Auch Österreich hat Sicherheitsbedenken
Parteiübergreifende Kritik an Atomkraftwerk Temelin

adx BERLIN/MÜNCHEN. Politiker von Grünen, CSU und SPD kritisieren die Inbetriebnahme des tschechischen Kernkraftwerks Temelin. Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) bezeichnete die Aktivierung am Dienstag als "sicherheitstechnisch bedenklich" und "energiepolitisch verfehlt". Wichtige Sicherheitsfragen seien nach Auffassung deutscher Experten nicht abschließend geklärt, sagte Trittin in Berlin.

Auch energiepolitisch und wirtschaftlich hält Trittin das Atomkraftwerk für fragwürdig. Es trage nicht dazu bei, eine zukunftsfähige umwelt- und klimafreundliche Energieversorgung in Tschechien aufzubauen. Die Bundesregierung werde trotz der Enttäuschung über die Inbetriebnahme im Rahmen ihrer bilateralen Zusammenarbeit alles daran setzen, dass die nukleare Sicherheit in den mittel- und osteuropäischen Ländern und in der EU nachhaltig verbessert werde.

Auch Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) verurteilte den Betrieb des Kernkraftwerks in Tschechien. Es sei "unverantwortlich", das Werk unabhängig von Sicherheitsbedenken hochzufahren. Stoiber kritisierte, er vermisse in diesem Zusammenhang ein stärkeres Vorgehen von Trittin und der Bundesregierung.

Bayerns SPD-Fraktionschef Franz Maget forderte die bayerische Staatsregierung in Zusammenhang mit Temelin dazu auf, Druck auf den Energieversorger Eon auszuüben. Er schlug vor, die Verträge der öffentlichen Hand als Stromabnehmer zu überdenken, falls Eon nicht auf die Abnahme der Energie aus dem tschechischen Atomkraftwerk verzichte. Eon ist nach Angaben Magets künftiger Hauptabnehmer des Temelin-Stroms. Das Unternehmen könne einen so wichtigen Abnehmer wie Bayern nicht ignorieren, betonte Maget.

Das tschechische Kernkraftwerk Temelin hatte am späten Montagabend den Probebetrieb aufgenommen. Gegen die Inbetriebnahme wurden insbesondere von Österreich und von deutschen Experten Sicherheitsbedenken geltend gemacht worden. Das Prager Staatliche Amt für nukleare Sicherheit hatte jedoch nach Prüfung der Unterlagen und Testergebnisse keine Gründe für Beanstandungen erkennen können und die Genehmigung für die Aktivierung des Brennstoffs gegeben.

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