Auch Nissan und GM wollen Reifenzulieferer wechseln
Ford und Firestone kämpfen um ihre Reputation

Die Scheidung ist vollzogen, jetzt beginnt der Streit um den guten Ruf. Der US-Autohersteller Ford und der Reifenproduzent Firestone überziehen sich mit Schuldzuweisungen für zahlreiche Unfälle des Geländewagens Ford Explorer. Die Konkurrenten reiben sich die Hände.

tor NEW YORK. Die Schlammschlacht zwischen dem US-Autobauer Ford Motor Co. und dem zum japanischen Bridgestone-Konzern gehörenden Reifenproduzenten Firestone zeigt erste Wirkungen. Die Fahrzeughersteller General Motors Corp. und Nissan Motor Co. Ltd. wollen künftig bei einigen Modellen keine Firestone-Reifen mehr einsetzen. In Venezuela versuchen unterdessen Verbraucherschützer, den Verkauf des Ford Explorer zu stoppen.

Ausgelöst wurde der Streit durch zahlreiche Unfälle des Ford Explorers - nach Angaben des Autoherstellers der meist verkaufte Geländewagen der Welt. Ford macht für die Unfälle Reifendefekte verantwortlich; Firestone kontert mit der Behauptung, der Explorer habe "Stabilitätsprobleme". Der Autohersteller aus Dearborn/Michigan kündigte in dieser Woche an, 13 Millionen Firestone-Reifen auszutauschen. Die Kosten dafür betragen rund 3 Mrd. $. Firestone reagierte mit dem Abbruch der Geschäftsbeziehungen zu Ford in den USA.

Seitdem tobt zwischen den beiden Firmen ein erbitterter Kampf um die Gunst der öffentlichen Meinung. Ford und Firestone versuchen, ihre Schuldzuweisungen mit Sicherheitsuntersuchungen zu stützen. In der nächsten Woche wird sich der US-Kongress in einer Anhörung mit dem Thema beschäftigen.

Lachende Dritte könnten die Konkurrenten von Firestone sein. So haben bereits die Reifenhersteller Continental AG, Goodyear Tire & Rubber Co. und Michelin Gespräche mit Ford begonnen, um die Firestone-Reifen zu ersetzen. Analysten bezweifeln allerdings, dass die deutsche Conti langfristig von dem Ausfall profitieren wird. Die Marken Michelin und Goodyear seien in den USA bekannter und deshalb im Vorteil.

Aber auch Ford wird nicht ungeschoren davon kommen. Nach Einschätzung von Autoanalyst John Casesa von der Investmentbank Merrill Lynch trifft der Reifenstreit Ford zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Autokäufer in den USA hielten sich zurück, und die Konkurrenten aus Europa und Asien nähmen den US-Herstellern Marktanteile ab. Zudem musste Ford sein Aktienrückkaufprogramm stoppen, um die Sonderaufwendungen für die neuerliche Rückrufaktion im 2. Quartal bewältigen zu können. An der Börse verlor Ford in den vergangenen fünf Tagen rund 8 % seines Wertes.

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