hussein im Zentral-Irak in Ar Ramadi, rund 80 Kilometer westlich von Bagdad. Barsan Ibrahim el Tikriti soll als früherer Geheimdienstchef für den Mord an mehreren tausend Menschen verantwortlich sein. Wo sich der entmachtete Präsident versteckt hält, ist weiter völlig ungeklärt.

In Bagdad stießen die alliierten Kräfte am Freitag erneut vereinzelt auf Widerstand. Bei einem mutmaßlichen Selbstmordangriff auf einen Kontrollpunkt in Bagdad waren am Vortag mindestens vier US Soldaten verletzt.

Bei einer fehlgeschlagenen Raketenzerstörung durch US-Soldaten sollen in der Hauptstadt zahlreiche Iraker und zwei amerikanische Marineinfanteristen getötet worden sein. Das berichtete El Dschasira unter Berufung auf Augenzeugen. Die Rakete sei von der irakischen Eliteeinheit Republikanische Garde in einem Wohnviertel zurückgelassen worden.

An einem Straßenkontrollpunkt in der zentralirakischen Stadt Nasarija beschossen US-Soldaten nach Meldungen des britischen Senders BBC ein Zivilfahrzeug und töteten dabei zwei Kinder. Neun Personen seien verletzt worden. Der Zwischenfall wurde von einem US-Sprecher in Nasarija bestätigt. Die Soldaten hätten an einen Selbstmordangriff geglaubt, weil der Autofahrer nicht angehalten habe. Sprengstoff oder Waffen wurden in dem Wagen aber nicht gefunden.

Unterdessen treten die internationalen Bemühungen um eine Nachkriegsordnung für den Irak immer mehr in den Vordergrund. US- Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz stellte dazu am Donnerstag (Ortszeit) vor einem Ausschuss des US-Senats einen Drei-Stufen-Plan vor. Das amerikanische Amt für Wiederaufbau und humanitäre Hilfe soll in einer ersten Phase die Verteilung humanitärer Hilfe und die Wiederherstellung der Grundversorgung koordinieren.

Sobald die Wasser-, Strom- und Gesundheitsversorgung wieder hergestellt ist, soll die Führung des Landes von einer irakischen Übergangsbehörde übernommen werden, in der die verschiedenen religiösen und ethnischen Gruppen vertreten sein sollen. In einer dritten Phase soll dann auf Basis einer neuen Verfassung eine irakische Regierung gewählt werden.

US-Finanzminister John Snow will den Wiederaufbau und die Schuldensituation des Landes zum zentralen Thema des G-7-Treffens an diesem Samstag in Washington machen. Die Schuldensituation sei ein wichtiges Thema. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt die Auslandsschulden des Iraks auf 65 bis 100 Mrd. Dollar. Dazu bestünden Reparationsforderungen in dreistelligem Milliardenbereich.

Bundeskanzler Gerhard Schröder wollte am Freitag in St. Petersburg mit den Präsidenten Russlands und Frankreichs über die Nachkriegsordnung im Irak beraten. Die drei europäischen Länder, deren Regierungen den Krieg scharf kritisiert hatten, fordern eine führende Rolle für die Vereinten Nationen beim Wiederaufbau des Iraks.

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