Auch PWC und KPMG im Visier der Kontrolleure
Scharfe Kritik der Finanzaufsicht an den Wirtschaftsprüfern

Der von dem Hannoveraner Wirtschaftsprüfer Achim Walther erhobene Vorwurf gegen BDO, die Ergebnisse einer 1997 erfolgten Sonderprüfung der Immobilienrisiken der Bankgesellschaft Berlin nicht ausreichend gewürdigt zu haben, wird von der Bankenaufsicht offenbar geteilt.

BERLIN. In der Affäre um die angeschlagene Bankgesellschaft Berlin (BGB) geraten die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften - vor allem die BDO Deutsche Warentreuhand - weiter unter Druck. Die bedenklichen Prüfungspraktiken der BDO innerhalb des BGB-Konzerns wurden dem Berliner Untersuchungsausschuss am 21. Juni 2002 von einer führenden Mitarbeiterin der Finanzaufsichtsbehörde BAFin geschildert. Damals hatte sich Carmen Kobinger-Windpassinger in nichtöffentlicher Sitzung auch zu den Vorgängen innerhalb der BGB-Immobilientochter IBG geäußert.

Die Expertin des BAFin konstatierte nach Angaben von Ausschussmitgliedern, dass eine von der Aufsichtsbehörde im Jahr 1997 angeordnete Sonderprüfung der IBG durch die Fides Treuhandgesellschaft auf erhebliche Schwierigkeiten gestoßen sei. Die Prüfer hätten bezweifelt, dass die Rückstellungen der IBG für Mietgarantien und Andienungsrechte ausreichend gewesen seien. Gleichzeitig hätten sie es nicht geschafft, die Immobilienrisiken des Unternehmens genau zu beziffern, "weil niemand in der Lage war, die Marktentwicklung über 25 Jahre vernünftig einzuschätzen".

Dies hatte der jetzt in die Schlagzeilen geratene Wirtschaftsprüfer Achim Walther ebenfalls im Jahr 1997 festgestellt. Walther hatte damals richtig vorausgesagt, dass die eingegangenen Risiken die Existenz der IBG gefährden könnten.

Im Jahr 1999, so soll Kobinger-Windpassinger dem Ausschuss berichtet haben, habe das damalige BAKred (heute BAFin) bei einem Gespräch mit dem damaligen BGB-Chef Wolfgang Rupf unter Verweis auf den kritischen Fides-Sonderprüfungsbericht verlangt, die Strukturen im Konzern so zu ändern, "dass den Problemen besonders in der IBG" nachgegangen werde.

Das BAKred, beunruhigt durch die unüberschaubare Lage der IBG und ihrer Fondsgeschäfte, beauftragte im Jahr 1999 erneut eine Sonderprüfung. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Fasselt-Mette & Partner sollte die Risiken der IBG feststellen. Als dieser Bericht Anfang 2000 fertig gestellt wurde, kam es zu heftigen Auseinandersetzungen. Das BAKred setzte nach Angaben Kobinger-Windpassingers durch, dass sich die Höhe der Risikovorsorge an den neuen Erkenntnissen der Sonderprüfer orientierte.

Darüber hätten sich BDO Deutsche Warentreuhand und die Sonderprüfer gestritten, "weil die BDO die Feststellungen unseres Sonderprüfers nicht anerkennen wollte". Es sei dann auch die BDO kritisiert worden, weil sie "die Jahresabschlüsse der IBG testiert hat und im Prinzip auch dafür zuständig war, das passende Risiko-Controlling bei der IBG zu prüfen, was sie offensichtlich nicht getan hat". Gleichzeitig seien die IBG-Geschäftsführer lange Zeit nicht bereit gewesen, eine Vollständigkeitserklärung (eine Erklärung darüber, dass sie alle für das Geschäft wesentlichen Unterlagen vorgelegt haben) abzugeben.

Vernichtend bewertete Kobinger-Windpassinger die Praxis der IBG, Gebühren für Miet- und diverse weitere Garantien, die sich über 25 Jahre erstreckten, sofort voll zu vereinnahmen. Immer wieder haben Experten darauf hingewiesen, dass - entsprechend der Garantielaufzeit - pro Jahr nur 1/25tel der Gebühren hätte vereinnahmt werden dürfen.

