Auch skeptische Stimmen von Analysten
Dell hebt Prognosen an

Der weltgrößte Computerhersteller Dell hat seine Gewinn- und Umsatzschätzungen für das laufende Geschäftsquartal erhöht. Als Grund nannte Dell am Freitag den gestiegenen Marktanteil und das starke Privatkundengeschäft im vierten Quartal, das am 1. Februar endet. Von analystenseite gab es dazu aber auch skeptische Stimmen.

rtr/vwd AUSTIN. Der Gewinn werde je Aktie mit voraussichtlich 0,17 Dollar um einen Cent höher liegen als bislang geplant. Analysten zufolge bringt Dells Ankündigung aber wenig Schub für die gesamte Branche. "Sie haben einfach ein großartiges Geschäftsmodell. Ich denke nicht, dass das notwendigerweise etwas über die gesamte Branche aussagt," sagte Tim Ghriskey von Ghriskey Capital Partners.

Analysten erwarteten für Dell in diesem Quartal bislang 0,16 Dollar Gewinn je Anteilsschein. Den Quartalsumsatz prognostiziert Dell nun bei rund acht Mrd. Dollar nach zuvor erwarteten 7,6 Mrd. Dollar. Dells besserer Ausblick kommt kurz nachdem auch der Konkurrent Compaq bessere Ergebnisse als erwartet mitgeteilt hatte. Compaq stützte sich aber wesentlich auf die Erträge durch Hochleistungsrechner, während die PC-Sparte weiter Verlust schrieb.

Mit einer aggressiven Preisstrategie konnte Dell im vergangenen Jahr Compaq an der Spitze der Computerbauer ablösen. Zurzeit arbeitet Compaq an einer Fusion mit dem Mitbewerber Hewlett-Packard. Nach Einschätzung von Branchenkennern profitiert Dell vor allem von seinem Direktvertrieb über Telefon und Internet sowie von der Fertigung auf Bestellung. Dadurch könne der Konzern seine Lagerbestände vergleichsweise niedrig halten. "Sie produzieren zu niedrigen Kosten und haben den vollen Vorteil aus den niedrigen Zulieferpreisen gezogen. Jetzt haben sie in den USA einen ansehnlichen Vorsprung vor Compaq", sagte Fondsmanager Alan Loewenstein von John Hancock Technology Fund. Ein anderer Analyst stellte aber in Frage, wie lange dieser Vorteil anhalten werde. Seit Dezember seien schließlich die Preise für Speicherchips wieder gestiegen.

Geteiltes Echo bei Analysten nach Prognose-Anhebung

Die Anhebung der Umsatz- und Gewinnprognosen hat in Expertenkreisen derweil ein geteiltes Echo hervorgerufen. Zwar decken sich die neuen Daten mit den Erkenntnissen von zwei renommierten Marktforschungsinstituten, die auf die Computerbranche spezialisiert sind. So bestätigte sowohl Data Corp als auch Dataquest, dass die Nachfrage nach PC im vergangenen Quartal angezogen hat. Allerdings wurden auch warnende Stimmen laut. Einige Analysten verwiesen darauf, dass eine Steigerung der Umsätze in den letzten drei Monaten auf Grund des Weihnachtsgeschäfts ein saisonal typisches Merkmal ist.

So sei nun wieder mit einem deutlichen Nachlassen des Interesses seitens der Kundschaft zu rechnen, sagte ein Experte. Er teilt die Auffassung von Microsoft, die am Donnerstag den Ausblick für die kommenden beiden Quartale nicht allzu rosig dargestellt hatte. Nach Auffassung des in Redmond ansässigen Softwarespezialisten werden die PC-Lieferungen in diesem Zeitraum rückläufig sein. Auch Brett Miller, Analyst bei A.G. Edwards, wertet die verbesserte Prognose von Dell eher kritisch. "Sie gewinnen, weil sie nicht investieren", kommentierte er. Denn Dell hat nach Beobachtung des Experten ihre Investitionen mittlerweile auf zwei Prozent des Gewinns gesenkt.

Kurzfristig allerdings bleibt dem Computerhersteller der Triumph, dass er seine Konkurrenten Compaq und Hewlett-Packard zusammengenommen übertrifft, was den US-Absatz sowohl im vierten Quartal als auch im Gesamtjahr 2001 angeht. Dies belegen die Statistiken von International Data Corp und Dataquest.

Dell-Aktien zogen nach der Bekanntgabe der Prognose zunächst deutlich an, notierten aber an der Nasdaq in einem schwachen Marktumfeld fast drei Prozent im Minus bei 28,09 Dollar.

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