Auch Nazis beteiligt
Hintergrund: Rechte Tendenzen in der FDP

Gemeinsamer Nenner der FDP ist die Marktwirtschaft. Über die Ausrichtung der Partei auf anderen Gebieten wurde seit der Gründung im Jahr 1948 immer wieder gestritten. In dem einem Lager standen national gefärbte Liberale, im anderen Bürgerrechtsliberale. Gerade der heute wegen der Antisemitismus-Debatte ins Blickfeld gerückte NRW-Landesverband begriff sich früher als nationales Sammelbecken "freiheitlicher" Kräfte.

dpa HAMBURG. Einer der jüngsten Versuche, die FDP in rechtes Fahrwasser zu bringen, betraf 1997 die hessische FDP: Die "Liberale Offensive", mit der der Landtagsabgeordnete Heiner Kappel Republikaner-Wähler "zurückholen" wollte, wurde jedoch rasch von Parteichefin Ruth Wagner gestoppt.

Mitte der 90er Jahre war in Berlin ein Rechtsruck gescheitert; Symbolfigur der "neuen Rechten" war der frühere Generalbundesanwalt Alexander von Stahl, der besonders für eine Stärkung der Inneren Sicherheit eintrat. In den 80er Jahren blieb auch eine gezielte Eintrittswelle von "rechten" Maklern, Malern und Lackierern in den traditionell bürgerlich-liberalen Hamburger Landesverband ohne nachhaltige Wirkung.

In der FDP von Nordrhein-Westfalen, dem größten Landesverband, hatten Nationalliberale bereits in früheren Jahrzehnten viel Rückhalt. So machte die Partei unter der Führung von Friedrich Middelhauve (1947-56) gleichermaßen Front gegen die "klerikale" CDU wie die "marxistische" SPD. Der Richtungsstreit mit den eher bürgerlich-liberalen Verbänden im Südwesten Deutschlands eskalierte 1952 auf dem Parteitag in Bad Ems. Dort legte Middelhauve ein "Deutsches Programm" vor, das darauf zielte, rechtsextremen Parteien das Wasser abzugraben. Zur Integration aufgeforderte Ex-Nationalsozialisten besetzten nach und nach Posten in der NRW-FDP.

Zu den Autoren des Programms gehörte auch Werner Naumann, Referent Middelhauves und letzter Staatssekretär von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels. Wenige Monate vor der Bundestagswahl 1953 wurde Naumann unter dem nicht abschließend geklärten Verdacht nazistischer Umtriebe verhaftet. Die Schwächung der Nationalliberalen durch die Naumann-Affäre begünstigte den Aufstieg der Pragmatiker um Walter Scheel, Willi Weyer und Wolfgang Döring.

NRW war auch eine wichtige Basis der National-Liberalen Aktion (NLA), einer Abspaltung um den Bundestagsabgeordneten Siegfried Zoglmann. Die später in Deutsche Union umbenannte Gruppe verstand sich als "patriotische Mitte" und wehrte sich 1969 heftig gegen die Bonner Koalition der Liberalen mit der SPD.

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