Auch die Berliner Staatsanwaltschaft hatte Mitte vergangenen Jahres in einem vertraulichen Bericht betont, dass die sofortige volle Vereinnahmung der Gebühren sowohl 1997 von Sonderprüfern der Fides Treuhandgesellschaft als auch im Jahr 2000 ebenfalls vom BAKred beauftragten Sonderprüfern der Fasselt-Mette & Partner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft als unzulässig angesehen wurde.

Dennoch halte die IBG, so die damalige Feststellung der Staatsanwälte, an der Sofortvereinnahmung fest. Das Urteil der Bankenaufsichtsbehörde ist eindeutig: Insgesamt, so erklärte Kobinger-Windpassinger dem Untersuchungsausschuss im Juni, sei die Aufsicht zu dem Ergebnis gekommen, dass die Bilanzierungsmethode, die die IBG verwendet habe und die von der BDO als zulässig testiert worden sei, "eben nicht zulässig" gewesen. Auch dies hatte der Hannoveraner Sonderprüfer Walther bereits 1997 festgestellt und in seinem damaligen Berichtsentwurf warnend vermerkt.

Nach Angaben der BAFin-Expertin sei die BGB-Immobilientochter IBG unter anderem auch dadurch aufgefallen, dass sie Zusagen über die Einführung eines Controllings nicht einhielt. Kobinger-Windpassinger vermutete, dass die Bankgesellschaft auf entsprechende Veränderungen gedrängt habe. Das Problem habe bei der IBG gelegen "und bei der BDO, weil die BDO die Kontrolle nicht richtig ausgeführt hat".

Überraschend waren die Probleme mit der BDO Deutsche Warentreuhand für Kobinger-Windpassinger nicht. Das Aufsichtsamt habe die BDO schon geraume Zeit im Blick. Auch in anderen Fällen habe es schon "mangelhafte Prüfungsleistungen" der BDO gegeben. Darum erteile das BAFin der BDO keine Sonderprüfungsaufträge mehr.

Doch auch andere Prüfungsgesellschaften hatten offenbar nicht zur Zufriedenheit des BAKred gearbeitet. Deren Leistungen würden deshalb überprüft, erklärte Kobinger-Windpassinger dem Untersuchungsausschuss. Dieser allgemeine Hinweis war wenig überraschend. Denn in einem Schreiben an die KPMG Deutsche Treuhandgesellschaft AG hatte das Aufsichtsamt die Jahresabschlusstestate 1998 und 1999 der KMPG für die zum BGB-Konzern gehörende Berliner Landesbank kritisiert.

Die Prüfer hätten der Landesbank bescheinigt, sämtlichen Risiken im Kreditgeschäft ausreichend Rechnung getragen zu haben. Tatsächlich sei aber im Jahr 2000 eine erheblich höhere Risikovorsorge notwendig geworden. Ursache seien strukturelle Mängel gewesen, so das BAKred. Die von der KPMG erarbeiteten Prüfungsberichte hätten den aufsichtsrechtlichen Regelungen "nicht in vollem Umfang" genügt.

Noch schärfer warnte Carmen Kobinger-Windpassinger für die Aufsichtsbehörde das Wirtschaftsprüfungsunternehmen PWC Deutsche Revision AG. In einem Schreiben vom 15. November 2001 konstatierte sie, dass die Prüfer des Gesamtkonzerns BGB "zu den erheblichen strukturellen Mängeln im Risikomanagement nicht oder nicht ausreichend Stellung genommen hätten. Daher entsprachen die früher geprüften Einzel- und Konzernabschlüsse "nicht den aufsichtsrechtlichen Anforderungen".

Zum Hintergrund dieses Briefes gehörte die Feststellung des damaligen BAKred, dass die BGB-Immobilientochter IBG bis in das Jahr 2000 hinein kein ausreichendes Risikomanagement besessen habe. Dies sei um so gravierender gewesen, schrieb Kobinger-Windpassinger an PWC Deutsche Revision AG, als die von der IBG in den Jahren 1998 und 1999 angehäuften Risiken geeignet seien, "den Fortbestand des Konzerns Bankgesellschaft Berlin zu gefährden". Ein Umstand, den weder PwC noch die für die IBG zuständigen BDO-Prüfer in ihren jeweiligen Testaten erwähnt hatten.

Dem Untersuchungsausschuss erläuterte Kobinger-Windpassinger, PWC Deutsche Revision und KPMG hätten vom BAKred im Grunde (die oben genannten) "Abmahnungsschreiben" erhalten. Sie hätten Zustände als in Ordnung testiert, die schlicht nicht in Ordnung gewesen seien.

Quelle: Handelsblatt

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