Auch Siemens wiegelt ab
Worldcom: Die Risiken der Partner

Deutsche Geschäftspartner, Kreditgeber und Versicherer des US-Telekomkonzerns Worldcom halten ihr eigenes Risiko aus den aufgedeckten milliardenschweren Bilanzfehlern in dessen Bilanz überwiegend für begrenzt. Auch die Siemens-Sparte ICN sei durch WorldCom nicht signifikant betroffen, sagte ein Siemens-Sprecher.

Reuters/ vwd FRANKFURT. Selbst der Münchener Elektronikkonzern Siemens, für dessen Netzwerksparte Worldcom nach Angaben Londoner Analysten immerhin einer der drei größten Kunden ist, erwartet keine gravierenden Auswirkungen. Die Siemens-Sparte ICN sei durch Worldcom nicht signifikant betroffen, sagte ein Siemens-Sprecher am Mittwoch in München. Nähere Angaben machte er nicht.

Auch der Finanzkonzern Allianz, zu dem die Dresdner Bank gehört, scheint weit weniger betroffen als etwa sein niederländischer Konkurrent Aegon. "Das Engagement der Allianz gegenüber Worldcom ist deutlich geringer als die 200 Millionen Dollar von Aegon", hieß es in Branchenkreisen. Der Amsterdamer Versicherer hatte sein Engagement auf 200 Mill. $ beziffert.

Der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück steht nach eigenen Angaben bei Worldcom in einer Größenordnung von 80 Mil. ? in Anleihen und Aktien im Feuer. Gemessen an den rund 160 Mrd. ? Kapitalanlagen der Rück im Jahr 2001 sei dies aber gerade mal ein Anteil von etwa 0,5 Promille, beschwichtigte ein Sprecher. Auf die Frage, ob die bei Worldcom aufgetauchten Bilanzfehler und der damit verbundene drastische Kurseinbruch Auswirkungen auf den Gewinn des Rückversicherers haben könnten, sagte er: "Wie das bilanz- oder ergebniswirksam wird, hängt von der weiteren Entwicklung der Anleihen und Aktien von Worldcom ab."

Die am Dienstag nach US-Börsenschluss bekannt gegebenen Fehlbuchungen bei Worldcom schickten die Aktienmärkte am Mittwoch weltweit auf Talfahrt. Der Finanzchef von Worldcom, der inzwischen entlassen wurde, habe den Cash-flow des Konzerns um 3,8 Mrd. $ zu hoch dargestellt, gestand Worldcom ein. Statt Gewinnen hätten für das Jahr 2001 und das erste Quartal 2002 offenbar Verluste ausgewiesen werden müssen. Die Bilanzen sollen nun korrigiert werden. Ferner sollen rund 17 000 oder rund ein Fünftel der Arbeitsplätze im Konzern wegfallen.

Nach Angaben von Analysten ist Worldcom bei bis zu 60 Banken weltweit verschuldet. Zu den größten Gläubigern gehörten die US- Institute Citigroup und JP Morgan Chase. Beide wollten sich bislang nicht dazu äußern. Die niederländische Bank ABN Amro erklärte, sie müsste bei einer Insolvenz von Worldcom bis zu 100 Millionen Euro abschreiben.

Bei deutschen Großbanken steht Worldcom nach bisherigen Erkenntnissen kaum in den Büchern. Die Commerzbank teilte mit, ihr Engagement sei gleich Null. Die Münchener HypoVereinsbank ist nach eigenen Angaben mit weniger als 10 Mill. ? bei Worldcom engagiert. Die Norddeutsche Landesbank (NordLB) bezifferte ihr Risiko auf "das untere Drittel eines zweistelligen Millionen-Dollar-Betrags", wie ein Sprecher auf Anfrage sagte. Die Bayerische Landesbank, die bereits durch die Insolvenz der Kirch-Gruppe stark belastet ist, wollte keine Stellung nehmen. Von der Deutschen Bank gab es zunächst keine Angaben dazu.

Das Engagement der J.P. Morgan Chase & Co, New York, bei der Worldcom Inc, Clinton, ist nach Angaben der US-Bank vom Mittwoch "sehr gering". Ein Sprecher des Unternehmens sagte, das Engagement bei dem Telekomkonzern werde sich nicht deutlich auf die Ergebnisse auswirken. Genauere Angaben zur Höhe der Verbindlichkeiten von Worldcom bei J.P. Morgan machte der Sprecher nicht. Nach Ansicht von Beobachtern gehören J.P. Morgan Chase, die Citigroup Inc, New York, und die Bank of America zu den größten Gläubigern von Worldcom. Die beiden weiteren Banken nahmen jedoch keine Stellung zur Höhe ihres Engagements.

Die Assicurazioni Generali SpA, Triest, ist bei der in einen Bilanzskandal verwickelten Worldcom Inc mit einer Summe von 40 Mill. ? engagiert. Der drittgrößte europäische Versicherer teilte am Mittwoch mit, bei dem überwiegenden Teil davon handele es sich um Anleihen des US-Telekomunternehmens. Die Muttergesellschaft der Versicherungsgruppe sei nicht bei Worldcom engagiert. Die Banca Intesa Banca Commerciale Italiana SpA (Intesa), Mailand, hat ihr Engagement bei der in einen Bilanzskandal verwickelten Worldcom Inc mit rund 160 Mill. $ angegeben. An dem syndizierten Kredit im Volumen von 2,6 Mrd. $ sei Intesa mit 150 Mill. $ beteiligt, teilte die größte italienische Bank am Mittwoch mit. Weiter halte Bank of Worldcom-Anleihen von 11 Mill. $.

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