Auch Renten gehören in jedes Depot: Experten setzen weiter mehr auf Aktien

Auch Renten gehören in jedes Depot
Experten setzen weiter mehr auf Aktien

Mit Anleihen war man in den vergangenen beiden Jahren nicht nur auf der sicheren, sondern auch auf der lukrativen Seite. Und auch in den ersten Wochen des Jahres zeigten die Märkte für Staats- und Unternehmensanleihen Stärke.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Enttäuschungen über die Konjunkturerwartungen nutzten die Investoren meist schnell für Anleihekäufe. Allerdings sind Experten etwas skeptisch, wie es an den Rentenmärkten weitergeht.

Anlegern stellt sich damit die Frage, ob es nicht an der Zeit ist, ihre Mittel umzuschichten. Doch auch die Empfehlungen der Analysten sind nicht einheitlich. Wolfgang Sawatzki, Leiter der Primäranalyse bei Sal. Oppenheim, erwartet: "Im laufenden Jahr kann man mit Aktien mehr verdienen". Erstmals seit mehreren Jahren könne der Anleger am Aktienmarkt wieder ein positives Ergebnis erzielen, "das über dem der Rentenmärkte liegen wird".

Peter Knacke, Wertpapierstratege für Privatkunden bei der Commerzbank, ist ähnlicher Meinung: "Renten haben ihre Tops gesehen". Zwar gehörten auch Anleihen in jedes gute Depot, doch Anleger sollten langsam daran denken, den Aktienanteil zu erhöhen und die Rentenquote zu senken.

"Die Zeit nicht mehr für Aktien zu sein, liegt hinter uns", erklärt auch Thomas Schießle, der bei Delbrück Asset Management das Research leitet. Er schränkt jedoch ein, dass Anleger am Aktienmarkt "kleinere Brötchen backen müssen" - und auch die seien mit Risiken behaftet. Zwar sei es Mehrheitsmeinung, dass Aktien in diesem Jahr besser als Anleihen abschneiden, doch: "Es kommt nicht immer so wie der Mainstream denkt."

Manfred Köberlein, Fondsexperte bei Ampega, der Fondsgesellschaft des Versicherungskonzerns HDI, ist ebenfalls etwas vorsichtiger und empfiehlt in einem gemischten Depot, den Aktienanteil gegenüber dem Rentenanteil frühestens im zweiten Quartal auf bis zu 60 % zu erhöhen. Im zweiten Halbjahr könnten die Börsenkurse vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden wirtschaftlichen Erholung anziehen - allerdings nur moderat.

Sawatzki von Sal. Oppenheim prognostiziert für den Deutschen Aktienindex (Dax) zum Jahresende einen Stand von 5 700 Punkten, Stoxx 50 und Euro-Stoxx sieht er bei 4 100 bzw. 4 200 Punkten. An den Rentenmärkten erwartet er eine Seitwärtsbewegung oder einen leichten Anstieg der Zinsen. Dies bedeute für Anleger, dass sie "quasi den Kupon verdienen können". Seine Performance-Erwartungen liegen bei 5 bis 6 %.

Sal. Oppenheim geht davon aus, dass die Aufwärtsbewegung in der Weltkonjunktur im zweiten Quartal 2002 sichtbar wird. Darauf gründet die Einschätzung, dass der Aktienmarkt sich besser als der Geld- und der Rentenmarkt entwickeln wird. Andere Experten rechnen erst später mit einer Konjunkturerholung. Dabei ist strittig, wie stark die Wirtschaft in den USA und Europa anziehen wird. So findet Thomas Köbel, Finanzanalyst der SEB, dass beispielsweise die Ausblicke führender Unternehmen in den USA nicht gerade von Überschwang gekennzeichnet sind.

Am Aktienmarkt rät Sawatzki, Anlegern "auf bestimmte Themen zu setzen", beispielsweise auf eine Konsoldierung der Airlines oder eine Normalisierung des Reise-/Urlaubsverkehrs. Knacke favorisiert zunächst Telekom und Technologieaktien, denn die auch zu Anfang dieses Jahres weiter gebeutelten Titel sollten von einer Konjunkturerholung überproportional profitieren. Tina Koch, Portfoliostrategin bei der SEB, bevorzugt dagegen eher defensive Sektoren wie Lebensmittel oder Pharma. Generell ist sie vorsichtig: "An den Aktienmärkten besteht noch kein Grund zur Euphorie" Die Rally seit dem 21. September sei vor allem liquiditätsgetrieben und fundamental nicht gerechtfertigt. Die SEB empfiehlt Anlegern daher generell weiter auf "eine ausreichende Liquiditätsquote" zu achten und nicht alles zu investieren.

Bei Anleihen setzen Strategen vor allem auf Unternehmensbonds, die "einen Mehrwert gegenüber Staatsanleihen und Pfandbriefen erzielen", wie Köberlein von Ampega sagt. Dabei empfehlen die meisten großen Investmentbanken vor allem Anleihen von Telekomkonzernen sowie von Produzenten zyklischer Konsumgüter.

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