Auch private Handelscenter litten unter Börsentief
Interesse an Day-Trading gestiegen

Hunderttausende deutscher Hobby-Börsianer sitzen auf Bergen "verbrannten" Geldes. Die meisten haben im Aktienrausch viel riskiert und eine Menge verloren. Auch vielen Day-Tradern, die sich in Boomzeiten leichtsinnig auf das rasante Tagesgeschäft der Profis eingelassen hatten, ging bald finanziell die Luft aus.

ap HAMBURG/BERLIN. Die gesamte Branche mit dem direkten Draht aufs Börsenparkett musste Federn lassen. Aber es gab auch genug geübte Tagesspekulanten, die an den fallenden Kursen kräftig verdienten. Jetzt steigen die Kurse wieder und damit auch das Interesse an der Welt des schnellen Börsenhandels in eigener Sache.

"Wer sich jetzt fürs Day-Trading interessiert, weiß, dass das nichts mit Las Vegas und Zockerei zu tun hat", betont Raban Woryna, Sprecher der privaten Börsenhandelsfirma "Actior" mit Hauptsitz in Hamburg. Deren Neukundengeschäft schwillt zur Zeit wieder an. Der Durchhänger der vergangenen Monate scheint vorbei zu sein, verarmte Glücksritter lecken woanders ihre Wunden. "So mancher hat gesehen, dass es erfolgreichen Day-Tradern mit guter Ausrüstung gelungen ist, aus der harten Zeit eher noch zu profitieren und Bestände abzusichern", meint Woryna.

In den 16 Actior-Filialen bundesweit und vielen anderen Centern wollen Mutige neuerdings wieder von der Pike auf lernen, wie man innerhalb von Sekunden mit Wertpapieren handelt, aus kurzfristigen Marktschwankungen möglichst Profit zieht.

Mit dem konventionellen Aktien-Kauf und Verkauf, wie es Direktbanken wie Consors oder Comdirect via Internet anbieten, hat das Turbogeschäft der Day-Trader nichts zu tun. Worum es geht, sind vielmehr Optionsscheine und Futures, also eine Art Wetten auf die Entwicklung bestimmter Märkte und Termingeschäfte. Längerfristige Anlagen interessieren nicht.

Verstärkte Nachfrage nach Schulungen

"Keine Position bleibt über Nacht liegen", betont Rafael Müller vom Berliner Konkurrenzunternehmen "Trading-house.net", das 1998 als erster Anbieter dieser schnellen Börsenspielart auf den deutschen Markt kam. Vielleicht blieben auch deshalb so viele routinierte Day-Trader in harten Zeiten am Ball. "Geht der Markt immer weiter runter, muss man nichts aussitzen. Da ist das Geschäft schon lange gelaufen, erfolgreich oder verlustreich", meint Müller lapidar. Schon seit Mai spüren auch die Berliner Pioniere wieder eine verstärkte Nachfrage nach ihren Profi-Schulungen und Trockenübungen mit Simulationsprogrammen.

Während der Crash-Monate zog sich Trading-house.net aus so mancher Niederlassung vor Ort zurück. Jetzt hat die Firma die Kundschaft zu Hause am eigenen Computer noch stärker im Visier. Weil die Mehrzahl der Privat-Börsianer nach der Einweisungszeit daheim weiter spekuliert, muss ihre Software stimmen. Nur sie macht es möglich, wie ein Bankprofi internationale Käufe und Verkäufe innerhalb von Sekunden per Mausklick preisgünstig abzuwickeln - und Day-Trading überhaupt attraktiv.

Richtlinie des Bundesaufsichtsamts für Wertpapierhandel

"Als der Neue Markt so stark fiel, spürten wir schon einen deutlichen Rückgang des Interesses", gibt Müller offen zu. Jetzt zeigten sich allerdings die Vorteile des "Knicks". "Day-Trading ist salonfähiger geworden, die Leute halten das Geschäft für weniger anrüchig als früher", betont der gelernte Börsenhändler. Und auch Mitbewerber Woryna zeigt sich erleichtert, dass ausgerechnet die breite Masse der Laien-Börsianer nach dem Crash als Spielernatur da steht und nicht die als Zocker verrufenen Day-Trader. Doch die Profis aus der Branche wissen selbst am besten, dass genügend Glücksritter mit dem Traum vom schnellen Geld sofort wieder parat stehen, wenn die Märkte nachhaltig anspringen.

Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) hat im Übrigen im April dieses Jahres eine Richtlinie erlassen, wonach Wertpapierdienstleistungsunternehmen Kunden besser über die Risiken des Day-Trading informieren müssen. Zum Beispiel müssen sie darauf hinweisen, dass Anleger unter Umständen ihr gesamtes Kapital verlieren können. Hintergrund: Dem Kunden, der systematisch taggleiche Geschäfte macht, soll klar sein, welche Risiken er dabei eingeht.

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