Auch nach der Liberalisierung des Telefonmarkts beherrscht der Ex-Monopolist den Markt
Regierung unterstützt Telefónica-Konkurrenten

Der Wille, es der mächtigen Telefónica auf einem liberalisierten Markt mal so richtig zu zeigen, war groß: Mehr als einhundert Unternehmen bewarben sich für Lizenzen für das spanische Festnetz, als Ende 1998 die letzte große Hürde für den freien Wettbewerb fiel

MADRID. Heute herrscht Ernüchterung: Zwar sind die Tarife um 47 % gefallen, aber "der Markt hängt fest", meldete unlängst Wissenschafts- und Technologieminister Josep Piqué. Viele der als Telefónica-Konkurrenz angetretenen Unternehmen sind wieder vom Markt verschwunden. Nennenswerten Marktanteil hat kein Wettbewerber erlangt. Nach Angaben der Aufsichtsbehörde für Spaniens Telekommunikationsmarkt CMT (Comisión del Mercado de las Telecommunicaciones) dominiert Telefónica mit 87,5 % Marktanteil weiterhin das spanische Festnetz - eine Quote, von der andere Telekom-Anbieter in Europa nur träumen können. Der damit erzielte Umsatz liegt bei 5,1 Mrd. Euro - gut 40 % des Gesamtumsatzes. Der zweitgrößte Anbieter in Spanien, Auna mit seinen Großaktionären Santander Central Hispano (SCH) und Endesa, bringt es auf eine Marktquote von 4,1 %. Auch im Mobilfunk schaltet und waltet Telefónica mit großem Vorsprung: Der Marktanteil erreicht mehr als 60 %. Vodafone folgt mit rund 25 %.

Die neuen Anbieter geben erwartungsgemäß Telefónica die Schuld. Wiederholt hatten sie den Marktriesen des Preisdumpings beschuldigt. Kritik galt auch der Regierung und der CMT, die sich mehrmals gegen den Vorwurf verteidigen mussten, es mit ihren Beziehungen zu Telefónica-Präsident César Alierta zu gut zu meinen.

Piqué, bis zum Sommer Chefdiplomat im Madrider Kabinett, will die Sonderstellung von Telefónica nun offenbar beenden. Er rief die alternativen Anbieter sogar dazu auf, sich zusammenzuschließen: "Für mehr Konkurrenz ist es nicht nötig, dass es viele Unternehmen gibt, sondern dass die vorhandenen möglichst stark sind." Piqué kündigte zudem Maßnahmen an, die für mehr Wettbewerb sorgen sollen. So will die Regierung den Wechsel zu Telefónica-Konkurrenten erleichtern. Den neuen Bestimmungen zufolge muss Telefónica zum Beispiel vier Monate warten, bis ein Kunde, der zur Konkurrenz gewechselt ist, erneut umworben werden darf. Auf den Prüfstand kommen auch sämtliche Sonderangebote von Telefónica. Das Ziel der Regierung: eine vollständige Marktliberalisierung 2005. Dann plant Madrid die Freigabe der Telefontarife, die seit 75 Jahren von staatlichen Stellen bestimmt werden.

Über mögliche Zusammenschlüsse in der Branche wird in Spanien schon länger spekuliert. Jacobo Pascual, Chefanalyst bei Dresdner Kleinwort Wasserstein in Madrid, rechnet noch in diesem Jahr mit Veränderungen. Als erstes zeichnet sich die Fusion von Jazztel mit Uni2, der Tochter von France Telecom (FT), ab. Die Unternehmen haben Gespräche bestätigt. Jazztel-Gründer Martin Varsavsky bevorzugt als Radikallösung sogar den Zusammenschluss aller großen Gegenspieler, wie er in der Vergangenheit einmal verriet.

Die Telekombranche ist nicht die einzige Baustelle in den Madrider Liberalisierungsbemühungen, vom spanischen Wirtschaftsmagazin "Expansión" gar als "Fiasko" tituliert. Vor allem der Energie- und der Immobiliensektor steht in der Kritik. Bemängelt werden hohe Energiepreise aufgrund der Marktkonzentration. Endesa und Iberdrola kontrollieren weiter zwei Drittel des Markts. Auch mit dem Nachbarn geht es nicht voran: Der für 2003 geplante gemeinsame Energiemarkt mit Portugal wurde vergangene Woche auf 2006 verschoben.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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