Auch Reparaturen billiger
Mehr Wettbewerb beim Autohandel

Die EU-Kommissare wollen für die Europäer die Autos billiger machen. Am Mittwoch kündigten sie eine deutliche Liberalisierung des Autohandels an. Die umstrittene Neuregelung für den Autovertrieb in der Europäischen Union wird bereits zum 1. Oktober 2002 in Kraft treten.

Die Verordnung hebt unter anderem die strikte Markenbindung der Autohändler auf. Sie dürfen künftig Fahrzeuge verschiedener Hersteller in einem Verkaufsraum anbieten. Auch der grenzüberschreitende Handel mit Neuwagen soll erleichtert werden. Nach einer Übergangszeit können sich Händler europaweit niederlassen. Bisherige Gebiets- und Landesgrenzen fallen dann weg. So könnten etwa dänische Autohändler künftig in Deutschland Filialen eröffnen und dort die gleichen Autos wesentlich billiger als die Autohäuser vor Ort anbieten.

Bitter für die deutschen Händler. Deren Preise liegen deutlich über denen ihrer europäischen Kollegen. Da verwundert es nicht, dass sich bei Bundesregierung und Automobilbranche Widerstand regt. Die deutschen Verbraucher können sich nach Einschätzung des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen dagegen über sinkende Neuwagenpreise freuen.

Niedrigere Preise für Reparaturen

Auch die Reparaturkosten sollen nach dem Willen der EU-Kommissare zurückgehen. Hierfür soll das Ende des Vertragswerkstätten-Monopols sorgen. Konnte sich ein Automobilproduzent bisher seine Vertragswerkstätten selbst aussuchen, wird er ab Oktober 2003 jeden Reparaturbetrieb akzeptieren müssen, der die vom Hersteller festgelegten Qualitätsmerkmale erfüllt.

Und bei Reparaturen kann massiv gespart werden: Die Betriebe sind nach der neuen Verordnung nämlich nicht mehr gezwungen sind, die stark überteuerten Ersatzteile vom Fahrzeughersteller zu kaufen. Statt dessen können sie künftig ihren Bedarf dort decken, wo ihnen qualitätsgleiche günstigere Teile angeboten werden. Der Garantieschutz für einen Wagen geht dem Autobesitzer trotzdem nicht verloren. Denn "Klauseln, mit denen ein Automobilhersteller verhindern will, dass Werkstätten Ersatzteile aus anderen Quellen beziehen, oder die das Recht zugelassener Werkstätten zur Verwendung qualitativ gleichwertiger Ersatzteile einschränken sollen, sind nicht zulässig", heißt es im Kommentar der Kommission. Außerdem müsse allen Werkstätten der Zugang zu den Reparaturdaten ermöglicht werden.

Freie Werkstätten könnten danach in Zukunft grundsätzlich jedes Fahrzeug reparieren. In der Praxis werde dies aber möglicherweise daran scheitern, dass sich die Anschaffung kostspieliger Diagnosegeräte und Spezialwerkzeuge für kleine Werkstätten nicht lohnt, erläutert der ADAC. Der Automobil-Club fordert daher eine Vereinheitlichung der Diagnose-Standards.

Verbraucherschützer: "Längst überfälliger Schritt"

Nach Ansicht von Jürgen Schröder, Jurist bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, war der Schritt der EU-Kommission mehr als überfällig. "Es ist überhaupt nicht einzusehen, warum die Automobilhersteller bislang gegenüber anderen Branchen privilegiert behandelt werden." Ausgerechnet vor dem teueren Produkt Auto, wo sich der Binnenmarkt für die Verbraucher besonders lohnen würde, habe die Liberalisierung bisher Halt gemacht.

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