Auch nach dem Krieg kein Boom erwartet: Irak-Krieg drückt Stimmung in Mallorca

Auch nach dem Krieg kein Boom erwartet
Irak-Krieg drückt Stimmung in Mallorca

Mallorca-Urlauber können sich auf geruhsame Osterferien einstellen. An den Feiertagen werden sich nach den Prognosen der Experten deutlich weniger sonnenhungrige Touristen an den Stränden der spanischen Mittelmeerinsel drängeln als im Vorjahr. Und das vorige Jahr hatte in der Branche bereits als Krisenjahr gegolten.

HB/dpa PALMA DE MALLORCA/MADRID. Mallorcas Hoteliers erwarten für Ostern einen Rückgang der Urlauberzahl um 15 bis 20 Prozent, bei den Deutschen gar um bis zu 40 Prozent. Die Balearen-Regierung geht von einem Minus von knapp 5 Prozent aus. "Es herrschen Kriegszeiten, und da wollen die Leute einfach nicht verreisen", meint ein Sprecher des Hotelierverbandes. "Eigentlich kann man das Ostergeschäft schon abschreiben."

Viele Hotels bleiben wegen der Urlauberflaute ganz geschlossen und öffnen erst zum Mai oder Juni. Die Bediensteten wurden angehalten, schon jetzt ihre Urlaubstage für die Jahre 2003 und 2004 abzufeiern. Auch in anderen Feriengebieten Spaniens - wie an der Costa Brava oder der Costa del Sol - herrscht in der Reisebranche Krisenstimmung. Aber keine Region ist von der Flaute so stark betroffen wie Mallorca. Dies wird vor allem darauf zurückgeführt, dass die Balearen-Insel in besonderer Weise auf den deutschen Tourismus angewiesen ist und nun auch von der schlechten Wirtschaftslage in Deutschland in Mitleidenschaft gezogen wird.

Die Kalkulation, der Krieg im Irak könnte einen Tourismus-Boom auf Mallorca auslösen, scheint - wie schon beim Golfkrieg 1991 - nicht aufzugehen. Der Irak-Krieg und die asiatische Lungenentzündung halten viele Urlauber anscheinend davon ab, mit dem Flugzeug zu verreisen. "Wer in die Ferien fahren möchte, sucht nach Alternativen", sagt Manuel Molina, Vorsitzender eines Reisebüroverbandes. "Dieses Jahr wird das Jahr der Reisen mit dem Auto."

Der Rückgang der Urlauberzahl auf Mallorca bedeutet auch, dass viele Souvenirgeschäfte, Gaststätten oder Biergärten gar nicht erst öffnen. Damit gerät der Tourismus in einen Teufelskreis: Wo nichts los ist, bleiben im nächsten Jahr noch mehr Feriengäste weg. So tritt genau das ein, wogegen die Balearen-Regierung seit Jahren ankämpft: Mallorca verwaist in der Nebensaison, und das Geschäft mit den Urlaubern konzentriert sich wieder auf die Sommermonate Juli und August.

Dabei hatten die Behörden in Palma seit langem darauf hingearbeitet, die Hochsaison zu entzerren und den Zustrom der Touristen auf das ganze Jahr zu verteilen. Die Insel wollte nicht nur Badegäste anlocken, sondern auch Kongressbesucher oder Golfspieler. Aber in den Alternativbereichen sieht es finster aus. Nach Angaben der Wochenzeitung "Mallorca Magazin" sank die Zahl der Kongresse auf die Hälfte. Auch im Sport herrscht auf Mallorca eine "Golfkrise": Obwohl der Golfsport weltweit boomt, ging auf der Insel die Zahl der Golf-Touristen 2002 um zwölf Prozent zurück.

Auf Grund der Tourismus-Krise könnte etwas eintreten, was vor kurzem noch undenkbar erschien: Der "Ballermann" könnte sich bald nicht mehr "in deutscher Hand" befinden. Die Hotels rings um die berühmt-berüchtigte Strandbar wollen verstärkt um Urlauber aus Italien, Tschechien oder Russland werben. "Deutsche Schlager am Ballermann könnten bald der Vergangenheit angehören", schreibt die "Mallorca Zeitung". Dies dürfte allerdings wohl nur ein Teil der Mallorca-Fans bedauern.

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